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Renten: Laut BDV ist Geld unterm Kopfkissen besser aufgehoben als in Riesterverträgen

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 11.02.2019 Wiebe, Frank
Der BDV stellt in einer neuen Studie die These auf, es sei in der Regel besser, Geld unters Kopfkissen als in Riesterverträge zu stecken. © dpa Der BDV stellt in einer neuen Studie die These auf, es sei in der Regel besser, Geld unters Kopfkissen als in Riesterverträge zu stecken.

Der BDV warnt vor der schlechten Rendite der Riester-Rente. Damit stiftet er mehr Verwirrung, als Aufklärung zu bieten. Eine Einordnung.

Eines muss man dem Bund der Versicherten (BDV) lassen: Er hat ein klares Feindbild. Immer wieder spießt die Lobby der Versicherungskunden schlechte Angebote oder miesen Service der Branche auf – und meist zu Recht. Aber bei einer neuen Studie zu Riester-Renten bleiben viele Fragezeichen zurück.

Riester-Renten sind seit langem umstritten. Zu teuer, zu renditeschwach, das ist ein häufig gefälltes Urteil. Weil bei der klassischen Lebensversicherung immer mehr Steuervorteile gestrichen wurden, benötigte die Branche der Finanzvermittler ein neues, öffentlich gefördertes Produkt. Und ähnlich wie schon bei der Lebensversicherung landet ein großer Teil der Subvention in den Taschen der Vermittler.

Allerdings sind bisher viele Untersuchungen zu dem Schluss gekommen, dass unterm Strich für die meisten Riester-Sparer doch etwas übrig bleibt – aufgrund der staatlichen Zuschüsse, weniger wegen der Leistung der Anbieter dieser Produkte.

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Im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien steht, dass das System verbessert werden soll. Bisher ist aber nicht viel passiert. Außerdem will die Regierung dabei mit der Versicherungsbranche zusammenarbeiten. Was immer das auch heißen mag.

Der BDV stellt in einer neuen Studie die These auf, es sei in der Regel besser, Geld unters Kopfkissen als in Riesterverträge zu stecken. Dabei konzentriert er sich auf Riester-Renten, die von Versicherern angeboten werden. Es gibt ja auch noch andere Formen, etwa Fonds.

Danach geht die Verwirrung los. Der BDV unterscheidet die „erzielte Rendite“, die der Anbieter erwirtschaftet, und die „gefühlte Rendite“, bei der zusätzlich die staatlichen Subventionen eingerechnet werden.

Das ist ein prima Konzept, um den Versicherern ihre – nach Abzug aller Kosten – miesen Ergebnisse bei der Vermögensanlage vorzuhalten. Aber aus Sicht der Anleger ist entscheidend, was er am Ende bekommt. Bezeichnet man das als nur „gefühlt“, so entsteht der Eindruck, dieses Geld sei gar nicht real. Tatsächlich ist für den Kunden aber die „gefühlte“ Variante entscheidend, wenn er sich überlegt, ob er lieber Riester oder das Kopfkissen wählt.

Der BDV präsentiert dann verschiedene Vergleichstabellen für die Variante „Kopfkissen“ und „Riester“. Zum Teil kommt dabei die „erzielte“, zum Teil die „gefühlte“ Rendite zum Einsatz, außerdem gibt es unterschiedliche Annahmen darüber, was genau unters Kopfkissen gelegt wird.

Aus Kundensicht ist allein der Vergleich zwischen der Anlage des Spargeldes unterm Kissen mit dem Ergebnis der Riesterrente einschließlich Subvention interessant. Je nach Spardauer kommt dabei heraus, dass man fast 90 Jahre oder noch älter werden muss, um mit Riester finanziell besser abzuschneiden als mit dem Kopfkissen.

Der BDV stellt fest, dass dieses Alter höher liegt als die durchschnittliche Lebenserwartung bei Vertragsabschluss. Und das ist der zweite Punkt der Verwirrung. Denn hier werden Äpfel (Sparpläne) mit Birnen (lebenslange Renten) verglichen. Wer unterm Kissen spart und relativ lange lebt, dem geht irgendwann das Geld aus.

Das kann man in Kauf nehmen, nach dem Motto „Im hohen Alter macht das Geldausgeben ohnehin nicht mehr so viel Spaß“. Oder aber bedrohlich finden, weil man gerade im Alter vielleicht höhere Ausgaben hat oder sich hin und wieder etwas mehr Bequemlichkeit und Luxus leisten möchte, wenn einen schon die Gesundheit hier und da im Stich lässt. Klar ist nur: Die Garantie einer lebenslangen Rente gibt es nicht gratis, deswegen ist der Vergleich schief.

Insgesamt bleibt von der Studie der Eindruck: Die Versicherer wirtschaften schlecht. Das liegt vor allem an ihren hohen Kosten, auch für den Vertrieb – das ist aber nicht neu. Der BDV sollte möglicherweise bei solchen Studien die Analyse präziser aus Sicht der Kunden betreiben als mit dem vorrangigen Ziel, dem traditionellen Feind mal wieder so richtig eins reinzuwürgen.

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