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Unu Elektroroller im Test: Wie ein Sofa auf zwei Rädern

t3n Magazin-Logot3n Magazin vor 2 Tagen Andreas Floemer
Der neue Unu E-Scooter. © t3n Der neue Unu E-Scooter.

Das Berliner Mobilitäts-Startup Unu hatte im Mai 2019 seinen ersten selbstentwickelten E-Roller vorgestellt. Jetzt ist er mit Verspätung da und wir konnten mit ihm eine erste Testfahrt unternehmen. So fährt sich das Sofa auf zwei Rädern.

Die zweite Generation des Unu-Scooters sollte ursprünglich schon im Herbst 2019 auf die Straße kommen. Technische Herausforderungen und nicht zuletzt auch die Coronakrise warfen die Entwicklung des Gefährts aber massiv zurück. Jetzt beginnt Unu ab Oktober mit der Auslieferung – nach unserer Probefahrt mit dem E-Scooter zu urteilen, können sich die künftigen Neubesitzer des kleinen Flitzers auf eine Menge Spaß einstellen. Wir konnten die größte und auch teuerste Modell-Variante in mattschwarz mit vier Kilowatt-Motor testen, die laut Hersteller auch zuerst ausgeliefert wird. Unu zufolge ist es zudem die am häufigsten bestellte Variante.

Retro meets Future: Unus neuer E-Roller macht optisch was her

Der neue Unu-Scooter von vorn. (Foto: t3n)

Im Vergleich zum Vorgänger ist die zweite Generation des E-Scooters des Berliner Startups eine Eigenentwicklung, während die erste Modellgeneration, der „Classic“, auf einem Verbrenner-Roller basierte und mit Elektroantrieb versehen wurde – quasi wie VWs E-Golf. Optisch besitzt die neue Generation vor allem an der Front eine gewisse Ähnlichkeit zum alten E-Roller, der ebenfalls schon eine Prise Retrocharme besaß, die Formen des neuen Rollers sind nun insgesamt aber runder, cleaner und moderner.

Anstelle eines analogen Tachometers prangt am Lenkrad ein kleines, transflektives Display, auf dem Geschwindigkeit, gefahrene Kilometer und der Ladestand der Akkus angezeigt werden. Ist die Klappe zum Stauraum geöffnet, wird selbst das auf dem Bildschirm angezeigt, obwohl das eigentlich vollkommen überflüssig ist – man sieht schließlich, dass die große Sitzfläche hochgeklappt ist. Dennoch wissen wir solche Details zu schätzen. Später sollen solche Informationen auch auf dem Smartphone angezeigt werden können, wenn die Software fertig ist.

Das Hinterrad mit Bosch-Motor des neuen Unu-E-Scooters ist an einer einarmigen Schwinge aufgehängt. (Foto: t3n)

Von der Seite mutet der E-Roller recht bauchig an, da Unu darauf geachtet hat, dass unter dem Sitz 33 Liter Stauraum vorhanden sind, um beispielsweise zwei Helme hineinzupacken. Diese Eigenschaft hätten ich viele Kunden gewünscht. Auch der Wunsch, bequem zu zweit auf dem Roller fahren zu können, wurde erfüllt: Die Sitzfläche des neuen Unu-Modells bietet viel Platz, sodass zwei Erwachsene Platz finden. Die um das Heck gezogene Metallleiste dient nicht nur als Aufprallschutz, falls der Scooter umfallen sollte, auch als Griff ist er gedacht. Seitlich fällt außerdem die einseitige Schwinge auf, an der das Hinterrad mitsamt integriertem E-Motor hängt.

In das Staufach des Unu-Scooters passen 33 Liter plus zwei Akkus. (Foto: t3n)

Rückseitig ist neben dem notwendigen Halter für die Versicherungsplakette ein halbrund geschwungenes Rücklicht, das durchaus einen futuristischen Eindruck hinterlässt. Vorn und hinten setzt Unu übrigens auf helle LED-Beleuchtung.

… zwei Helme passen in den Stauraum des Unu-Scooters. (Foto: t3n)

Der neue Unu E-Scooter ist ein Leisetreter für bis zu zwei Erwachsene

Im Unterschied zum Vorgänger ist das neue Modell aufgrund der größeren Sitzfläche und anderer Änderungen etwas größer und schwerer geworden. Der Scooter wiegt nun mit einer Batterie um die 80 statt wie bisher knapp 60 Kilogramm und ist auch etwas länger, was zwar eine geringere Wendigkeit bedeutet, auf der Straße liegt der Roller allerdings unheimlich ruhig. Der Scooter fährt sich nicht nur wegen seiner etwas größeren Bauweise ausgezeichnet, die Entwickler haben auch großen Wert auf einen hohen Fahrkomfort gelegt. Das Fahrwerk und die Federung gleichen Unebenheiten der Straße sehr gut aus, sodass weder das in Berliner Seitenstraßen oft zu findende Kopfsteinpflaster noch Schlaglöcher den sanften Fahrspaß dämpfen können. In Kombination mit dem nicht zu hart und nicht zu weich gepolsterten, breiten Sitz, der ein wenig an die Gogoro-Scooter von Tier erinnern, kommt man sich vor, als würde man auf einem Sofa durch die Stadt gleiten. Vor allem hört sich der Unu-Motor leiser als das elektrische Surren des Gogoro-Scooters an.

Der neue Unu E-Scooter. (Foto: t3n)

Die Anfahrt an der grünen Ampel ist nicht sportlich, aber zügig, sodass man flott in Fahrt kommt. Die Beschleunigung ist bei der vier Kilowatt-Version solide, wodurch die Maximalgeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde rasch erreicht ist, wenn der Beschleunigungshebel (Gashebel ist hier wohl unangemessen) weit zu sich gedreht wird. Damit das durch die Stadt düsen auch sicher vonstatten geht, hat Unu die in der ersten Generation kritisierten Bremsen verbessert: Vorn wie hinten sind Scheibenbremsen angebracht, beim Zug an den Bremshebeln wird zudem noch eine Rekuperation aktiviert, die den Vortrieb ebenfalls abbremst. Effektiv ist sie derweil minimal: Laut Unus Country Director für Deutschland und Österreich, Felix Jakobsen, liegt die Energierückgewinnung bei gerade einmal zwei bis fünf Prozent.

Das ist der Akku mit Ladedock des neuen Unu-E-Scooters. (Foto: t3n)

Bei der Reichweite mit einer Batterieladung gibt Unu um die 50 Kilometer an, was unter anderem jedoch abhängig ist von Gewicht, Außentemperatur und Fahrweise. Wollt ihr seltener laden, könnt ihr gegen einen Aufpreis von 790 Euro eine zweite Batterie einbauen, für die im Roller auch noch Platz ist. Ist der Akku leer, kann er einfach aus dem dedizierten Fach im Stauraum unter dem Sitz genommen und per Ladegerät zu Hause oder im Büro geladen werden. Im Unterschied zum Akku des Vorgängers, bei dem noch ein Stecker eingesteckt werden musste, hat Unu für das neue Modell eine elegante Ladelösung konzipiert: Der Akku wird bequem auf das Ladedock gestellt, schon wird er geladen. Zum Volladen sollte man sich allerdings etwas Zeit nehmen, denn ein kompletter Ladezyklus von leer bis voll dauert bis zu sieben Stunden. Wie voll die Batterie ist, erkennt ihr am LED-Ring an der Oberseite des Akkupacks oder am Roller-Display. Dort seht ihr sogar anhand eines kleinen Rings, welche Batterie gerade benutzt wird.

2021 wird der neue Unu-E-Scooter smarter

Ursprünglich hatte Unu seinen Scooter mit Smartphone-Verknüpfung angekündigt. Diese Funktionen müssen aber noch etwas warten, denn die Entwickler konnten während der Coronakrise nicht weiter daran arbeiten. Die Test-Hardware stand schließlich in der Werkstatt und nicht im Homeoffice.

Der neue Elektroroller von Unu kann ab 2021 per Smartphone aufgeschlossen werden. (Bild: Unu)

Laut Unu soll ein entsprechendes Update Over-the-Air im nächsten Frühjahr auf alle neuen Scooter gespielt werden, sodass sie etwa nicht mehr nur mit dem Schlüssel im Kreditkartendesign, sondern auch per App aufgeschlossen werden können. Zu weiteren kommenden Funktionen der Smartphone-App gehören außerdem die Anzeige des Standorts auf einer Karte, ebenso kann aus der Ferne der Akkustand ausgelesen werden. Zu weiteren kommenden Funktionen gehören Navigation und ein Diebstahlschutz. Künftig wird es außerdem möglich sein, per digitalem Key-Sharing per App einen digitalen Rollerschlüssel an Freunde zu verleihen.

Die von uns gefahrene Version des Unu-Scooters fällt mit 3.949 Euro nicht gerade günstig aus, sie kostet dennoch weniger als etwa die Vespa Elettrica, für die der Hersteller locker über 6.000 Euro abruft. Im ähnlichen Preissegment spielt auch der Kumpan 54 Inspire mit, der mit Drei-Kilowatt-Motor und Smartphone-Verbindung um die 4.000 Euro kostet. Der neue Unu wird zudem in zwei günstigeren Varianten mit zwei und drei Kilowatt angeboten, die 2.799 respektive 3.349 Euro kosten.

Dass dem E-Scooter noch die smarten Funktionen fehlen, finden wir schade, jedoch wurden sie teilweise auch für den Sharing-Betrieb entwickelt, deren Weiterentwicklung derzeit wegen der Coronapandemie temporär pausiert ist. Man wolle sich jetzt auf das Endkundengeschäft konzentrieren und möglichst schnell alle Käufer mit einem Roller beliefern. Auch ohne die Smartphone-App macht der E-Scooter dank seiner tollen Fahreigenschaften großen Spaß. Wenn die smarten Dienste dann im nächsten Jahr kommen, kann man sich gewissermaßen nochmal über einen neuen Roller freuen. Wer die Features nicht braucht: Sie sind nicht verpflichtend und können ignoriert werden. Der Roller kann auch ohne die neuen Funktionen als „dummer E-Scooter“ problemlos weitergenutzt werden.

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