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Achtung: Die richtige Zahnbürste kann Ihr Leben retten

Freundin-LogoFreundin 13.03.2018 freundin Redaktion

Wie können Krankheiten durch unser Gebiss entstehen? Warum sind Zahnfleischentzündungen so gefährlich? Was ist beim Putzen wirklich wichtig? Das haben wir eine Expertin gefragt

Was ist beim Putzen wirklich wichtig? © istockphoto Was ist beim Putzen wirklich wichtig?

Wie wichtig unsere Zähnetatsächlich für unsere Gesundheit sind, hat man lange unterschätzt. Erst in den letzten Jahren sind immer mehr Zusammenhänge mit schwerwiegenden Krankheiten wie Diabetes und Herzinfarkt entdeckt worden. Wir sprachen mit der Zahnärztin Dr. Annette Jasper aus München, welche Folgen Zahnfleischentzündungen haben können, wie die optimale Mundhygiene aussieht und wie man
 den Stresslevel seines Lebens auch an der Zunge ablesen kann.

Frau Dr. Jasper, Sie sind Zahnärztin mit ganzheitlichem Ansatz. Was bedeutet das genau?


Mein Ziel ist, nicht nur das Gebiss, sondern den ganzen Menschen zu behandeln und Zusammenhänge im Körper zu erkennen. Dafür gibt es je nach Zahnarzt verschiedene Konzepte, etwa mit Schwerpunkt Homöopathie, Kinesiologie oder Naturheilkunde.

Und was heißt das konkret für mich als Patient?


Kommen Sie zum Beispiel
 mit Schmerzen am Schneidezahn zu mir und ich finde keine Ursache dort, schicke ich Sie nicht wieder weg, sondern werde fragen, ob es Probleme mit den Stirnhöhlen gibt oder ob Nieren und Blase womöglich eine Schwachstelle sind. Umgekehrt werde ich mir
 bei einer Patientin, die sagt, dass sie unter chronischer Blasenentzündung leidet – und vorausgesetzt der Urologe hat nichts gefunden –, die Schneidezähne genau anschauen. Denn bestimmte Zähne stehen in festen Wechselbeziehungen mit inneren Organen. Ich versuche, die Patienten wirklich kennenzulernen, meine Aufgabe ist es, die richtigen Fragen zu stellen – der Patient kennt die Zusammenhänge selber ja meist nicht.

Wenn wir bei der chronischen Blasenentzündung bleiben: Was 
ist dann mit dem Schneidezahn?


Häufig kommt es vor, dass er wurzelbehandelt wurde. Im
 Röntgenbild kann man Entzündungsanzeichen an den Wurzelspitzen erkennen. Natürlich 
muss der Herd beseitigt werden. Manchmal reicht eine antibiotische Behandlung oder der Zahn erhält für drei Monate eine sogenannte medikamentöse Einlage. Manchmal muss man die Wurzelspitzen auch chirurgisch entfernen oder der Zahn muss gezogen werden. Ich erlebe oft, dass dann chronische Beschwerden – wie die Blasenentzündung – damit ein Ende finden.

Wie gehen Sie bei der Untersuchung vor?

Natürlich untersuche ich die Zähne genau, taste zudem die Muskulatur und das Kiefergelenk auf Schwellungen und Verspannungen ab, fertige 3DRöntgenbilder an.

Achtung: Diese 5 Lebensmittel würden Zahnärzte niemals essen.

Zahlt das die Kasse?

Leider nicht, und für manche Praxen sind die Geräte zu kostenintensiv. Zweidimensio
nale Aufnahmen sind oft Interpretationsbilder, man zieht leicht falsche Schlüsse.

Wieso sind versteckte Entzündungen so tückisch?


Man muss sich das so vorstellen: Unsere Zähne sind über Nerven und Blutgefäße mit dem Körper verbunden. Bei einer entzündeten Zahnwurzel gelangen die Keime über den Blutkreislauf überallhin. Auch Zahnfleischentzündungen können den ganzen Organismus beschäftigen. Ab 35, 40 Jahren bekommen die meisten Probleme damit.

Woran kann man selbst erkennen, wie es um sein Zahnfleisch bestellt ist?


Da empfehle ich einen einfachen Tipp, denn ob das Zahnfleisch, das eigentlich hellrosa sein soll, geschwollen oder gerötet ist, sieht man selber gar nicht so gut. Zwischen den Zähnen gibt es eine Mulde im Zahnfleisch, da geht das Zahnfleisch etwas runter. Hier sammeln sich die Bakterien gern. Mit Zahnseide kommt man da allerdings nicht ran. Das Einzige, was funktioniert, ist das Zahnzwischenraumoder Interdentalbürstchen. Verwenden Sie eines, das genau in den Zwischenraum passt, und wischen Sie zweimal hin und her. Wenn das Zahnfleisch dann innerhalb von 30 Sekunden blutet, weist das auf eine Entzündung hin.

Und wenn es blutet, ab zum Zahnarzt?

Ich rate immer: Reinigen Sie Ihre Zähne sehr gründlich, vor allem den Zahnfleischsaum zwischen Zahn und Zahnfleisch – auch wenn es blutet – und beobachten Sie, ob es weniger wird. Erkennt man nach vier Tagen keine Besserung, sollte man zum Zahnarzt gehen. Übrigens: Diese fünf Tipps helfen bei Angst vorm Zahnarzt.

Wie behandelt er die Entzündung?

Bei einer ParodontitisBehandlung werden zunächst die Zahnfleischtaschen gründlich mechanisch gesäubert, etwa auch mithilfe von Ultraschall und antibakterieller Spülung. Es ist aber nicht sinnvoll, ständig zu desinfizieren oder Antibiotika in die Zahnfleischtaschen zu geben. Um zu verhindern, dass Entzündungen wieder aufflackern, kann man zum Beispiel gut mit dem Laser arbeiten, mit seiner Hilfe werden Keime an hochaktiven Sauerstoff oder Ozon gebunden und so unschädlich gemacht und dann beseitigt.

Was können Patienten tun, damit es
 nicht so weit kommt?


Es gibt nur zwei Krankheiten, mit denen wir Zahnärzte zu tun haben: Karies und Parodontitis. Für beides sind drei Faktoren verantwortlich: Bakterien, Zucker und Zeit.
 Wenn man es schafft, einen davon auszuschalten, haben die Krankheiten keine Chance. Bei den Bakterien können wir ansetzen und sie beseitigen.


Also nach jedem Essen die Zähne
putzen, fädeln ...


Dreimal am Tag putzen kann man sich sparen – so schnell werden Bakterien gar nicht
 pathogen, also krankheitserregend.
 Zweimal macht Sinn, aber theoretisch
 reicht schon einmal gründlich reinigen innerhalb von 24 Stunden aus. Wer manuell putzt, muss motorisch schon
 sehr präzise arbeiten. Elektround Schallzahnbürsten machen es einem
 einfacher. Und unbedingt Zahnsei
de und Zahnzwischenraumbürstchen in verschiedenen Größen verwenden.
Gerade Letztere können Leben retten.

Zahnzwischenraumbürstchen können 
Leben retten?


Ja, das ist so. Wenn an den Zähnen Entzündungen entstehen, die durch
 Bakterien ausgelöst wurden, kann das weitreichende Folgen für den ganzen Körper haben: Auf Dauer schwächen Entzündungen das Immunsystem, zudem gibt es direkte Zusammenhänge mit Rheuma, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Depressionen und Frühgeburten. Und wer schon länger erfolglos versucht, schwanger zu werden, dem empfehle ich, sich auf Parodontitis untersuchen zu lassen. Die Zähne beeinflussen tatsächlich unseren ganzen Körper.

Ist es sinnvoll, nach dem Zähneputzen zusätzlich eine Spülung zu verwenden?

Meiner Meinung nach braucht man gar keine. Gerade die aggressiven chemischen Mittel wirken ja wie Domestos im Mund – tödlich für die Mundflora. Aber gerade Männer wollen unbedingt spülen...

Gibt es da eine sanfte Alternative?

Ja, natürliche Lösungen enthalten etwa Kamille, Sole und Salbei, manche auch Zimtund Nelkenöl. Sinnvoller als Spülungen ist für mich aber die Zungenreinigung. Die Zunge ist ein wichtiges Ausscheidungsorgan, am Morgen tummeln sich da Unmengen von Bakterien. Wenn man den Belag mechanisch entfernt, lässt sich die Mundflora auf einfachste Art regulieren. Wer Probleme mit Zahnfleischentzündungen hat, dem rate ich unbedingt dazu.

Wie funktioniert das?

Nach dem Aufstehen wird die Zunge mit einem speziellen Schaber bearbeitet, den bekommt man etwa in Apotheken oder Drogerien. Dauert keine Minute. Auch Öl ziehen, ein ayurvedisches Morgenritual, beseitigt Bakterien aus der Mundhöhle und kräftigt das Zahnfleisch.

Manche Karies- und Parodontitis-Geplagte meinen, ihr Zahnschmelz sei genetisch bedingt anfällig – und Schäden nicht zu vermeiden.

Leider nein, sorry, diese Ausrede zählt nicht. In meinen vielen Praxisjahren habe ich noch nie jemanden mit so einer Veranlagung getroffen. Dafür habe ich zig Patienten
 mit unfassbaren Bakterienbelägen gesehen – eindeutig das Ergebnis einer unzureichenden Mundhygiene. Familiäres spielt natürlich eine große Rolle, allerdings geht es dabei um die Ernährungsgewohnheiten in der Familie, sie spiegelt sich meistens an den Zähnen wider. Oft werden Kariesbakterien von den Eltern an die Kinder übertragen, zum Beispiel durch gemeinsam benutztes Besteck.

Welche Ernährung ist denn besonders zahnfreundlich?

Die Zähne wollen was zu beißen haben, harte Sachen wie Karotten, Nüsse oder Vollkornbrot. Das reinigt die Zähne von bakteriellen Belägen und regt die Speichelbildung an. Die Spucke remineralisiert den Schmelz. Hartkäse wie Parmesan neutralisiert das Mundmilieu. Gefährlich sind säurehaltige Säfte und Smoothies, aber auch Cappuccino oder Latte macchiato, wenn man ewig an ihnen nippt und alle halbe Stunde mal einen Schluck nimmt. Besser: zügig trinken, wenn möglich hinterher mit Wasser spülen oder einen zuckerfreien Kaugummi kauen. Ich sehe übrigens viele Frauen um die 30 mit sehr empfindlichen Zähnen. Oft stellt sich heraus, dass sie viel Cola light oder DiätLimos trinken. Viele wissen nicht: Auch ohne Zucker schädigen etwa die darin enthaltenen Phosphorund Zitronensäuren den Zahnschmelz.

Wirkt sich auch Stress auf unsere Zahngesundheit aus?


Da gibt es klare Zusammenhänge. Sind wir gestresst, wird viel Adrenalin ausgeschüttet, und das lockert das Bindegewebe auf. Die Zahnfleischpforten werden dadurch geöffnet, die Anfälligkeit für Entzündungen nimmt
zu. Gleiches passiert übrigens auch in Zeiten von Hormonumstellungen wie während
der Schwangerschaft oder den Wechseljahren. Wenn man unter Druck ist, pressen und knirschen zudem viele Menschen mit den Zähnen. Es kommt zu Muskelspannungen, auch 
an der Kauund Nackenmuskulatur. Manchmal treten die Beschwerden erst Jahre später auf. Ob viel Druck da ist, kann jeder an seiner Zunge ablesen.


Was kann man da erkennen?


Schauen Sie sich morgens Ihre Zunge an. Wie sieht sie aus? Sind da viele Dellen an den Seiten? Ein sicheres Zeichen, dass die Zunge stark gegen die Zähne gepresst wird!


Und das heißt?


Es kann ein Hinweis dafür sein, dass man stark unter Strom steht. Ein Beispiel: Vor Kurzem kam eine Frau in meine Praxis, die 
in einer stressigen Führungsposition arbeitet. 20 Jahre Pressen und Knirschen haben ihr Kiefergelenk regelrecht zerstört. Natürlich hilft eine Schiene dabei, dass Zähne und Gelenk nicht noch weiter geschädigt werden, aber vielmehr müsste sie, vielleicht auch mit therapeutischer Hilfe, reflektieren, was sie 
da die ganze Zeit unterdrücken will, warum sie die Zähne so zusammenbeißen muss. Und dann dort ansetzen.

(freundin-Expertin Dr. Annette Jasper praktiziert seit 1999 in ihrer Praxis in München, drjasper.de; muskanadent.com.)

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