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Forscher warnen vor "Zombieviren" im tauenden Eis

t-online-Logo t-online 30.11.2022 T - Online

Neue Studie

Forscher warnen vor "Zombieviren" im tauenden Eis

© T - Online

Weltweit schmelzen die Permafrostböden. Und legen unter anderem auch bislang unbekannte Viren frei. Sie sind offenbar bis heute ansteckend.

Der Klimawandel führt zu dramatischen Entwicklungen. Eine davon: Die Permafrostböden beginnen zu tauen. Diese dauerhaft gefrorenen Untergründe reichen teils hunderte Meter bis zu 1,5 Kilometern in die Tiefe. Tauen sie, setzen sie so genannte Biomasse frei – Kadaver, Pflanzen, Würmer. Und offenbar auch Viren, die nach Zehntausenden von Jahren noch vermehrungsfähig sind und uns damit eventuell gefährlich werden könnten.

Das haben Forscher der Universität Marseille herausgefunden. Ihnen gelang es, 13 bislang unbekannte Virentypen zu ermitteln und wieder zu aktivieren. Sie stammten aus sieben verschiedenen Proben aus dem sibirischen Permafrost, unter anderem aus tierischen Kadavern von Mammuts und Wölfen.

Erreger überdauerte bis zu 50.000 Jahre

Bei einem Virus wird geschätzt, dass es schon 50.000 Jahre im Eis eingeschlossen war, bevor es im Labor wieder aktiviert und damit potentiell auch wieder ansteckend wurde. Es handelt sich um einen Krankheitserreger, der Amöben infiziert.

Ein weiteres Virus wurde aus Mammutwolle herausgefiltert und soll fast 30.000 Jahre alt sein. Die französischen Wissenschaftler schätzen, dass es noch Tausende unbekannte Krankheitserreger in den Permafrostböden geben könnte. Allerdings ist nicht sicher, wie lange die Viren nach ihrer Reaktivierung wieder infektiös sind. Faktoren wie Licht, Sauerstoff und Wärme könnten dies beeinträchtigen. Dennoch könnte eine Infektion mit ihnen eine Gefahr darstellen.

Dauer der Infektiosität unbekannt

"Das Risiko wird ... im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung steigen, wenn sich das Auftauen des Permafrosts weiter beschleunigt und mehr Menschen die Arktis im Zuge industrieller Unternehmungen besiedeln werden", heißt es in der Studie.

Klar ist: In den tauenden Permafrostböden liegen gigantische Mengen von Biomasse und niemand kann wissen, welche Viren, Bakterien, Mikroben und Ähnliches durch das Abtauen des ewigen Eises freigelegt werden.

Lauterbach warnt, Experte bleibt gelassen

Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wies bei Twitter auf die Studie hin und schrieb: "Der Permafrost taut auf durch den Klimawandel. In den aufgetauten Kadavern sind Viren, mehr als 10.000 Jahre alt. Auch das ist ein Beispiel, wie wir die Kette erst Klimawandel, dann Zoonose, dann Ausbruch, dann Pandemie an uns heranziehen."

Einen deutlich entspannteren Blick auf die Studie hat der Immunologe Andreas Radbruch: "Als Biologe wundert es einen nicht, dass Viren eingefroren zigtausende Jahre infektiös bleiben, denn sie sind ja insofern sehr einfach aufgebaut", erklärt er im Gespräch mit t-online. "Sie brauchen letztendlich nur ihre Nukleinsäure – die Erbinformation –, um eine Wirtszelle dazu zu bringen, diese Information zu vervielfältigen. Zumindest in der Zellkultur im Labor. Das ist keine Überraschung."

Dennoch sieht er kein großes Risiko auf uns zukommen. "Die Chance, dass Viren aus dem Permafrost uns gefährlich werden können, halte ich für vernachlässigbar gering."

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