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Corona: Wie sinnvoll ist eine vierte Impfung?

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 14.01.2022 Jule Lutteroth

In Israel haben schon rund 500.000 Menschen einen doppelten Corona-Booster bekommen. Was deutsche Experten zum Booster-Booster sagen.

© McKinsey Jordan / Stocksy United

Israel versucht mit einer zweiten Booster-Welle die Ausbreitung der Omikron-Variante zu verlangsamen. Dort wird medizinischem Personal eine vierte Dosis empfohlen, ebenso Menschen mit Immunschwäche und allen über 60-Jährigen sowie Pflegenden, die Senioren betreuen. Inzwischen wurde in Israel bereits rund einer halben Million Menschen die vierte Dosis verabreicht. Ministerpräsident Naftali Ben spricht von einem »weiteren Meilenstein« in der »bahnbrechenden Impfkampagne«. Auch Ungarn und Dänemark bieten ihrer Bevölkerung bereits eine vierte Coronaschutzimpfung an.

In Deutschland gibt es derzeit keine Empfehlung zu einer vierten Impfung. Die Stiko hat gerade auch eine generelle Empfehlung zur ersten Auffrischimpfung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren ausgesprochen. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass der Impfschutz mit der Zeit nachlässt, gerade bei älteren Menschen und jenen mit einem geschwächten Immunsystem kann dieser durch eine Boosterimpfung wieder erhöht werden.

Die vierte Impfung, also der Doppel-Booster, bewirkt einen Anstieg der Antikörper. Dies wurde kürzlich in einer israelischen Studie beobachtet. Er fällt demnach jedoch schon kurz nach der Impfung wieder auf den Antikörperstand nach der dritten Impfung. Heißt das, dass wir uns etwa alle drei bis vier Monate erneut gegen das Coronavirus impfen lassen müssen?

Sebastian Ulbert, Impfstoff-Forscher vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie, unterscheidet bei dieser Frage zwischen immungesunden und immunschwachen Menschen. Die Gabe einer vierten Dosis kommt für ihn vorerst nicht für alle infrage, sondern wie in Israel primär für Ältere und Risikogruppen. Auch Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), sieht eine vierte Dosis eher für Hochbetagte. Derzeit gehe es auch darum, besonders Altenheime vor Omikron zu schützen. Einige Menschen aus bestimmten Gruppen, wie Organtransplantierte zum Beispiel, hätten sich auch schon vier Mal impfen lassen, berichtet die Immunologin.


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Für den größten Teil der Bevölkerung spiele der Booster-Booster aber vorerst keine Rolle. »Die vierte Impfung braucht die Normalbevölkerung mit gesundem Immunsystem nicht«, sagt Falk. Für Ulbert ist es noch unklar, ob und wie die Wirkung der dritten Impfung bei Immungesunden nachlässt. Es könne auch sein, so der Impfstoffexperte, dass man »wesentlich länger« vor schweren Corona-Erkrankungen geschützt ist. Für DGfI-Präsidentin Falk steht derzeit im Vordergrund, die breite Bevölkerung mit einer dritten Impfung zu boostern, um damit »aus dem Winter herauszukommen«.

Für den Zeitraum danach überwiegt bei den Experten die Zuversicht – zumindest für die Immungesunden, wenn sich das Virus nicht dramatisch verändert. Bei sogenannten »inaktiven Impfstoffen« wie bei der Coronaimpfung bleibe der Schutz in der Regel spätestens nach der dritten Impfung »relativ lange relativ hoch«, sagt Ulbert. Die zirkulierenden Antikörper könnten – wie in Israel beobachtet – zwar abfallen, aber es gehe hier auch um das immunologische Gedächtnis, das weiterhin vor einer schweren Erkrankung schütze, so der Experte.

Soll man auf den Omikron-Impfstoff warten?

Deshalb müsse man bei Immungesunden – im Gegensatz zu den Immunschwachen – erst abwarten, ob diese überhaupt den Booster nach dem Booster benötigen, erklärt Ulbert. Das sieht auch der Berliner Virologe Christian Drosten so. Im ZDF-»heute journal« sagte er, gesunde Erwachsene bräuchten eventuell keinen weiteren Booster mehr. Die Voraussetzung auch hier: Das Virus mutiert nicht mehr so stark.

Ist es sinnvoll, auf einen an die Omikron-Variante angepassten Impfstoff zu warten? »Da die Omikron-Welle bereits rollt, ist eine rasche Boosterung mit den vorhandenen Impfstoffen wichtiger. Damit ist man auch bei Omikron gut gegen schwere Verläufe geschützt«, sagt Impfstoffexperte Ulbert. Die Hoffnung bei Immunologen wie DGfI-Präsidentin Falk ist, dass bei Corona nach dem Winter ein »schrittweiser Übergang in eine endemische Situation« erfolgt. Das würde bedeuten, dass das Virus regional regelmäßig auftaucht und die meisten Menschen durch Impfung oder Infektion eine gewisse Immunität besitzen.

Wenn das nicht passiert, könnte die Mehrheit der Immungesunden im Herbst 2022 mit dem Booster-Booster wieder an der Impfreihenfolge sein. Dann werde hoffentlich eine Auffrischung mit einem angepassten Impfstoff zum Einsatz kommen, sagt Falk. Im Idealfall sei diese Gabe gekoppelt mit einer Impfung gegen die Influenza. Das würde heißen: ein Arztbesuch, zwei Spritzen.

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