Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Twitter war erst der Anfang: Zerstört Elon Musk auch die Marke Tesla?

Frankfurter Allgemeine Zeitung-Logo Frankfurter Allgemeine Zeitung 30.11.2022 Niklas Maak
Seine politische Haltung färbt auf die Marke ab: Elon Musk vor einem Tesla-Modell © dpa Seine politische Haltung färbt auf die Marke ab: Elon Musk vor einem Tesla-Modell

Es ist gar nicht so lange her, da musste man in Amerika nicht die Aufkleber an der Stoßstange eines Autos lesen, um zu wissen, welche politischen Überzeugungen der Fahrer hat – oft verriet schon die Wahl des Modells sehr viel: Wie eine Umfrage aus dem Jahr 2016 bestätigte, saßen in Trucks mit großen Auspuffrohren erwartungsgemäß meistens Anhänger von Trump, während man hinter dem Steuer eines elektrischen Tesla vor allem Demokraten antraf. Tesla stand für progressives, grünes Bewusstsein: Wer Tesla fuhr, zeigte, dass er technologieaffin ist und Verantwortung für den Planeten übernimmt, und degradierte die Besitzer herkömmlicher Premiumlimousinen zu Leuten von gestern. Die Tesla-Story verkaufte sich so gut, dass die Marke in diesem Jahr erstmals mehr als eine Million Wagen absetzen wird; 2030 sollen es zwanzigmal so viele werden, wenn es nach Elon Musk geht.

An ihm könnte dieser Plan allerdings auch scheitern. Selten waren ein Firmengründer und sein Produkt so eng miteinander verknüpft: Mit dem Kauf eines Tesla wurde man auch Bewohner des Planeten Musk, den seine Anhänger kultisch verehren. Musk baut nicht nur Autos, Raketen und Satelliten; am heutigen Donnerstag will er auf einer Pressekonferenz seine Pläne für Neuralink, eine implantierbare Schnittstelle von Gehirn und Computer, vorstellen.

Republikaner fahren jetzt Tesla

Aber ebenso selten standen die Auftritte eines Firmengründers so sehr im Gegensatz zu den politischen Überzeugungen seiner Kunden: Musk rief zur Wahl der Republikaner auf, ließ Trump wieder auf Twitter zu und beschimpfte Biden als „klamme Marionette in Menschenform“. Zerstört Musk nicht nur Twitter, könnte sein Feldzug gegen seine traditionelle Hauptkundengruppe, die Demokraten, auch das Ende von Tesla einleiten?

Das politische Amerika ändert schon seinen Fuhrpark: Laut „Bloomberg News“ will die linke Demokratin Alexandra Ocasio-Cortez ihren Tesla loswerden. Allerdings überlege jetzt der homophobe Republikaner Ted Cruz, der den Klimawandel für eine Erfindung irgendwelcher Hysteriker hält, einen zu kaufen. Der Soziologe Pierre Bourdieu hatte gezeigt, dass im Frankreich der Siebzigerjahre Linke eher Autos des Staatskonzerns Renault und Konservative lieber Peugeot fuhren. So einfach ist es heute nicht mehr. „Tesla-Fahrer sind republikanischer, als man denkt“, erklärten schon vor Monaten die Demoskopen von Morning Consult.

Aptera heißt das neue „grüne“ Auto

Tesla wird vielleicht nicht untergehen, aber als politisches Symbol umcodiert: Die Auftritte der lebenden Kühlerfigur Musk machen aus dem Lieblingsgefährt wohlhabender Grüner ein Vehikel radikaler Libertarians, die die Aushöhlung des Staates und den Umbau von Gesellschaft und Menschen durch private Tech-Firmen vorantreiben. Die einst teslasüchtigen Kalifornier haben unterdessen schon ein neues Lieblingsauto – den Aptera, ein Solar-Fahrzeug, das täglich sechzig Kilometer mit dem Strom aus den Photovoltaikzellen auf seiner Karosserie fahren können soll. Neben ihm sieht der an seinem Ladekabel angeleinte Tesla plötzlich ziemlich alt aus.

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Frankfurter Allgemeine Zeitung

Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon