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Vermögen der Sparer wächst – und ist gefährdet wie nie

DIE WELT-Logo DIE WELT 05.01.2017
Ein kleiner junge lernt, Geld zu sparen © Getty Images/Westend61 Ein kleiner junge lernt, Geld zu sparen

2016 stieg das Geldvermögen hierzulande erneut um fast fünf Prozent – obwohl deutsche Sparer ihr Geld so schlecht anlegen wie kaum ein anderes Volk. 2017 wird das noch unangenehmere Folgen haben.

Die Zahl kann sich kaum jemand vorstellen: 5.700.000.000.000, oder 5,7 Billionen. So hoch war das Geldvermögen der Deutschen Ende 2016, wie die DZ Bank ausgerechnet hat. Aber damit nicht genug, denn allein im vergangenen Jahr ist die Summe erneut um rund 230 Milliarden Euro gestiegen, pro Kopf sind das immerhin über 2800 Euro an zusätzlichen Rücklagen, ein Plus von 4,8 Prozent.

Natürlich ist dies ein Durchschnittswert, natürlich ist das Geld ungleich verteilt, natürlich hat nicht jeder heute mehr Geld auf dem Sparbuch als vor einem Jahr. Das ist das eine Problem an der Statistik. Ein anderes wiegt jedoch mindestens so schwer. Denn die Deutschen haben diesen Vermögenszuwachs nicht etwa durch kluges Handeln erzielt. Vielmehr sparen sie sich das Geld vom Munde ab – und fahren damit am Ende sogar noch weit schlechter als die meisten anderen Nationen, die weniger Geld zurücklegen.

© Infografik Die Welt

Denn rund zwei Fünftel des Geldes liegt auf Sparbüchern, Tagesgeldkonten oder bar zu Hause, und für all dies gibt es praktisch keine Zinsen mehr. Weitere 30 Prozent sind bei Versicherungen angelegt – auch diese werfen inzwischen kaum noch etwas ab, die Garantieverzinsung für Lebensversicherungen wurde gerade erst zum Jahreswechsel auf 0,9 Prozent gesenkt.

Nur mit Aktien ließ sich Geld verdienen

Nur mit der Anlage in Aktien ließ sich im vergangenen Jahr etwas verdienen, der Deutsche Aktienindex (Dax) legte im Jahresverlauf um immerhin 6,9 Prozent zu. Allerdings haben die wenigsten Aktien, gerade mal 6,8 Prozent ihres Vermögens haben die Deutschen darin investiert, weitere rund zehn Prozent in Investmentfonds.

Warum also stieg das Vermögen überhaupt? Des Rätsels Lösung ergibt sich bei einem Blick auf die Sparquote, also den Anteil am Einkommen, den die Deutschen Monat für Monat zurücklegen. Dieser ist 2016 erneut gestiegen, auf inzwischen 9,8 Prozent. Fast ein Zehntel ihres Einkommens nutzen die Menschen hierzulande also nicht für den Konsum, sondern legen es auf die hohe Kante. Da die Einkommen im Schnitt um 2,5 Prozent gestiegen sind, ist der absolute Betrag, der jeden Monat gespart wurde, sogar noch stärker angewachsen.

Und dieses Geld floss erneut vor allem auf Tagesgeldkonten oder in ähnliche zinslose Anlageformen. Michael Stappel, Ökonom bei der DZ Bank, konstatiert daher inzwischen einen regelrechten "Geldanlagestau". Denn der Anteil des Geldes, der bei den Banken auf solchen Konten liegt, ist seit 2009 von rund 32 auf inzwischen fast 57 Prozent gewachsen. Hunderte Milliarden liegen dadurch auf deutschen Konten und Sparbüchern und bringen einen Ertrag von Null.

Obwohl Deutsche sparen, sind ihre Vermögen überschaubar

Die Deutschen sparen viel, sie sparen sogar jedes Jahr mehr, mehr als fast alle anderen Nationen – und dennoch ist das Vermögen der Deutschen kleiner als das der Menschen in anderen Staaten. So ist beispielsweise das Netto-Geldvermögen – also das Ersparte abzüglich der Schulden – in Großbritannien pro Kopf rund doppelt so hoch wie hierzulande. Und sogar in wirtschaftlich gebeutelten Ländern wie Spanien, Italien oder Frankreich besitzen die Bürger mehr.

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Der Grund liegt darin, dass die Menschen dort ihr Geld einfach klüger anlegen. Die Volkswirte der Allianz haben das in einer umfangreichen Analyse gezeigt. Sie haben errechnet, dass beispielsweise die Spanier zwischen 2012 und 2015 mit ihrem Vermögen eine Rendite von fünf Prozent pro Jahr erwirtschafteten, nach Abzug der Inflation. In Italien war es mit 4,6 Prozent nur etwas weniger. Die Deutschen dagegen brachten es gerade mal auf 2,3 Prozent.

Die Studie förderte teilweise sogar absurd anmutende Details zutage. So wuchs das Netto-Vermögen der Holländer beispielsweise in besagtem Zeitraum um 23.330 Euro – obwohl sie überhaupt kein zusätzliches Geld zurücklegten. Im Gegenteil, sie lösten 5.510 Euro an Ersparnissen auf, gönnten sich mit dem Geld etwas. Die guten Renditen auf das Ersparte machten es möglich.

Deutsche sparen sich Geld vom Mund ab

Die Deutschen dagegen erhöhten ihr Netto-Vermögen parallel dazu nur um 10.680 Euro, und das auch nur, weil sie 2.550 Euro zusätzlich auf die hohe Kante legten, sich also vom Munde absparten. Die Deutschen verzichten und sparen und kommen dennoch zu nichts. Andere Nationen konsumieren und leben, und fahren dennoch finanziell besser.

Dabei wäre es gar nicht so schwer, das zu ändern. Wenn die deutschen Haushalte beispielsweise nur zehn Prozent ihres Ersparten zusätzlich in Aktien investiert hätten, hätte ihnen das zwischen 2012 und 2015 200 Milliarden Euro eingebracht, pro Kopf rund 2500 Euro – fast so viel wie der gesamte Vermögenszuwachs im vergangenen Jahr betrug.

Doch bislang gibt es keinerlei Anzeichen, dass die Deutschen künftig bereit sind mehr Geld in Aktien zu investieren. Statt dessen wird wohl auch in diesem Jahr der größte Teil des Geldes der Deutschen aufs Sparbuch, aufs Tagesgeldkonto oder sogar aufs Girokonto fließen. Und auch der Zins dort wird weiterhin nahe bei Null Prozent bleiben. Was sich allerdings ändern wird, ist die Inflationsrate.

Inflation vernichtet die Vermögen

Diese betrug im abgelaufenen Jahr nach bisherigen Berechnungen etwa 0,3 Prozent – das entspricht ungefähr dem Wert, der auf Tagesgeldkonten noch als Zins zu erzielen ist. Insofern verloren die Sparer real, nach Abzug der Inflation, also immerhin kein Geld.

Schon im Dezember kletterte die Teuerungsrate in Deutschland allerdings auf 1,7 Prozent, den höchsten Wert seit drei Jahren. Grund dafür sind im Wesentlichen die deutlich höheren Erdöl- und Benzinpreise.

Und dieser Trend wird auch in den kommenden Monaten anhalten. Wer nun weiterhin all sein Geld auf kaum verzinsten Konten liegen lässt, wird am Ende des Jahres real weniger besitzen als heute. Es sei denn, er spart sich Monat für Monat noch mehr Geld vom Munde ab.

Und genau das haben die Deutschen vor. In einer aktuellen repräsentativen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung stand an erster Stelle der finanziellen Vorsätze für das neue Jahr: Mehr sparen.

Michael Stappel rechnet daher auch damit, dass das Gesamtvermögen der Deutschen Ende dieses Jahres die Schwelle von sechs Billionen Euro überschreiten wird. Natürlich wird es ungleich verteilt werden. Und natürlich wird es wieder nicht aufgrund klugen wirtschaftlichen Handelns gewachsen sein.

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