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Revolutionäres Konzept: Aldi eröffnet neue Läden − und schafft die Kassen ab

Berliner Kurier-Logo Berliner Kurier 16.06.2019 berliner-kurier
Schick: Eine Filiale des Lebensmittelhändlers Aldi in Shanghai. © dpa Schick: Eine Filiale des Lebensmittelhändlers Aldi in Shanghai.

Aldi Süd erkundet mit zwei neuen Filialen in Shanghai erstmals den Massenmarkt China: Hochwertige Waren, trendige Produkte und Fertigmahlzeiten.

Und noch etwas ist neu: Aldi schafft die Kassen ab!

Wie das Magazin „Chip“ berichtet, testet Aldi "Scan & Go". Das funktioniert ganz einfach übers Smartphone: Aldi-Kunden öffnen zunächst die Kamera-Funktion, fahren mit der Linse über einen QR-Code, der an vielen Regalen angebracht ist. Das Smartphone öffnet daraufhin die "Scan & Go"-Funktion von Aldi. An Wänden werden die Kunden informiert, wie sie besonders effektiv und schnell bezahlen können. 

Nach erfolgreicher Bestätigung bezahlen Kunden per Online- oder Kreditkartenzahlung. Voreingestellt ist übrigens WeChat Pay.

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„Mobile Bezahlsysteme sind in China weiter entwickelt als in Europa“, sagte Li Chengdong, E-Commerce-Analyst. „Kunden bevorzugen auch gut aussehende und schön dekorierte Geschäfte gegenüber einfacher Bodenplanung.“ So sollen die Aldi-Läden in Shanghai ein besonderes Shopping-Erlebnis bieten.

Bei Aldi können Kunden zudem mit einem Miniprogramm in der in China stark verbreiteten Allzweck-App WeChat online im Laden bestellen und werden im Umkreis von drei Kilometern sofort beliefert.

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Die zwei Filialen von Aldi Süd öffneten am vergangenen Freitag im Jing'an Sporteinkaufszentrum im Jing'an Bezirk sowie im Gumei Life Shopping Plaza im Minhang Bezirk ihre Türen. 

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Aldis Zielgruppe in China ist die zahlungskräftige Mittelklasse, die gerade in dem 30 Millionen Menschen zählenden Ballungsraum der ostchinesischen Hafenstadt zu finden ist.

Aldi Süd will in China bis zu 100 Filialen eröffnen

Während Aldi Süd bereits seit 2017 online über die Handelsplattform Tmall in China verkauft, will die Mülheimer Unternehmensgruppe mit den zwei Läden jetzt das stationäre Geschäft testen, um die chinesischen Verbraucher besser zu verstehen. Mittelfristig sollen in China nach unbestätigten Berichten zehn Filialen aufgebaut werden – langfristig sogar 50 bis 100.

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Das Potenzial ist groß. China dürfte nach den Erwartungen der Marktforscher von IDG in vier Jahren die USA als größter Lebensmittelmarkt abgelöst haben. „Die Möglichkeiten für Aldi, in diesem Markt präsent zu sein, sind deswegen bedeutend“, sagte Nick Miles, IDG-Chef Asien-Pazifik. „Aber es wird nicht ohne Risiko sein.“

Aldi-Konkurrenz in China schon gescheitert

Der Markt gilt als schwierig für ausländische Händler. Aldis deutscher Konkurrent Lidl hat sich gerade leise aus dem Online-Geschäft in China zurückgezogen. Der spanische Discounter Dia hat 2018 nach 15 Jahren in China seine 450 Filialen an die chinesische Suning-Gruppe verkauft, weil die Verluste zu groß wurden. Auch der britische Einzelhändler Tesco war 2014 in China gescheitert.

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Aldi, das in elf Ländern mit 6240 Filialen aktiv ist, setzt in China auf eine besondere Strategie: Keine Billigware, sondern ausgesuchte, höherwertigere Produkte. Die Qualität soll garantiert werden, da der chinesische Kunde schon so manchen Lebensmittelskandal erlebt hat.

„In der Vergangenheit ging es dem chinesischen Kunden um den Preis“, sagte Liu Shengjun, Vizepräsident der China-Europe Business School in Peking der Deutschen Presse-Agentur. „In jüngster Zeit schenken sie aber der Qualität und Sicherheit der Produkte mehr Aufmerksamkeit.“

„Der chinesische Markt ist groß genug“, glaubt der Experte. „Es ist möglich, hier erfolgreich zu sein.“ Aber nach dem traditionellen deutschen Modell werde das nicht gelingen. „Du musst den Markt und das Verhalten der Kunden kennen.“ Während Kunden in Deutschland und Europa zum Großeinkauf bei Aldi fahren und das Auto vollpacken, gehen die Kunden in den dicht bevölkerten Metropolen Chinas häufiger ins Geschäft und kaufen kleinere Mengen.

Auch wächst der Online-Markt in China enorm - in Konkurrenz zum traditionellen Geschäft. „Wie stelle ich sicher, dass die Produkte im Laden anders sind als jene, die online laufen?“, sagt Liu Shengjun. „Das ist eine besondere Herausforderung.“

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Mit Billigprodukten könne Aldi ohnehin kaum Erfolg haben, da diese einfach in chinesischen Läden zu haben seien, sagte der Experte. Als deutsche Marke könne Aldi aber auf einen Wettbewerbsvorteil setzen: „Chinesen empfinden deutsche und westliche Marken als Qualitätsprodukte“, sagt Li Chengdong. „Es gibt viele Waren, die als „Luxusprodukte“ angesehen und preislich auch so eingestuft werden. Es hat psychologische Gründe.“

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(dpa)

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