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Wo die Gehaltszufriedenheit in Deutschland am größten ist

DIE WELT-Logo DIE WELT 14.09.2017
FILE PHOTO: The skyline with its characteristic banking towers is pictured during sun down after a sunny spring day in Frankfurt, Germany, April 9, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach/File Photo -: Die Einkommen in Deutschland steigen so schnell wie lange nicht. Aber nicht in allen Städten sind Arbeitnehmer glücklich mit dem, was am Ende des Monats übrig ist. © REUTERS Die Einkommen in Deutschland steigen so schnell wie lange nicht. Aber nicht in allen Städten sind Arbeitnehmer glücklich mit dem, was am Ende des Monats übrig ist.

Berlin gilt als Boomtown. Doch die Löhne bleiben hinter den Kosten zurück. In nur vier deutschen Großstädten sind Arbeitnehmer noch unzufriedener mit ihrem Gehalt als in der Hauptstadt.

Wer überlegt, in die Großstadt zu ziehen, um sich beruflich zu verbessern und sein Glück zu finden, sollte für einen Moment innehalten. Finanziell machen Arbeitnehmer nicht immer einen guten Schnitt. In Metropolen sind die Gehälter nicht selten deutlich höher als in ländlichen Gebieten, höher sind dort jedoch auch die Mieten und andere Lebenshaltungskosten.

Vor allem die Konditionen im boomenden Berlin liefern Berufstätigen immer wieder Anlass zur Ernüchterung. Dort gibt es aktuell zwar jede Menge Jobs, doch Gehälter hinken denen in anderen Metropolen oft hinterher. Das Statistische Landesamt hat zuletzt bekannt gegeben, dass die Reallöhne in der Kapitale Anfang 2017 gesunken sind: Die Einkommen steigen also schwächer als die Preise. Unter dem Strich können sich viele Beschäftigten weniger leisten als vor zwölf Monaten.

Dass Berlin bei den Gehältern weit davon entfernt ist, Spitzenklasse zu sein, zeigt jetzt auch eine Auswertung der Arbeitgeberbewertungsplattform Kununu. Das Wiener Unternehmen hat exklusiv für die WELT analysiert, wie zufrieden Arbeitnehmer mit ihrem jeweiligen Gehalt sind.

Arbeitnehmer in Leipzig fühlen sich unterbezahlt

Ergebnis: Im Bundesländer- und Städtevergleich findet sich die Spreemetropole ziemlich weit hinten wieder. Nur vier deutsche Großstädte kommen bei der Gehaltszufriedenheit auf einen noch schwächeren Wert als Berlin.

"Ein faires Gehalt gehört für Arbeitnehmer zu einem attraktiven Gesamtpaket, wenn es um die Wahl des Jobs geht", sagt Johannes Prüller, Sprecher von Kununu. Schlusslicht in Deutschland ist Duisburg. In der alten Industriestadt an Rhein und Ruhr zahlen die Betriebe nach Einschätzung der eigenen Beschäftigen die schwächsten Gehälter.

Dass sie angesichts der Kosten zu wenig Geld bekommen, finden auch überdurchschnittlich viele Arbeitnehmer in Leipzig, Bremen und Dresden. Allen diesen Städten ist eines gemein: Es fehlt an einer genügend großen Auswahl von internationalen Konzernen, die Spitzengehälter bezahlen können.

Das gilt auch für Berlin. Aus historischen Gründen mangelt es an Großunternehmen, die ihren Sitz in der größten deutschen Stadt haben. Und die aufstrebenden Internetunternehmen können oder wollen oft noch keine großen Summen bieten. Im Großraum Stuttgart sieht das anders aus.

Bankensektor zahlt noch gut

"In Baden-Württemberg beobachten wir einen klaren Aufwärtstrend bei der Gehaltszufriedenheit", sagt Prüller. Dazu tragen maßgeblich die guten Konditionen bei, die Firmen wie Daimler, Porsche oder Bosch bieten können. Zumindest bisher hat der Abgasstreit der Attraktivität der Branche noch keinen Abbruch getan.

Automobilhersteller und ihre Zuliefer zählen weiter zu den geschätzten Arbeitgebern. Aber auch HeidelbergCement, einer der weltweit führenden Anbieter von Baustoffen, verzeichnet hohe Werte bei der Gehaltszufriedenheit.

Sehr gute Beurteilungen erzielt auch Frankfurt/Main. In der hessischen Metropole konzentriert sich die Finanzbranche. Das ewige Gerede über kriselnde Banken ändert nichts daran, dass die Geldhäuser weiter üppige Gehälter zahlen, und die Aufwertung Frankfurts als Folge des Brexit dürfte den Trend noch verstärken. In keinem zweiten Sektor sind die Mitarbeiter so zufrieden mit ihrem Gehalt wie in der Geldbranche.

Hamburg hat die Nase vorn

Blickt man über die Landesgrenzen hinaus, kann sich keine Stadt im deutschsprachigen Raum mit Bern messen. "Die öffentliche Hand ist in der schweizerischen Bundesstadt mit 80.000 Arbeitnehmern ein wichtiger und wenig konjunkturabhängiger Arbeitgeber", erklärt Prüller.

Anders als in Deutschland bringt der Status als politisches Zentrum in der Schweiz auch handfeste ökonomische Vorteile: "Abgesehen von der Verwaltung haben die bundesnahen Unternehmen Post, SBB, Swisscom ihren Sitz in der Region, die alle überhohe Werte bei der Mitarbeiterzufriedenheit erzielen."

Schaut man sich die Bundesländer an, hat ein alter Konkurrent von Berlin die Nase vorn: Hamburg. Die Hanseaten schneiden im Bundesländer-Ranking um einiges besser ab als die Spreemetropole. In Hamburg sind nicht nur große Arbeitgeber wie Airbus, Beiersdorf, Otto oder Tchibo zu Hause, hier findet sich zum Beispiel auch die Deutschlandzentrale von Facebook oder Google. Die zahlen so gut, dass aus Sicht der Beschäftigten sogar die hohen Mieten ausgeglichen werden.

Eine Auswertung der Statistischen Landesämter zeigt, dass in Berlin die Hälfte der Singlehaushalte mit einem Einkommen von weniger als 1538 Euro im Monat auskommen muss. In Hamburg liegt der Median eines Einpersonenhaushalts um fast 200 Euro höher, nämlich bei 1733 Euro. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2016.

Aussichten für Berlin sind trotzdem gut

Dennoch braucht Berlin nicht zu befürchten, völlig ins Hintertreffen zu geraten. Denn gerade für junge Leute ist das coole Berlin weiter ein Sehnsuchtsort. "Das Gehalt ist längst nicht mehr der einzige Motivationsfaktor am Arbeitsplatz. Klar freuen wir uns alle über eine Gehaltserhöhung oder einen Bonus. Aber Geld allein motiviert nicht dauerhaft", merkt auch Prüller an. Engagement lasse sich nicht mit Geld kaufen.

So könnte der besondere Spirit von Berlin denn den Jobboom weiter anheizen und seinerseits zum Motor für die Wirtschaft an der Spree werden. Tatsächlich hat Berlin im vierteljährlichen Arbeitsmarktbarometer des Personaldienstleisters Manpower gerade den besten je gemessenen Netto-Beschäftigungsausblick für die Region erreicht.

"Seitdem wir die Daten erheben, hat Berlin noch nie so gut abgeschnitten", schreiben die Manpower-Experten. Das Berliner Märchen kann also weitergehen. Auch wenn nicht jeder, der in die Hauptstadt zieht, Reichtum finden wird.

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