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Fruchtbarkeit: Wissen Sie, wie fruchtbar Sie wirklich sind?

Women’s Health-Logo Women’s Health 25.04.2019
Viele Mediziner raten dazu, das erste Kind vor 35 zu bekommen. © g-stockstudio / Shutterstock.com Viele Mediziner raten dazu, das erste Kind vor 35 zu bekommen.

Wissen Sie, wie es um Ihre Fruchtbarkeit bestellt ist? Ob Sie Kinder kriegen können oder ob es schon zu spät ist? Wer (irgendwann mal) schwanger werden möchte, sollte das lesen

Für viele Frauen geht es jahrelang um die Frage: "Wie kann ich bloß verhindern, schwanger zu werden?" Aus diesem Grund werden Kondome verwendet, Pillen geschluckt, Diaphragmen eingeführt, Eisprünge berechnet, supergut aufgepasst und am Ende trotzdem gebangt, dass nur nichts passiert, was den Lebensplan über den Haufen werfen könnte. Spätestens mit Mitte 30 ändert sich die Einstellung, manchmal schlagartig. Die meisten Frauen haben plötzlich jede Menge Fragen zur Fruchtbarkeit. Wir haben 12 Antworten.

1. Wann nimmt die Fruchtbarkeit einer Frau ab?

Das ist von Frau zu Frau verschieden. Durch eine Kombination aus Blutuntersuchung und Ultraschall kann die Frauenärztin feststellen, ob es auf Ihrer biologischen Uhr schon 5 vor 12 ist. Zum einen wird so das so genannte Anti-Müller-Hormon im Blut bestimmt. Dieses in den reifungsfähigen Eibläschen gebildete Hormon ist noch gar nicht so lange bekannt, deswegen setzt sich der Test auch jetzt erst durch. Je mehr davon nachweisbar ist, je mehr Eizellen schlummern noch im Körper.

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Zusätzlich werden die sichtbaren Eibläschen zu Beginn des Zyklus im Ultraschall gezählt. "Sind an jedem Eierstock zwei zu sehen, ist das eher bescheiden, zwölf deuten auf eine gute verbleibende Fruchtbarkeit hin", so Professor Heribert Kentenich, Chefarzt an der DRK-Frauenklinik und am Fertility Center in Berlin.

Auf die Weise können Sie sehen, was man bisher nur erahnen konnte – wie laut die Uhr bei Ihnen persönlich jetzt gerade tickt. "Vor allem Frauen an die 40 hilft dieser Test dabei, sich für oder gegen eine zügige Kinderwunschbehandlung zu entscheiden", sagt der Reproduktionsmediziner. Die Blutuntersuchung beim Gynäkologen oder in einem Kinderwunschzentrum kostet um die 50 Euro.

2. Wie kann ich meine biologische Uhr beeinflussen?

Schwierig. Nein, hormonelle Verhütungsmittel verzögern den Abbau der ovariellen (das heißt der Eizell-)Reserve nicht wesentlich. Denn zum Zeitpunkt seiner Geburt hat ein Mädchen rund 1 Million Eizellen, bei der ersten Regel sind es schon 450.000 weniger. Dabei fallen die Eisprünge, die man durch die Pille spart, ganz einfach nicht ins Gewicht. Laut Gynäkologe Kentenich gibt es nur eine einzige Möglichkeit, das Ticken zu verlangsamen: Nicht rauchen. Ist übrigens auch sonst ganz gesund.

3. Warum mindern Rauchen oder Kaffee die Fruchtbarkeit?

Beim Rauchen entstehen freie Radikale im Körper, und die setzen nicht bloß Ihrer Haut, sondern auch den Eizellen zu. Fest steht zudem, dass sowohl Über- als auch Untergewicht ungünstig auf die Fruchtbarkeit wirken, weil sie den Eisprung erschweren. Einer neuen Untersuchung zufolge könnte auch viel Koffein die Chance auf eine Schwangerschaft mindern: Die Substanz bremst Muskelkontraktionen und kann dadurch die Reise des Eis vom Eierstock in die Gebärmutter beeinträchtigen. 

4. Wie lange dauert es nach Absetzen der Pille, bis ich schwanger werden kann?

Sie müssen damit rechnen, dass Ihr Zyklus innerhalb von 2 bis 3 Monaten wieder so ist wie vor der Pille: Wer zum Beispiel unregelmäßige Blutungen hatte, kann sich darauf einstellen, dass sie wieder so sind.

In der allerersten Zeit nach dem Absetzen ist es normal, dass es etwas durcheinander geht und die Periode beispielsweise mal stärker und mal schwächer ausfällt. "Schwanger werden können Sie aber sofort", sagt Kentenich. Vom ersten Tag an sei dies möglich, wenn es auch (wie in jedem Zyklus) zur Zyklusmitte hin wahrscheinlicher werde. Das gilt auch, nachdem Sie sich die Spirale haben ziehen lassen. Nur bei der Hormonspirale dauert es 1 bis 2 Monate, bis Sie die volle Fruchtbarkeit wieder erreicht haben.

5. Hat eine Abtreibung einen Effekt auf meine Fruchtbarkeit?

Eine nach hiesigen Standards vorgenommene Abtreibung "hat tatsächlich keinen Einfluss auf die spätere Fruchtbarkeit", erklärt Kentenich. Zumindest dann nicht, wenn sie komplikationsfrei verlief.

6. Woran kann ich erkennen, ob ich eher leicht oder eher schwer schwanger werde?

Sie könnten Ihre Mutter und Ihre Oma fragen, ob die beiden lange warten mussten. Es wird vermutet, dass sich die Fähigkeit, leicht oder eher schwer schwanger zu werden, vererbt. Bewiesen ist dies aber nicht, und es gibt auch keine Gentests oder Ähnliches.

Auch die Info, ob weibliche Verwandte früh in die Wechseljahre gekommen sind, könnte ein Anhaltspunkt sein. Denn natürlich hängt die Fruchtbarkeit wesentlich von der Eizell-Reserve ab. Und es spricht vieles dafür, dass diese bei Ihnen ähnlich ist wie bei Ihrer Mutter und Großmutter.

7. Wann ist die Fruchtbarkeit am höchsten?

Das lässt sich ganz klar sagen: Unter 35 ist besser als über 35 Jahre. Kentenich: "Danach wird es bedeutend schwieriger, das muss eine Frau einfach wissen." Auch, weil es dann häufiger zu Fehlgeburten kommt.

Das Problem sind die Eizellen, deren Anzahl und Qualität mit den Jahren abnehmen. Ganz selten werden Frauen auch noch mit Ende 40 Mutter: Bei 2400 Gebärenden jährlich in der Berliner DRK-Frauenklinik ist das laut Kentenich etwa eine.

"Jenseits von 50 Jahren ist ein Baby allerdings eigentlich nur noch mit Hilfe einer Eizell-Spende möglich", so die Einschätzung des Reproduktionsmediziners. Auch in Hinblick auf das Baby rät er, das erste Kind vor 35 zu bekommen: Denn ab diesem Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit für chromosomale Auffälligkeiten deutlich zu.

8. Wie aufwändig ist das Verfahren, Eizellen einfrieren zu lassen?

Das ist schon nicht ganz einfach: Sie müssten Hormone nehmen und eine Operation über sich ergehen lassen, bei der die Eizellen aus dem Eierstock entnommen werden. Das kostet rund 2000 Euro. Dann wird eingefroren, die Lagerung in flüssigem Stickstoff bei minus 170 Grad schlägt mit ungefähr 100 bis 200 Euro pro Jahr zu Buche. Da sollten Sie sich schon sicher sein, dass Sie später ein Kind möchten.

Aber eine Garantie dafür, dass es dann auch mit der Befruchtung im Labor klappt, gibt es natürlich nicht. "In meinen 20 Jahren als Reproduktionsmediziner hat mich erst eine einzige völlig gesunde Patientin um eine Eizellentnahme gebeten", so Kentenich. Anders ist es bei jungen Frauen, die an Krebs erkranken: Für sie ist das Einfrieren oft die einzige Möglichkeit, nach einer Chemotherapie ein leibliches Kind zu bekommen.

9. Wirken sich große Abstände zwischen den Regelblutungen auf meine Fruchtbarkeit aus?

Ja, das ist möglich. Denn dann ist zumindest eines der Hormone, die den Zyklus steuern, aus dem Gleichgewicht geraten, etwa durch Schilddrüsenprobleme. Oder es ist zu wenig Östrogen im Blut, wie bei vielen Leistungssportlerinnen mit sehr geringem Körperfettanteil.

"Sind Sie in den Dreißigern, dann sind Sie vielleicht die eine von 100 Frauen, die vor dem 40. Geburtstag in die Wechseljahre kommt", so Kentenich. Lassen Sie das unbedingt vom Gynäkologen abklären, dann ist auch klar, ob und wie der Zyklus zurückkommt. Sobald Sie wieder regelmäßige Blutungen, das bedeutet regelmäßige Eisprünge haben, ist auch die volle Fruchtbarkeit zurück.

10. Gibt es ein ideales Alter für eine Kinderwunschbehandlung?

Es ist jedenfalls immer zu früh zu verzweifeln. Verzichten Sie erst seit ein paar Monaten auf die Verhütung, ist es vollkommen normal, dass noch nichts passiert ist. Ein Jahr sollten Sie es mindestens versucht haben, bevor Sie sich in ärztliche Behandlung begeben.

Die Ausnahmen von dieser Regel laut Kentenich: Wenn die Frau schon über 40 ist. Dann empfiehlt es sich, keine Zeit zu verlieren, zumal wenn es bereits konkrete Hinweise gibt, dass es schwierig werden könnte – wie hormonelle Störungen oder Myome, gutartige Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut, mit denen sich die Frau schon lange herumschlägt.

Auch wenn Sie oder Ihr Partner in einer früheren Beziehung ungewollt kinderlos geblieben sind, sollten Sie frühzeitig alle Alternativen abchecken. "Dann ist es sinnvoll, sich möglichst bald untersuchen zu lassen, ganz unabhängig vom Alter", so der Reproduktionsmediziner.

11. Was erschwert es, schwanger zu werden?

Das lässt sich nicht eindeutig sagen, denn: "Es ist "immer ein Geflecht aus vielen Gründen, das ein Schwangerwerden erschwert", so Reproduktionsmediziner Kentenich. "Eine immer größere Rolle spielt aber das Alter der Frau." Denn viele Frauen in Deutschland entscheiden sich heute erst spät für ein Baby.

Laut einer neuen Untersuchung der Krankenkasse KKH-Allianz ist die Zahl der werdenden Mütter zwischen 20 und 24 in den letzten Jahren um 28 Prozent gesunken, während die Geburtenrate bei den 40 bis 44 Jahre alten Frauen um stattliche 46 Prozent anstieg. Das bedeutet einerseits, dass es sehr oft auch spät noch klappt, aber eben nicht mehr so leicht wie mit Mitte 20.

Andere mögliche Gründe für langes Warten auf das Baby sind hormonelle Probleme, undurchlässige Eileiter und Verwachsungen an der Gebärmutter, den Eileitern oder den Eierstöcken. Übrigens: In rund der Hälfte der Fälle liegt es am Mann, wenn es Zeugungsprobleme gibt. Er sollte sich also auch untersuchen lassen.

12. Was passiert bei einer Kinderwunsch-Behandlung?

Da gibt es mehrere mögliche Verfahren:

  • Hormonelle Stimulation Dabei wird mit Hilfe von Tabletten oder Spritzen ein Eisprung ausgelöst, denn bei manchen Paaren ist Ursache des Problems, dass die Eibläschen ohne diese Unterstützung gar nicht erst heranreifen.
  • Insemination Sind beispielsweise die Spermien des Mannes schlecht beweglich oder auch einfach rar, hkönnen die Mediziner per Insemination nachhelfen: Der Samen wird dabei in die Gebärmutter eingespritzt. Er kann zusätzlich zuvor speziell aufbereitet werden.
  • In-vitro-Fertilisation Dies ist die Befruchtung des Eis außerhalb des Körpers, bei der Ei- und Samenzelle in einer Petrischale zusammengebracht werden. Das empfiehlt sich zum Beispiel, wenn undurchlässige Eileiter das Ei auf dem Weg in die Gebärmutter stoppen. Fast immer werden davor die Eierstöcke mit Hormonen stimuliert, damit mehrere Eibläschen entnommen werden können. Neuerdings diskutieren Experten aber, bei Frauen über 40 auf die belastende Behandlung zu verzichten und die Eizellentnahme in Abstimmung mit dem natürlichen Zyklus vorzunehmen. Denn in dem Alter bilden Frauen oft trotz Hormongaben wenig Eibläschen.
  • ICSI Bei diesem Verfahren, der Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion, wird die Samenzelle direkt in die Eizelle eingespritzt, eine Befruchtung findet also in jedem Fall statt. Auf ICSI greift man etwa dann zurück, wenn viel darauf hindeutet, dass ein Spermium es nicht bis in die Eizelle schafft. Manchmal sind auch gar keine Spermien im Ejakulat. Dann kann man Samenzellen aus den Hoden entnehmen und für eine ICSI verwenden, zum Beispiel wenn ein Mann sich viele Jahre nach einer Sterilisation doch noch ein Kind wünscht.

Verfallen Sie nicht in Panik, wenn es mit dem Kinderwunsch nicht sofort klappt. Es ist normal, dass ein Paar etwa ein Jahr auf das erste Baby warten muss. Vertrauen Sie Ihrem Körper und Ihrer Fruchtbarkeit. Je entspannter Sie sind, desto höher ist die Erfolgsquote für eine Befruchtung, egal ob auf natürlichem oder künstlichem Weg.

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