Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Wohnmobil-FAQ: Lohnt ein eigener Camper? Wie viel kostet Luxus?

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 30.06.2020 Lena Frommeyer

© Leopold Nekula/ Viennareport/ imago images Im Corona-Jahr 2020 ist Urlaub auf Rädern besonders beliebt. Doch gibt es überhaupt noch Camper, die man mieten kann? Lohnt ein eigenes Wohnmobil? Wie viel Luxus gibt es fürs Geld? Ein Überblick.

Es geht bergauf fürs Wohnmobil: Im vergangenen Jahr waren rund 533.000 Fahrzeuge angemeldet, 2013 waren es noch etwa 200.000 Wohnmobile weniger. Und der Boom geht weiter: Durch Reisebeschränkungen während der Corona-Pandemie, Flugverbote und die generelle Empfehlung, sich mit wenigen Menschen zu umgeben, ist eine Reise in den eigenen vier Wänden für mehr Menschen zur Urlaubsoption geworden. Geht das auch noch ganz spontan? Sollen Campingneulinge mieten oder kaufen? Was kostet ein halbwegs komfortables Fahrzeug und wo geht es bloß hin? Hier kommen Antworten auf die drängendsten Fragen.

Kann man jetzt noch spontan ein Wohnmobil mieten?

"Etwa 70 Prozent der Fahrzeuge sind für diese Saison weg", sagt Thomas Kretschmer vom Verbund unabhängiger Wohnmobilvermieter im bayerischen Staffelbach. "Es gibt noch Lücken im Kalender." Das hat Gründe: "Im Laufe des Jahres gab es viele Stornierungen aufgrund der Corona-Pandemie", so Kretschmer. Auch jetzt würden noch einige Kunden stornieren, wenn sie etwa nach Schweden wollten. "Schweden hat sehr viele Corona-Fälle und deutsche Urlauber wollen dort gerade nicht Urlaub machen."

Die Zahl an Wohnmobil-Vermietern und Fahrzeugen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Manche Anbieter haben sich auf VW-Busse und andere kleinere Wagen spezialisiert. Einige Hersteller sind selbst im Verleihgeschäft tätig. Zudem gibt es Plattformen, auf denen Privatpersonen ihre Fahrzeuge anbieten. Einen Überblick zum Thema Wohnmobil mieten bekommen Sie hier.

Ist es durch den Camping-Boom teurer geworden, ein Wohnmobil zu leihen?

Einige Vermieter sollen die Preise erhöht haben, laut Kretschmer um etwa 20 Prozent. Dabei würde es vor allem aber darum gehen, Ausfälle zu kompensieren: "Das Ostergeschäft ist weggefallen und der Mai und Juni waren auch deutlich schwächer, als gewohnt." Insgesamt seien Preiserhöhungen eher die Ausnahme.

Vom Basismodell bis zum Luxuscamper: Mit welchen Kosten muss man rechnen, wenn man ein Fahrzeug ausleihen möchte?

"In der Hauptsaison muss man bei einer Basisausstattung mit 120 Euro pro Tag rechnen", sagt Thomas Kretschmer. "Dafür bekommt man ein sechs Meter langes Familienmobil mit Alkoven, Küche und Nasszelle oder einen Kastenwagen für Familie." Obendrauf kommt eine Servicepauschale von 100 bis 130 Euro. Wer nur eine Woche oder kürzer unterwegs ist, muss mit einem um drei oder vier Prozent erhöhten Tagespreis rechnen. Langzeitmieter erhalten oft Rabatt. Klassische günstige Vermietmodelle sind Fahrzeuge der Marken Ahorn oder Sunlight und Carado aus der Hymer-Gruppe.

Teure Fahrzeuge mit einem Kaufpreis ab 80.000 Euro, etwa von Morello oder Phoenix, soll man für 150 oder 160 Euro am Tag mieten können. Sie bieten im Bad, in der Küche und auch bei der technischen Ausstattung erhöhten Komfort. "Für diese Fahrzeuge interessiert sich aber nur ein geringer Prozentsatz an Menschen", so Kretschmer.

Wie sieht es mit dem Versicherungsschutz aus?

Bei gewerblichen Vermietern sind die Fahrzeuge in der Regel vollkaskoversichert. Unterschiede gibt es bei der Selbstbeteiligung. Üblich sind 1000 Euro, manchmal 1500 bis 2000 Euro. "Dann macht es Sinn, eine Extraversicherung abzuschließen, eine Selbstbehaltreduzierung", so Kretschmer. Dazu findet man Standardangebote im Internet.

Ab wann lohnt es sich, ein Wohnmobil zu kaufen?

"Die Faustformel lautet, dass sich ab vier bis sechs Wochen Nutzung pro Jahr ein Kauf lohnt, abhängig vom Modell und der Reisezeit", sagt Daniel Onggowinarso, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verband (CIVD). Grundsätzlich stünden bei Wohnmobilbesitzern aber meist nicht finanzielle, sondern emotionale Vorteile im Vordergrund - auch die Möglichkeit, jederzeit spontan losfahren zu können.

Wer sich für ein Modell interessiert, kann es vorher mieten und testen. So ist es sinnvoll, auszuprobieren, ob einem der Platz eines Campers ausreicht, wenn man für Wochen unterwegs ist. Kompakte Fahrzeuge, die auch als Alltagswagen taugen, sind derzeit besonders beliebt. Genaues Hinschauen lohnt sich: Der Flowcamper aus der Vanufaktur in Nordrhein-Westfalen kostet vollausgestattet etwa 40.400 Euro. Andere Campingbusse fangen in diesem Preissegment erst an. Die Hamburger Firma Vantopia macht einen Citroën C4 Cactus zum zwei-Personen-Camper im Pkw-Format.

Wohnmobile sind mittlerweile so gut konstruiert, dass sie lange halten: "Bis zu 30 Jahre und teilweise länger. Liebhaberstücke, etwa alte VW Bullis, werden oft über Generationen weitergegeben und genutzt", sagt Onggowinarso. Darüber hinaus sind die Fahrzeuge wertstabil im Vergleich zum normalen Pkw. "Man sagt, dass Reisemobile nach zehn Jahren auf ein Drittel im Wert gesunken sind", so Onggowinarso. Ein Grund ist die geringe Laufleistung. Selbst bei einigen großen Touren pro Jahr kämen weniger Kilometer zusammen, als bei manchen Pendlern. Außerdem verzeiht die Nutzfahrzeugtechnik, die in den Mobilen verbaut ist, Fahrfehler.

Eine Übersicht mit Neuheiten der Messe Caravan-Salon 2019 sehen Sie hier.

Kann ich auch als Camper klimafreundlich unterwegs sein?

Das geht nicht nur mit Fahrrad und Zelt: So gibt es Wohnwagen, die von Fahrrädern gezogen werden. Das Wiener Start-up Gentletent hat einen Anhänger fürs E-Bike entwickelt, der zum Luxuszelt mutiert. Im vierrädrigen Bereich wird das Segment elektrischer Camper noch nicht stark nachgefragt - obwohl es bereits Fahrzeuge gibt. "Das liegt vor allem daran, dass die Technologie noch an ihre Grenzen kommt, wenn es um sehr lange Strecken geht", so sagt Daniel Onggowinarso.

Worauf muss ich achten, wenn ich meinen Transporter jetzt noch schnell zum Camper umbauen will?

Wer bereits einen Transporter oder ein anderes Nutzfahrzeug mit ausreichend Platz besitzt, kann diesen mit mehr oder weniger Aufwand zum Camper umrüsten. Die Sparversion ist schnell umgesetzt, etwa an einem Wochenende. Ein Bettgestell mit Platz für Kisten und mit einer ebenen Fläche für eine Matratze ist schnell gezimmert. Einen Campingkocher kann man als mobile Variante mitnehmen. Mit mehr Zeit und Geld dämmt man sein Wohnmobil, baut Schränke und einen Küchenblock mit Koch- und Abwaschmodulen. Dabei muss man auf die Vorgaben des TÜV achten. Generell sollten Innenausbauten zwar schön und praktisch, aber vor allem sicher sein.

"Unbedingt sollte man beim Ausbau darauf achten, dass nicht die Fahrzeugstruktur geschwächt oder Knautschzonen ausgesteift werden", sagt etwa Peter Rücker, Leiter der Dekra Unfallforschung. "Wenn tragende Elemente der Karosserie zum Befestigen von Mobiliar angebohrt werden, verändert sich das Crashverhalten." Beides könne lebensgefährlich sein. Des Weiteren sollen nur schwer entflammbare Materialien verwendet werden. Und Gasflaschen oder Zusatzbatterien müssen sicher verwahrt werden. "Am Heck des Fahrzeugs ist einfach keine gute Idee, denn dort fährt am ehesten jemand auf", so Rücker. "Unsere Empfehlung: zwischen oder über den Achsen und möglichst weit zur Fahrzeugmitte."

Wo kriegt man jetzt noch einen schönen Stellplatz?

Generell wird es in Deutschland wohl eng auf den Campingplätzen. Vor allem Nord- und Ostsee sind beliebt. Thomas Kretschmer rät dazu, bei der Route offen zu sein: "Wer in der Hochsaison fahren muss oder will, sollte sich an die neuen Bundesländer halten. Und gerade, wenn es weder die Küste noch direkt die Berge sein müssen, gibt es noch wirklich schöne Plätze, etwa in Sachsen-Anhalt."

Sich mit seinem Camper einfach in die Natur oder auf einen Parkplatz zu stellen und dort zu übernachten, ist in den meisten Fällen nicht erlaubt. Auch das Recht auf einmaliges Schlafen zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit wird in vielen Gegenden unterschiedlich ausgelegt.

Wer aber auf keinem Campingplatz mehr einen Stellplatz findet, hat Alternativen wie diese: Ein Hamburger Unternehmer ist zum Betreiber von Pop-Up Camps geworden und hat eine Buchungsplattform für temporäre Campingplätze geschaffen. Damit aktiviert er Flächen, die brach liegen - das sind vor allem Festivalgelände.

Mehr auf MSN

Video

Video wiedergeben

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von DER SPIEGEL

DER SPIEGEL
DER SPIEGEL
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon