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Profit mit CAT-Bonds: Sind Katastrophenanleihen auch für Privatanleger interessant?

Finanzen.net-Logo Finanzen.net 23.01.2022

Sogenannte Katastrophenanleihen bzw. CAT-Bonds locken mit hohen Renditen und korrelieren nur wenig mit der Entwicklung an den Finanzmärkten. Somit können sich derartige Finanzprodukte auch für Privatanleger lohnen.

Mario Vedder/Getty Images © Bereitgestellt von Finanzen.net Mario Vedder/Getty Images

• Katastrophenanleihen bieten eine Diversifikationsmöglichkeit

• Erfolgsbilanz von CAT-Bonds lässt sich sehen

• Totalverlust ist jederzeit möglich

Mit der Emission von CAT-Bonds, auch Catastrophe-Bonds oder Katastrophenanleihen gennant, geben Versicherungs- und Rückversicherungsgesellschaften außergewöhnliche Risiken, welche im Zusammenhang mit verschiedenen Naturereignissen wie zum Beispiel Erdbeben, Wirbelstürmen oder Tsunamis entstehen können, an den Kapitalmarkt weiter.

Eine Wette gegen die Katastrophe

Derartige Anleihen übertragen somit einen Teil ihres Risikos auf den Käufer. Dabei hängen die Zahlungsverpflichtungen oder Tilgungsansprüche dieser verbrieften Schuldverschreibungen an exakt definierten Naturereignissen. Während die Kuponzahlung und die Rückzahlung des Nennwerts bei normalen Anleihen von der Zahlungsfähigkeit des Schuldners abhängt, orientiert sich die Zins- und Rückzahlung einer Katastrophenanleihe an einem strikt festgelegten Ereignis.

Ein solches Ereignis wird unter Experten auch als Trigger bezeichnet. Wird dieser sogenannte Trigger ausgelöst, verfällt der Tilgungsanspruch der Gläubiger für die Anleihe und das eingesammelte Kapital aus der verbrieften Schuldverschreibung kommt den Betroffenen der jeweiligen Katastrophe zugute. Kommt es während der Laufzeit der Anleihe jedoch nicht zu solch einem Ereignis, erhält der Gläubiger jährlich hohe Kuponzahlungen und die komplette Rückzahlung des Nennwerts der Anleihe.

Die Geschichte des CAT-Bonds

Die Anlagelösung, welche Investoren das Halten von Versicherungsrisiken ermöglicht, wird auch als Insurance-Linked-Strategie, kurz ILS, bezeichnet. Die Ursprünge derartiger ILS-Produkte gehen dabei auf das Jahr 1992 zurück. In diesem Jahr sorgte nämlich Hurrikan Andrew im US-Bundesstaat Florida für eine Schadenssumme von insgesamt 17 Milliarden US-Dollar. Die Versicherungsindustrie war zu diesem Zeitpunkt jedoch nur auf eine Schadenssumme von rund 8 Milliarden US-Dollar vorbereitet und hatte die Risiken einer derartigen Naturkatastrophe somit massiv unterschätzt.

Einige Versicherungsunternehmer kamen in Folge dieses Vorfalls somit auf die Idee, einen verbrieften und handelbaren Rückversicherungsvertrag zu emittieren, um den Rückversicherern einen alternativen Risikotransfer zu ermöglichen. Da diese hochverzinsten Anleihen sehr positiv vom Kapitalmarkt aufgenommen wurden, emittierten in den Folgejahren immer mehr Versicherungsbetriebe solche CAT-Bonds.

Während das Gesamtvolumen von Katastrophenanleihen im Jahr 1999 noch bei rund zwei Milliarden US-Dollar lag, waren es im Jahr 2018 schon knapp 38 Milliarden US-Dollar.

Gründe für den Kauf einer Katastrophenanleihe

Gerade die fehlende Korrelation zwischen CAT-Bonds und traditionellen Assets wie Aktien und Gold bietet große Vorteile für Investoren. So blieben Katastrophenanleihen auf dem Höhepunkt der Corona-Krise von jeglichen Marktturbulenzen verschont und konnten so das Kapital der Investoren bis zu einem gewissen Grad schützen bzw. die Volatilität verringern.

Somit bieten CAT-Bonds eine relativ stabile Quelle für alternative Renditen, die sich tendenziell unabhängig von traditionellen Anlageklassen herausbilden. Darüber hinaus haben Katastrophenanleihen eine sehr solide Leistungsbilanz, was den Wert dieser Anlageklasse als Diversifikationsmöglichkeit für das persönliche Portfolio weiter untermauert.

Renditestarkes Risiko

Gemessen am Global-CAT-Bond-Index der Rückversicherungsgesellschaft Swiss Re, erzielten Investoren seit dem Jahr 2002 mit Katastrophenanleihen ausschließlich positive Renditen. Der Index konnte in der Zeitspanne zwischen 2002 und 2018 durchschnittlich sogar 7,2 Prozent im Jahr hinzugewinnen. Aufgrund einer derartigen Performance verwundert es kaum, dass sich immer mehr Investoren, egal ob institutionell oder privat, für CAT-Bonds interessieren. Manche Privatbanken empfehlen ihren Kunden nun sogar schon einen CAT-Bond Anteil von 5 bis 10 Prozent im Portfolio.

Die zurückliegenden renditestarken Jahre dürfen jedoch nicht über die erheblichen Risiken hinwegtäuschen, die mit einer Investition in CAT-Bonds eingekauft werden. Denn sofern es plötzlich zu einer größeren Naturkatastrophe kommt, kann die ansehnliche Rendite, welche über mehrere Jahre erzielt wurde, innerhalb kürzester Zeit verpuffen.

Möglichkeiten für Privatanleger

Für Privatanleger, die sich näher mit dem Thema CAT-Bonds beschäftigen möchten oder über ein mögliches Engagement nachdenken, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Da sich die Emittenten von Katastrophenanleihen in erster Linie an institutionelle Investoren und Pensionskassen richten, liegt der Nennwert derartiger Anleihen oft im Bereich von 100.000 bis 1.000.000 US-Dollar, was eine Direktinvestition für Privatanleger, je nach Depotvolumen, sehr schwierig gestaltet.

Dementsprechend müssen Privatanleger in der Regel auf verschiedenen Fonds-Produkte zurückgreifen, die mittlerweile auch von Versicherungsgesellschaften wie zum Beispiel der Schweizer Rückversicherungsgesellschaft Swiss Re oder dem französischen Versicherungskonzern AXA herausgegeben werden.

Fonds bieten dabei den großen Vorteil, dass sie in verschiedene CAT-Bond-Konstruktionen investieren, was das Risiko eines Totalverlusts für den Anleger erheblich reduziert. Sollte es jedoch tatsächlich einmal zu einem zerstörerischen Jahrhundertereignis kommen, dürften auch derartige Fonds kollabieren. Dessen sollte sich jeder Investor stets bewusst sein.

Pierre Bonnet / finanzen.netDieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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