Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Nachhaltigkeitsoffensive: Top-Manager der Deutschen Bank sollen auf ein Monatsgehalt verzichten

Handelsblatt-Logo Handelsblatt vor 2 Tagen Maisch, Michael
Die Deutsche Bank will 18.000 Stellen abbauen. © dpa Die Deutsche Bank will 18.000 Stellen abbauen.

In der Coronakrise inszeniert sich das größte heimische Geldhaus als „gute Bank“, Sewing will es „sturmfest“ machen. Doch Analysten fehlt der Glaube an die Botschaft.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat ein neues Mantra: „Dieses Mal sind wir Teil der Lösung.“ Anders als in der Finanzkrise soll die Bank während der Pandemie nicht Last sondern Segen für die Gesellschaft sein. Offenbar sieht Sewing die Coronakrise als Chance, das ramponierte Image des Geldhauses zu reparieren. Dazu soll nun auch der erweiterte Führungskreis des Instituts ein symbolisches Opfer bringen.

Immer wieder betonte Sewing in den vergangenen Wochen, dass die Deutsche Bank in der Krise nicht nur für alle alten sondern auch für neue Kunden da ist. Aber die Bekämpfung der tiefsten Rezession seit Menschengedenken reicht dem Vorstandschef nicht.

Pünktlich zur Hauptversammlung in dieser Woche startete Sewing eine groß angelegte Nachhaltigkeitsoffensive. Auch nach innen versucht die Bank – trotz des Abbaus von 18.000 Arbeitsplätzen – die Empathie zu betonen.

Nach dem Top-Management soll nach Informationen aus Finanzkreisen nun auch die Ebene darunter auf ein Monatsgehalt verzichten. In einer Telefonkonferenz am vergangenen Donnerstag habe die Bank die Manager zu einem freiwilligen Gehaltsverzicht aufgefordert, heißt es. Über die Initiative hatte zuerst die „Financial Times“ berichtet.

In seiner Rede zur Hauptversammlung hatte Sewing angekündigt, dass der wegen der Pandemie unterbrochene Arbeitsplatzabbau wieder aufgenommen werde. Gleichzeit kündigte der Banker an, dass alle Mitglieder des Vorstands und des Konzernleitungskomitees auf einen Monat Festgehalt verzichten.

Die Deutsche Bank folgte damit dem Beispiel anderer europäischer Institute. Noch im Februar hatten die Boni der Vorstände für das Jahr 2019 trotz eines Teilverzichts für Kritik unter Investoren und Unternehmern gesorgt.

Signal der Solidarität

Beim Verzichtaufruf an die nächst niedrigere Managementebene gehe es vor allem um ein Signal der Solidarität mit der gesamten Belegschaft, heißt es in Finanzkreisen. Die Initiative betreffe wenige hundert Manager und habe nichts mit Liquiditätssicherung oder zusätzlichen Sparmaßnahmen zu tun. Dazu wäre der niedrige zweistellige Millionenbetrag, um den es nach Informationen des Handelsblatts geht, wohl auch zu bescheiden.

In seiner Hauptversammlungsrede hatte Sewing klar gemacht, dass die Coronakrise die Bank hart treffen werde, deshalb gelte es, das Geldhaus „sturmfest“ zu machen. Die Bank will vor allem auf der Ausgabenseite gegensteuern. Das Kostenziel von 19,5 Milliarden Euro für dieses Jahr steht nach wie vor oder soll sogar unterschritten werden. Auch an den übrigen Zielen der neuen Strategie hält Sewing trotz der Pandemie fest.

Die Bank habe sich in einer „nie dagewesenen Situation“ bisher gut geschlagen, verkündete Vorstandschef auf der virtuellen Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch. „Deshalb sehen wir auch keinen Grund, bei unseren Ambitionen Abstriche zu machen. Wir stehen zu unseren Finanzzielen für 2022, wie wir sie im vergangenen Jahr bekanntgegeben haben.“

Die Bank hat sich unter anderem vorgenommen, ihre Kosten auf bereinigt 17 Milliarden Euro zu senken, die Erträge auf 24 bis 25 Milliarden Euro zu steigern und eine Nachsteuerrendite von acht Prozent zu erzielen.

Ziele noch erreichbar?

Die Analysten hören zwar die Botschaft, aber Ihnen fehlt der Glaube. Sie trauen der Bank bestenfalls die Kostenziele zu, doch nicht ein einziger glaubt, dass die Bank ihre Ertrags- oder Renditeziele für 2022 noch erreichen kann.

Im Durchschnitt gehen die Finanzprofis von Erträgen in Höhe von 22 Milliarden Euro aus und von einer Nachsteuerrendite von 2,8 Prozent. Für dieses Jahr sagen die Kapitalmarktprofis einen Nettoverlust von 1,8 Milliarden Euro voraus - es wäre das sechste Verlustjahr in Folge.

Und wie kommt angesichts dieser Zahlen die neue Empathie der Ära Sewing bei den Mitarbeitern an? Ein Deutsch-Banker bezeichnet den Gehaltsverzicht der Führungskräfte als „schöne Geste, die am Ende aber niemandem nutzt“.

Mehr: US-Regulierer kritisieren mangelnden Fortschritt bei der Deutschen Bank

Mehr auf MSN

Video wiedergeben
| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Handelsblatt

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon