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Netflix - eine Konzerngeschichte

Finanzen.net-Logo Finanzen.net 13.08.2022

Netflix kennt wohl heute fast jeder, aber wer hätte gedacht, dass das Unternehmen noch vor der Jahrtausendwende gegründet wurde und seinen Weg als außergewöhnlicher DVD-Verleih begann?

DANIEL ROLAND/AFP/Getty Images © Bereitgestellt von Finanzen.net DANIEL ROLAND/AFP/Getty Images

• Netflix: Der erste Online-DVD-Verleih weltweit

• 2012 erschien das erste Netflix-Original - heute sind die Netflix-Eigenproduktionen sogar Oscar-Gewinner

• Mit COVID-19 steigen unter CEO Hastings die Netflix-Nutzerzahlen

Heute ist Netflix ein weltweit bekannter Streaming-Dienstleister. Auf der Firmenwebsite heißt es: "Netflix ist ein Streaming-Dienstleister, dessen Mitglieder ein vielseitiges Angebot von preisgekrönten Serien, Filmen, Dokumentationen und mehr auf Tausenden mit dem Internet verbundenen Geräten nutzen können".

Die Netflix-Idee aber ist schon vor mehr als 20 Jahren entstanden: Im Jahr 1997 wollten die beiden US-amerikanischen Firmengründer Reed Hastings und Marc Randolph einen Online-DVD-Verleih gründen, wie Forbes berichtet. Sie testeten, ob das Versenden von DVDs per Post funktioniert und bereits 1998 gab es Netflix.com, den ersten Online-DVD-Verleih überhaupt. Marc Randolph war zunächst CEO der Firma.

Netflix-Abo ohne Rückgabefrist und der Ausstieg Marc Randolphs

Ein weiteres Jahr später gab es bereits die Abo-Möglichkeit: Kunden, die ein Netflix-Abo kauften, mussten sich nicht nach Rückgabefristen, monatlichen Beschränkungen oder Verzugsgebühren richten. 1999 trat Randolphs laut Forbes von seinem Posten als CEO zurück und Hastings übernahm seine Funktion - er ist bis heute CEO des Unternehmens.

Im Jahr 2000 dann wurde ein System für individuelle Empfehlungen eingeführt, wie wir es auch heute vom Streamingdienst kennen und schon fünf Jahre nach der Firmengründung - 2002 - ging Netflix mit dem Tickersymbol NFLX an die Börse. Der Preis für eine Aktie betrug damals 15 US-Dollar.

2003 knackte Netflix die Marke von einer Million User und ließ sein Abo-System beim U.S. Patent & Trademark Office patentieren. Im selben Jahr verließ Randolph das Unternehmen komplett und spezialisierte sich auf den Bereich Mentoring für Startups.


Video: Das sind die fünf meistgeschauten Netflix-Serien (glomex)

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Streaming-Partnerschaften und das Profilsystem für mehrere Nutzer

Zwei Jahre nach Randolphs Weggang entwickelte Netflix das wie die persönlichen Empfehlungen ebenfalls noch heute im Streaming genutzte Profilsystem für mehrere Nutzer eines Accounts, welches sich sofort bewährte: 2006 gab es bereits fünf Millionen Netflix-Nutzer.

2007 wurde das Online-Streaming eingeführt, es folgten Partnerschaften mit Herstellern von Elektronikgeräten, sodass auch über Microsofts Xbox, Blu-ray-Player sowie Fernsehgeräte mit Internetzugang gestreamt werden konnte. 2009 gab es bereits 10 Millionen Nutzer, 2010 wurde nach Kanada expandiert. Es kamen das Streaming auf Mobilgeräten und spezielle Angebote nur für Kinder hinzu, 2011 expandierte Netflix schließlich nach Lateinamerika und in die Karibik. Die Netflix-Tasten auf Fernsehgeräten etablierten sich.

25 Millionen Nutzer: Nun kommen die Netflix-Originale

Im Folgejahr 2012 verzeichnete Netflix zum ersten Mal Nutzerzahlen von über 25 Millionen, was zu Expansionen in erste europäische Länder veranlasste. In diesem Jahr erschien auch die erste Netflix-Original-Sendung: Bill Burr: You People Are All the Same". Weitere Originale wurden 2013 produziert, zu den ersten Netflix-Originalen gehörten die heute noch verfügbaren Serien "House of Cards", "Orange Is the New Black" und "Hemlock Grove".

Mit "House of Cards", mit drei Emmy-Awards ausgezeichnet, schuf Netflix die erste Serie, die nur im Streaming zugänglich war. 2014 schließlich gab es 50 Millionen Nutzer und Netflix kam auch nach Deutschland.

Mit ersten Original-Filmen und Produktionen in nicht-englischer Sprache expandierte Netflix weiter, sodass die Streaming-Plattform heute für Nutzer in 190 Ländern weltweit verfügbar ist.

Der erste Oscar und die 100-Millionen-Marke

2017 wurde zum ersten Mal ein Netflix-Film mit einem Oscar ausgezeichnet: Nach "Die Weißhelme" wurden mittlerweile viele weitere Netflix-Originale mit Oscars geehrt. Ebenfalls 2017 hat Netflix die 100-Millionen-Nutzer-Marke geknackt, es kam die Produktion interaktiver Geschichten hinzu und 2019 wurden schließlich neue Produktionsstandorte in London, Madrid und Toronto gegründet.

Die Einstellung des Unternehmens wird heute auf der Firmenwebsite wie folgt beschrieben: "Unterhaltung ist, ebenso wie Freundschaft, ein menschliches Bedürfnis […] Wir wollen die Welt unterhalten. Wenn wir das schaffen, gibt es mehr Lachen, mehr Empathie und mehr Freude [auf der Welt]". Entsprechend sind auch die Geschäftsbedingungen recht nutzerfreundlich: Ein Abo kostet in Deutschland monatlich zwischen 7,99 Euro und 17,99 Euro, Serien und Filme können auch offline geschaut werden und das Abo ist jederzeit kündbar. Nutzt ein Abo-Zahler seinen Account über eine bestimmte Zeitspanne gar nicht, wird sein Account eingefroren und kein Geld mehr eingezogen.

Netflix: Umsätze und Nutzerzahlen steigen mit der Pandemie

Auch die Mitarbeiter genießen - laut Angaben der Firma - Respekt und ein gutes Arbeitsklima: Ganz nach dem Motto, dass zu strenge Regeln und Bürokratie hinderlich für Erfolge bei der Arbeit sein können, gibt es keine festen Urlaubs- oder Elternzeitregelungen. Zeitaufwendige Komitees werden der Firmenwebsite zufolge vermieden. Außerdem gibt es eine offene Diskussionskultur und Mitarbeiter, die auch mal eine unkonventionellere Lösung vorschlagen, werden geschätzt.

Und diese Arbeitsweise, geleitet von CEO Reed Hastings, produziert Erfolge: So sind in den letzten Jahren die Einnahmen und der Umsatz gestiegen, 2019 berichtet der Annual Report von Einnahmen im Wert von über 20 Milliarden Dollar Einnahmen - noch im Vorjahr waren es nur knapp 16 Milliarden Dollar. Knapp die Hälfte der Umsätze werden dabei in Kanada und den USA gemacht, und: Der prozentuale Anteil an Betriebskosten ist in den letzten Jahren konstant gesunken. So betrug er 2019 nur noch 62 Prozent der Einnahmen.

Auch die Quartalszahlen freuen Netflix-Aktieninhaber: Mit Beginn der COVID-19 Pandemie sind die Nutzerzahlen - und damit die Zahl der Abo-Käufer - durch die Decke gestiegen. Redaktion finanzen.net

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