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„Gibt kein Salz im Himalaya“: Bio-Supermarkt warnt per Aushang vor dieser Werbelüge

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 17.03.2019 ksta
© picture alliance / dpa Themendienst

Das ist ungewöhnliche „Werbung”: Ein Leipziger Bio-Supermarkt rät den eigenen Kunden vom Kauf eines Produktes ab, das im eigenen Supermarkt-Regal steht. Die Betreiber ärgern sich offenbar darüber, dass teures Himalaya-Salz von den Kunden immer wieder nachgefragt wird. „'Himalaya'-Salz haben wir auf mehrfachen Wunsch wieder im Regal. Um dies mit gutem Gewissen tun zu können, informieren wir Sie hier über einige Hintergründe.“

In einem großen Aushang am Regal, in dem sich das rosa schimmernde Salz befindet, erklären die Betreiber, warum sie den Kunden das teure Salz nicht empfehlen. Das Motto dabei lautet: „Wir informieren – über Ihren Einkaufskorb entscheiden sie selbst.“

Völlig überhöhte Preise für Himalaya-Salz

Die Betreiber der Biomare-Supermärkte kritisieren zum einen völlig überhöhte Preise für das grobkörnige Himalaya-Salz. 4 bis 5 Euro kostet ein Kilogramm laut Verbraucherzentrale. Damit ist es fünf bis zehn Mal teurer als herkömmliches Salz.

Die Bio-Händler monieren außerdem, dass es im Himalaya gar kein eigenes Salzvorkommen gibt – es handelt sich also beim angepriesenen Himalaya-Salz um eine Mogelpackung der Marketing-Industrie. Das bestätigt auch die Verbraucherzentrale. Laut der Verbraucherschützer stammt das angepriesene Salz gar nicht aus dem Himalaya, sondern aus Zentral-Pakistan: „In einem Grundsatzurteil hat der Bundesgerichtshof (Az. I ZR 86/13 vom 31.März 2016) festgestellt, dass ein Anbieter nicht mit der Aussage ‚Salz aus der Region des Himalaya‘ werben darf, wenn das Salz tatsächlich aus der 200 Kilometer entfernten pakistanischen Provinz Punjab stammt.

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„Positive Eigenschaften treffen auf alle Steinsalze zu – oder sind frei erfunden“

Zudem gebe es Steinsalz wie das angebotene auch in Deutschland, so Biomare. Hinzu kommt: Das Salz habe keinerlei besondere Wirkung auf die Gesundheit. „Ein Großteil der dem „Himalaya“-Salz zugeschriebenen Eigenschaften treffen entweder auf alle Steinsalze zu oder sind frei erfunden“, heißt es im Bio-Markt.

Das bestätigt der Münchner Facharzt für Innere Medizin und Ernährungsmedizin, Prof. Johannes Georg Wechsler: „Die teuren Salzsorten sind nicht gesünder als herkömmliches Kochsalz.“ Eine Laboranalyse der Stiftung Warentest belegte, dass die Zusammensetzung von Himalaya-Salz sich nur wenig bis gar nicht von herkömmlichem Speisesalz unterscheidet. Der Natriumchlorid-Gehalt sei beispielsweise derselbe. Himalaya-Salz enthalte lediglich „geringfügig“ mehr Eisenverbindungen, die für die leichte rosafarbene Tönung des Salzes verantwortlich sind.

Generell gilt: Jedes Salz besteht zu mindestens 97 Prozent aus Natriumchlorid. Sowohl Natrium als auch Chlorid sind für den Körper wichtige Mineralstoffe. „Wenn der Mensch nicht genügend Salz aufnimmt, dann würde dies unweigerlich zu seinem Tod führen“, sagt Wechsler. Die Deutschen haben allerdings ein ganz anderes Problem: Sie nehmen zu viel Salz zu sich.

Experten empfehlen maximal sechs Gramm Salz pro Tag

Eigentlich würde eine tägliche Zufuhr von 1,4 Gramm Kochsalz reichen, damit der Körper versorgt ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine Salzaufnahme von maximal sechs Gramm pro Tag. Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Menschen mehr zu sich nehmen, sagt die Bonner Diplom-Oecotrophologin Julia Icking. Diese erhöhte Salzzufuhr kann der Gesundheit schaden. So steigt das Risiko für Bluthochdruck und für mögliche Folgeerkrankungen wie Gefäßschädigungen, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Der Salzstreuer in der Küche oder auf dem Esstisch kann aber auch etwas Gutes haben. Nämlich dann, wenn das Salz mit Fluorid und Jod angereichert ist. Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement, das wichtig für eine normale Schilddrüsenfunktion ist. „Ein Erwachsener braucht im Schnitt 150 Mikrogramm Jod täglich“, so Ernährungsmediziner Wechsler. Jod kommt unter anderem auch in Seefisch und Milchprodukten vor.

Spezialsalze aus fernen Ländern, wie das vermeintlich aus dem Himalaya stammende, enthalten in der Regel jedoch kein Jod. In der Werbung werden sie oft mit Wörtern wie „einzigartig“ oder „gesund“ angepriesen. Wechsler rät zur Skepsis: „Dafür gibt es aber keinerlei wissenschaftliche Belege.“ (sar / mit dpa)

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