Durch Nutzung dieses Diensts und der damit zusammenhängenden Inhalte stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu.
Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Rosneft plant neue Ölpipeline nach Deutschland

DIE WELT-Logo DIE WELT 19.05.2017
SOCHI, RUSSIA. NOVEMBER 28, 2014. Rosneft President Igor Sechin at a meeting with the new Total CEO, Patrick Pouyanne at Bocharov Ruchei residence. Mikhail Metzel/TASS |: Igor Setschin will in Rosnefts deutsche Raffinerien und Tankstellen investieren © picture alliance / dpa Igor Setschin will in Rosnefts deutsche Raffinerien und Tankstellen investieren

Trotz des Ukraine-Konflikts will Igor Setschin, Chef von Russlands Ölgigant Rosneft, eine neue Ölpipeline nach Deutschland bauen. Das könnte eine neue Kontroverse über Energie-Abhängigkeit auslösen.

Ungeachtet der weiterhin ungeklärten Ukraine-Krise nehmen die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen wieder Fahrt auf. In Berlin kündigte Igor Setschin, Vorstandschef des größten russischen Ölkonzerns Rosneft an, die Investitionen in den deutschen Raffinerie- und Tankstellenmarkt zu verdoppeln.

Im Laufe der nächsten fünf Jahre werde Rosneft rund 600 Millionen Euro in den deutschen Markt investieren, erklärte Setschin bei der Einweihung der Rosneft-Niederlassung in Berlin. Damit verdoppelte er den bereits laufenden Investitionsplan.

Nicht nur das: Rosneft will Süddeutschland sogar durch den Bau einer neuen Pipeline an sein osteuropäisches Leitungsnetz anschließen. Die beiden Raffinerien Miro in Karlsruhe und Bayernöl in Vohburg/Neuhaus sollen durch eine Verlängerung der Pipeline Druschba (Freundschaft) direkt aus Russland mit Rohöl versorgt werden.

"Zur Erhöhung der Lieferstabilität und Effektivität der Raffinerien Miro und Bayernöl wäre es zweckmäßig, das Projekt zur Erdöldurchleitung über den südlichen Strang der Pipeline 'Freundschaft' bis zu Raffinerien im Süden von Deutschland umzusetzen", heißt es verklausuliert in der Erklärung, die Setschin in Berlin vorlegte.

Rosneft ist Nummer drei in Deutschland

Das Projekt könnte eine neue Debatte über eine zu starke Abhängigkeit Deutschlands von russischen Energielieferungen auslösen. Denn bislang wurden die beiden Raffinerien in Süddeutschland durch die sogenannte "Transalpine Pipeline" (TAL) versorgt. Diese Leitung endet im norditalienischen Hafen Triest und leitete bislang vor allem Tanker-Öl aus Nordafrika und anderen Herkunftsländern durch.

Rosneft hatte im vergangenen Jahr das deutsche Gemeinschaftsunternehmen "Ruhr Oel" mit dem britischen Energiekonzern BP aufgelöst. Seither halten die Russen an den Raffinerien Miro und Bayernöl 24 beziehungsweise 25 Prozent. Zudem baute Rosneft die Beteiligung an der Raffinerie PCK im brandenburgischen Schwedt auf 54 Prozent aus. PCK wird bereits über den nördlichen Strang der Druschba-Pipline mit russischem Erdöl versorgt.

Damit ist der russische Erdöl-Gigant nunmehr das drittgrößte Unternehmen in der Mineralölverarbeitung in Deutschland, das über zwölf Prozent der gesamten deutschen Verarbeitungskapazitäten verfügt. Zugleich liefert Rosneft 25 Prozent der gesamten deutschen Rohölimporte.

Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen seit 2011 rund 1,8 Milliarden Euro in die deutsche Erdölverarbeitung investiert. Die erwartete Steuerzahlung an den Bundeshaushalt werden 2017 ebenfalls rund 1,8 Milliarden Euro betragen.

Rubelschwäche treibt die Entwicklung

Die geplanten Modernisierungen der deutschen Raffinerien wird künftig über eine neu gegründete "Rosneft Deutschland GmbH" mit Sitz in Berlin organisiert, die von dem Briten Brian Chesterman geleitet wird. Eine Expansion im Tankstellengeschäft werde noch geprüft, sagte Setschin.

Setschin bedauerte die wegen der Krim-Besetzung verhängten westlichen Sanktionen gegen Russland. Politischen Streit auf dem Rücken von Unternehmen auszutragen sei "ein Zeichen von Schwäche" , sagte Setschin. Rund 49 Prozent der Rosneft-Aktien würden von Anteilseignern im Westen gehalten, betonte der Rosneft-Chef. Allein BP besitzt knapp 20 Prozent der Rosneft-Anteile, 50 Prozent sind in russischem Staatsbesitz.

Der Geschäftsführer des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft, Michael Harms, sagte bei der Veranstaltung, der deutsch-russische Handel habe in den ersten beiden Monaten des Jahres sprunghaft zugelegt. Allein die Exporte aus Deutschland seien um 36 Prozent gestiegen.

"Wir erwarten, dass der deutsch-russische Handel in diesem Jahr um zehn Prozent wächst, wenn nicht mehr", sagte Harms. Wichtigster Treiber der Entwicklung sei die derzeitige Schwäche des Rubel.

Niedrige Förderkosten

Laut Präsentation ist Rosneft der größte börsennotierte Ölkonzern der Welt, der über Energievorräte von 137 Milliarden Barrel (Fass) Öläquivalente verfügt, darunter auch große Mengen Erdgas. Nummer zwei auf der Weltrangliste ist demnach ExxonMobil mit 82 Milliarden Barrel Öläquivalenten.

Auch in der Erdölförderung sei Rosneft unter den börsennotierten Gesellschaften führend: Pro Tag würden 5,7 Millionen Barrel Öläquivalente aus dem Boden geholt, während ExxonMobil als Nummer zwei nur auf 4,1 Millionen Barrel komme. Die Kosten der Erdölförderung seien bei Rosneft mit 2,5 Dollar pro Barrel weitaus niedriger als die Förderkosten aller anderen Ölkonzerne.

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von DIE WELT

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon