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Modehaus: Versace soll Luxus „made in Italy“ in die USA bringen

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 25.09.2018 Krieger, Regina Kort, Katharina
Sie gibt das Mailänder Modehaus laut Medienberichten an den US-Konzern Michael Kors ab. © AFP Sie gibt das Mailänder Modehaus laut Medienberichten an den US-Konzern Michael Kors ab.

Das Modehaus wechselt wohl den Besitzer. Käufer Michael Kors könnte seinem Traum von einem Luxus-Konglomerat so näherkommen.

Noch läuft die Modewoche in Mailand, Tag für Tag stellen die großen Häuser ihre Frühling/Sommer-Kollektionen für das nächste Jahr vor. Seit gestern gibt es allerdings nur ein Thema in den Showrooms und hinter den Kulissen: den Verkauf von Versace. Das Luxus-Modehaus soll für zwei Milliarden Dollar an die US-Modefirma Michael Kors gehen, berichten mehrere Medien in den USA und in Italien. An diesem Dienstag soll der Deal bekanntgemacht werden.

Cool, extrem schmal und zurückhaltend wie immer, in schwarzer Hose, Fransenstiefeln und mit einem kupferfarbenen T-Shirt mit dem Logo „Versace“, so war Donatella Versace am vergangenen Samstag bei der hauseigenen Show in Mailand nach allen ihren Models kurz auf den Laufsteg gekommen, hatte einmal gewunken und war wieder entschwunden.

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Die neue Kollektion scheint schon wie für den US-Markt geschaffen zu sein: kurze Kleider und Miniröcke in kräftigen Farben, viel Lack und enge schwarze Abendkleider mit einer freien Schulter statt des sonst für die Saison üblichen opulenten, überladenen Stils mit Gold und viel Prunk.

Die Schwester des legendären Firmengründers Gianni ist Chefdesignerin des Unternehmens, der zweite Bruder Santo war bis 2003 Geschäftsführer, seitdem gibt es externe Vorstandschefs. Die 63-jährige Donatella ist das Gesicht der 1978 gegründeten Marke – mit ihren weißblond gefärbten langen Haaren und dem durchtrainierten Körper.

Sie musste übernehmen, als Gianni im Juli 1997 vor seiner Villa in Miami Beach erschossen aufgefunden wurde. Er war das Modegenie und hatte ein Händchen fürs Geschäft. Und er wollte Versace an die Börse bringen. Donatella erbte 20 Prozent, ihre Tochter Allegra 50 Prozent und Bruder Santo 30 Prozent.

Doch mit dem Tod Giannis kam der Niedergang. Schulden häuften sich, aber nach kargen Jahren, in denen die aus dem süditalienischen Kalabrien stammende Familie sogar ihre Villen verkaufen musste, schaffte Donatella den Turnaround. Heute wird das Unternehmen mit einer Milliarde bewertet. Die Zahl stammt von dem Vermögensverwalter Blackstone, der seit 2014 mit 20 Prozent an Versace beteiligt ist.

Blackstone als treibende Kraft

Medienberichten zufolge soll der Vermögensverwalter auch die treibende Kraft für die Suche nach einem Käufer gewesen sein, nachdem der Börsengang kein Thema mehr war. Denn an die alten glorreichen Zeiten Giannis hatte Donatella nie vollständig anschließen können.

Ein Relaunch der Marke vor vier Jahren brachte nicht genug ein für eine Börsenstory. Im vergangenen Jahr belief sich der Gewinn auf mageren 15 Millionen Euro. Die Umsätze pendeln seit Jahren um die 700 Millionen Euro.

Europäische Modekonzerne hätten abgelehnt, wird in Italien gemeldet. Keiner der beiden französischen Luxusholdings LVMH und Kering, die bereits viele Firmen in Italien gekauft haben, seien interessiert gewesen. Von Michael Kors weiß man, dass er seit einiger Zeit einen amerikanischen Luxuskonzern als Gegengewicht zu den Franzosen aufbauen will. Er ist vor allem für seine Handtaschen bekannt. Der 59-jährige Modedesigner, der als Sohn eines Models in der Nähe von New York aufwuchs, hat schon als Jugendlicher eigene Kleidung entworfen und verkauft.

Sein nach ihm benanntes Unternehmen hat er bereits in den 1980er-Jahren gegründet und damit schon einige Höhen und Tiefen mitgemacht. Nach einer Insolvenz in den 90er-Jahren hat er den Taschen-Hersteller wieder restrukturiert. Vor allem nach der Jahrtausendwende hat die Marke „Michael Kors“ ein rasantes Wachstum hingelegt mit knapp 1.000 Läden weltweit.

Doch die schnelle Expansion hat auch die Marke verwässert: 2017 kündete Michael Kors nach roten Zahlen an, jedes zehnte Geschäft schließen zu wollen. Zuletzt ging es dann wieder bergauf. Seit knapp sieben Jahren ist Michael Kors an der Wall Street notiert. Der Gründer selbst hält zwar noch Anteile. Der Großteil der Aktien liegt aber bei Investoren. Vanguard und Blackrock sind mit je 16 und elf Prozent die größten Investoren.

Für Michael Kors wäre Versace bereits die zweite große Übernahme innerhalb von zwei Jahren: Im vergangenen Jahr hatte das US-Unternehmen mit Sitz auf den britischen Virgin Islands bereits den Schuh-Hersteller Jimmy Choo für 1,2 Milliarden Dollar von der deutschen Reimann-Familie übernommen.

Mit Versace könnte Michael Kors seinem Traum von einem kleinen amerikanischen Luxus-Konglomerat noch näher kommen. Zuvor hat er bereits Tapestry mit den Marken Coach, Kate Spade und Stuart Weitzman übernommen. 

Auch der Juwelier Tiffany soll im Gespräch gewesen sein. Das New Yorker Traditionshaus hat eine besondere Affinität zu Italien: Der Vorstandschef Alessandro Bogliolo ist Italiener. Außerdem sitzt der Bulgari-Erbe Francesco Trapani im Aufsichtsrat des Unternehmens.

Darüber hinaus war offenbar auch die US-Holding PvH als Interessent für Versace im Gespräch, zu ihr gehören die Marken Calvin Klein und Tommy Hilfinger. Für italienische Mode sind die USA ein immer wichtiger werdender Markt, vor allem seit die Russland-Sanktionen greifen.

Donatella Versace will aber offenbar im Geschäft bleiben. Wie viel Prozent sie und ihre Tochter Allegra am Ende noch halten werden, ist noch nicht bekannt. Gesprochen wird aber darüber, dass der Investor Blackstone sich von Versace dann zurückzieht. Begleitet wird die Transaktion von Goldman Sachs.

Donatella sei die „amerikanischste“ der drei Versace-Geschwister, steht in einem Porträt über sie. Sie hat 3,5 Millionen Follower bei Instagram, ist befreundet mit Michelle Obama und Lady Gaga und wurde sogar in einer TV-Satire nachgeahmt. Den Amerikanern bleibt sie als Kreative erhalten.

Doch es war Donatellas Bruder Santo, der das Geheimnis in Mailand als Erster gelüftet hatte: Er sagte am Wochenende: „Wir stehen vor einer Revolution.“ Jetzt weiß man, was er meinte.

Der US-Modeunternehmer träumt vom eigenen Luxuskonglomerat. © AFP Der US-Modeunternehmer träumt vom eigenen Luxuskonglomerat.

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