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MN Maschinenbau: Mittelständler in Sachsen warnt vor Extremismus – „Wir brauchen keine Populisten“

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 22.03.2019 Höpner, Axel
Der Passauer Unternehmer Bessinger hatte gemeinsam mit seiner Frau Claudia Gugger-Bessinger vor mehr als zehn Jahren die Firma MN Maschinenbau übernommen. © MN Maschinenbau Niederwürschnitz Der Passauer Unternehmer Bessinger hatte gemeinsam mit seiner Frau Claudia Gugger-Bessinger vor mehr als zehn Jahren die Firma MN Maschinenbau übernommen.

Die Eigentümer des Mittelständlers MN positionieren sich gegen Rechtsradikalismus in Sachsen. Nun besuchte der Ministerpräsident das Unternehmen.

Viele sächsische Unternehmen sind verzweifelt auf der Suche nach Fachkräften. Der Rechtspopulismus ist da nicht hilfreich, ist Günther Bessinger überzeugt. Im Handelsblatt hatte er vor einigen Monaten vor der Entwicklung gewarnt. Nun nahm Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) eine Einladung an, besuchte Bessingers MN Maschinenbau Niederwürschnitz GmbH und diskutierte mit den Mitarbeitern.

Die kommenden Herausforderungen, sagte Unternehmer Bessinger, könnten nur gemeinsam gemeistert werden. „Und dazu brauchen wir eine handlungsfähige, verantwortungsvolle und kraftvolle Regierung und keine Populisten und Menschen mit rechtsextremer Gesinnung.“ Wo dies hinführen könne, habe „Deutschland vor Jahrzehnten schon einmal leidvoll erfahren, und das darf sie nie mehr wiederholen.“

Kretschmer sah sich die Produktion an und diskutierte mit den Beschäftigten. Die trugen laut Teilnehmern die Themen vor, die vielen in Sachsen auf den Nägeln brennen, von der Rente über die Digitalisierung bis zu drohender Altersarmut.

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Wie es sein könne, dass US-Großkonzerne in Deutschland fast keine Steuern zahlen wollte einer wissen, ein Betriebsrat, warum die Wochenarbeitszeit in Sachsen so hoch sei. Er sei kürzlich in Asien gewesen, dort liege die Jahresarbeitszeit im Schnitt bei 2250 Stunden, antwortete Kretschmer. In Deutschland seien es rund 1700 Stunden.

In Sachsen ist am 1. September Landtagswahl. Umfragen sahen die AfD zuletzt bei etwa 25 Prozent. Experten schließen auch nicht aus, dass die Partei in einem Bundesland in Ostdeutschland stärkste Partei werden könnte. Kretschmer sagte, die Menschen in Sachsen müssten mitgenommen werden und dürften sich nicht benachteiligt fühlen.

Mit Blick auf die Digitalisierung mahnte er, ständige Weiterbildung sei Pflicht. Allerdings ist es schwer für viele Betriebe, überhaupt Fachkräfte zu finden. Die Bessingers könnten zehn weitere Auszubildende einstellen, wenn es sie denn gäbe.

Der Passauer Unternehmer Bessinger hatte gemeinsam mit seiner Frau Claudia Gugger-Bessinger vor mehr als zehn Jahren die Firma MN Maschinenbau übernommen. Auf einer Unternehmerbörse, bei der sich Firmen präsentierten, die keinen Nachfolger haben, kam der Kontakt zustande. Bessinger, der zuvor für Konzerne wie ZF und Siemens gearbeitet hatte, erfüllte sich seinen Traum vom eigenen Unternehmen.

Auch die IHK bezieht Stellung

Beim Besuch des Ministerpräsidenten beteuerte Bessinger: „Sie können sicher sein, ich bin gekommen um firmenseitig zu bleiben, nicht um kurz oder nur mittelfristig in Sachsen zu agieren.“ Allerdings bereitet ihm wie vielen Kollegen in der Region der Fachkräftemangel Sorgen.

Das Problem dürfte noch größer werden. In zehn Jahren werden dem sächsischen Arbeitsmarkt, so die Prognosen, rund 300.000 Erwerbspersonen fehlen. Der aufkommende Rechtspopulismus erschwert es, Fachkräfte in die Region zu locken.

Auch die Chemnitzer IHK hatte klar Stellung bezogen: „Fremdenfeindliche Hetze und Übergriffe sowie nationalsozialistische Äußerungen sind völlig inakzeptabel und gefährden den Wirtschaftsstandort Sachsen“, erklärte Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Wunderlich.

Auch er hat festgestellt, dass sich die Folgen „in einer erschwerten Gewinnung von Fachkräften aus dem In- und Ausland sowie einem Vertrauensrückgang nationaler und internationaler Kunden bemerkbar' machten.“

Ministerpräsident Kretschmer hörte sich die Themen der Unternehmer und der Mitarbeiter an. „Die Sorgen und Nöte der Menschen hier in Sachsen, sprich ganz konkret hier in Niederwürschnitz, in Stollberg oder Chemnitz, sind mit Sicherheit andere, als in München, in Starnberg, in Würzburg oder in Passau“, sagte Unternehmer Bessinger. Dabei gehe es um Mieten, den öffentlichen Nahverkehr und die medizinische Versorgung im ländlichen Raum.

Zudem gebe es besonders in Sachen Unzufriedenheit, die aus Themen wie Asyl und Flüchtlingskrise resultierten. Diese negative Stimmung muss jetzt schnellstmöglich ins Positive verwandelt werden, durch bessere Gesetze im Bereich der inneren Sicherheit, durch mehr Polizei, durch nachhaltigen Außengrenzschutz, um nur einige wenige Dinge anzusprechen.“

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