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Wird Homöopathie jetzt auch in Deutschland die Finanzierung gestrichen?

RP ONLINE-Logo RP ONLINE 11.07.2019 RP ONLINE

Berlin. Viele Krankenkassen zahlen als zusätzliche Leistung auch Homöopathie. Das sei ein Marketing-Gag, sagen die Kritiker. In Frankreich dürfen die Krankenkassen künftig Homöopathie nicht mehr finanzieren.

 Die Finanzierung homöopathischer Mittel durch Krankenkassen ist umstritten. © Seybert, Gerhard (seyb) Die Finanzierung homöopathischer Mittel durch Krankenkassen ist umstritten.

Die Entscheidung Frankreichs, wonach homöopathische Arzneimittel ab 2021 nicht mehr von den Krankenkassen finanziert werden dürfen, hat auch in Deutschland die Debatte über die Finanzierung der Homöopathie neu entfacht.

Homöopathische Therapien und Arzneimittel gehören nicht zum offiziellen Leistungskatalog der Krankenkassen, werden von ihnen aber vielfach als Zusatzleistungen angeboten. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, kritisiert den Umgang der Kassen mit der Homöopathie. „Es gibt keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit homöopathischer Verfahren“, sagte Gassen unserer Redaktion. Vor diesem Hintergrund sollten die gesetzlichen Krankenkassen auch grundsätzlich keine Leistungen der Alternativmedizin finanzieren dürfen, auch nicht als Satzungsleistung, solange der Nutzen nicht nachgewiesen sei. „Wer homöopathische Mittel haben möchte, soll sie auch bekommen, aber bitte nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft“, betonte Gassen, der den Gesetzesvorstoß der Franzosen begrüßte. Gassen forderte die Kassen auf, ihre Finanzmittel in die ambulante Versorgung zu leiten, „anstatt vor allem aus Marketingzwecken Beitragsgelder für Homöopathie auszugeben“.

Die französische Gesundheitsministerin Agnès Buzyn, selbst Medizinerin, sagte zur Begründung ihrer neuen gesetzlichen Regelung,  dass sich die Experten 800 Studien zum möglichen Nutzen der Homöopathie für den Patienten angeschaut hätten. Die Schlussfolgerung sei gewesen, dass der Zusatznutzen mit Placebo vergleichbar sei.

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In Deutschland ist die Homöopathie ein lohnendes Geschäft: Nach Angaben des Informationsdienstleisters Insight Health wurden 2018 mehr als 57 Millionen Packungen zugelassener Homöopathika und Anthroposophika verkauft. Der Umsatz der Apotheken belief sich auf rund 730 Millionen Euro. Das erste Halbjahr 2019 setzt sich auf hohem Niveau fort. Seit Januar machten die Apotheken mit fast 29 Millionen Packungen einen Umsatz von 375 Millionen Euro.

Das Ministerium von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigt sich nicht von der Wirkung der homöopathischer Mittel nicht  überzeugt, argumentiert in einer auf Anfrage übersandten Stellungnahme dennoch für Leistungen der Krankenkassen. Bei der Homöopathie handele es sich um „umfassende, zur Behandlung verschiedenster Erkrankungen bestimmte therapeutische Konzepte“. Größere Teile der Ärzteschaft und weite Bevölkerungskreise hätten sie für sich eingenommen. Sie folgten einem „von der naturwissenschaftlich geprägten Schulmedizin sich abgrenzenden, weltanschaulichen Denkansatz“.

Für Heilung nach Weltanschauung hat der SPD-Gesundheitspolitiker, Mediziner und Vize-Fraktionschef Karl Lauterbach kein Verständnis. „Im Sinne der Vernunft und der Aufklärung sowie des Patientenschutzes ist es auch in Deutschland falsch, dass Kassen aus Marketinggründen Homöopathie bezahlen“, erklärte Lauterbach kürzlich beim Kurznachrichtendienst „Twitter“.

Ähnlich sieht dies die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Christine Aschenberg-Dugnus. Die Liberalen wollten  Homöopathie nicht verbieten, betont sie. „Homöopathie soll jeder, der sie haben möchte, auch erwerben können, aber auf Selbstzahlerbasis.“ Auch sie fordert, homöopathische Arzneimittel sollten nicht länger als  freiwillige Leistung der Krankenkassen finanziert werden.

Die größten deutschen Krankenkassen wollten das Vorgehen Frankreichs auf Anfrage nicht bewerten. Viele Kassen übernehmen die Kosten für Globuli und Co. -  sie sehen  darin einen Wettbewerbsvorteil. Die finanziell starke Techniker Krankenkasse beispielsweise erstattet pflanzliche, homöopathische und anthroposophische Medikamente, sofern sie von einem Arzt verordnet wurden und apothekenpflichtig, aber nicht verschreibungspflichtig sind. Der Arzt benötigt dafür die Zusatzbezeichnung Homöopathie, die bei einem Lehrgang erworben werden kann. Bis zu 100 Euro für alternative Arzneimittel übernimmt die TK pro Versichertem und Kalenderjahr.

Bei anderen Kassen etwa aus dem AOK-Verband können es auch mehr als 200 Euro sein. Wie ein TK-Sprecher mitteilte, wisse man aus Kundenbefragungen, dass Versicherte sich sogenannte komplementärmedizinische Angebote wünschten. Die Barmer gab hingegen an, die Kosten für homöopathische Arzneimittel grundsätzlich nicht zu erstatten – bis auf die vom Gesetzgeber vorgegebenen Ausnahmen in der Arzneimittelrichtlinie.

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