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Corona und Alzheimer: Steigert eine Infektion wirklich das Risiko einer Diagnose?

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 29.06.2022 Marthe Ruddat

Einer dänischen Studie zufolge steigert Corona angeblich das Risiko einer Alzheimer-Diagnose. Doch ganz so einfach ist es nicht.

© Andrew Brookes / Image Source / Getty Images

Das Coronavirus kann nicht nur die Lunge schädigen, sondern auch andere Organe, das ist bekannt. Auch, dass Corona Folgeerkrankungen nach sich ziehen kann. Für Aufsehen sorgt aktuell eine andere Studie: Sie hat untersucht, wie häufig Menschen nach einer Coronainfektion, Grippe oder einer bakteriellen Lungenentzündung neurologische Erkrankungen erleiden. Die Ergebnisse deuten auf einen Zusammenhang zwischen Corona und Alzheimer hin, darüber berichteten mehrere Medien. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach schrieb auf Twitter, es sei gut auf die Gefahr hinzuweisen.

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Doch es lohnt sich ein genauerer Blick auf die Untersuchung: Denn für die meisten der untersuchten neurologischen Erkrankungen – einschließlich Alzheimer – zeigt die Studie keinen Unterschied zwischen Covid-19, Grippe und Lungenentzündungen.

Vergleich mit Grippe und Lungenentzündung

Für die Untersuchung, die auf dem Kongress der Europäischen Akademie für Neurologie vorgestellt und im Fachblatt »Frontiers of Neurology« veröffentlicht wurde, haben Forscherinnen und Forscher um Pardis Zarifkar von der Uniklinik Kopenhagen die Gesundheitsdaten von rund 920.000 Menschen ausgewertet, die zwischen Februar 2020 und November 2021 auf das Coronavirus getestet worden waren. Bei rund 43.000 davon war der Test positiv ausgefallen. Hinzugezogen wurden außerdem Daten von Menschen, die in diesem Zeitraum eine bakterielle Lungenentzündung hatten, sowie Personen, bei denen vor der Pandemie eine Influenza nachgewiesen wurde.


Video: Neue Studie belegt: Corona erhöht Risiko für Parkinson und Alzheimer (SAT.1)

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Zwar gibt es den Ergebnissen der Studie zufolge ein erhöhtes Risiko für Alzheimer und auch Parkinson-Erkrankungen in der Gruppe der Coronainfizierten im Vergleich zu der Gruppe ohne nachgewiesene Infektion. Doch verglichen mit Personen, die eine diagnostizierte Grippe oder Lungenentzündung hatten, zeigte sich kein erhöhtes Risiko für Menschen mit nachgewiesener Coronainfektion.

Anja Schneider, Forschungsgruppenleiterin am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn sagte dazu der Deutschen Presse-Agentur: Es sei bereits länger bekannt, dass solche Atemwegserkrankungen zu Entzündungsreaktionen führen, die einen schädigenden Einfluss auf Nervenzellen im Gehirn verstärken können. Das in der Studie gezeigte erhöhte Risiko einer Diagnose könnte möglicherweise daran liegen, dass durch eine coronabedingte Entzündungsreaktion die Schädigung von Nervenzellen beschleunigt und Symptome schneller sichtbar werden.

Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), sagte der dpa: Man könne aus der Studie nicht ableiten, dass ein Mensch nach einer Coronainfektion ein erhöhtes Risiko habe, zu einem späteren Zeitpunkt Alzheimer zu entwickeln. Es sei lediglich gezeigt worden, dass nach einer Infektion häufiger Symptome diagnostiziert werden. Er verweist darauf, dass auch äußere Faktoren – etwa das Verlieren des gewohnten Umfeldes, weil jemand in eine Klinik muss – dazu führen können, dass eine bereits bestehende Alzheimer-Erkrankung symptomatisch wird.

Risiko für Hirninfarkt erhöht

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weisen in ihrer Arbeit selbst auf einige Einschränkungen hin. So unterschieden sich die untersuchten Gruppen, trotzdem wurden Einflussfaktoren wie der Lebensstil, die Dauer eines Krankenhausaufenthalts oder auch der sozioökonomischer Status nicht berücksichtigt. Dies kann die Aussagekraft der Untersuchung beeinflussen, denn ein niedriger sozioökonomischer Status ist beispielsweise ein Risikofaktor für Alzheimer.

Die Studie zeigt aber auch einen interessanten Unterschied auf: Den Ergebnissen zufolge hatten im Krankenhaus behandelte Coronainfizierte im Vergleich zu stationär behandelten Grippe-Patientinnen und -Patienten ein erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Das deckt sich mit den Erkenntnissen früherer Studien, nach denen das Risiko für einen Hirninfarkt nach Covid-19 erhöht ist.

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