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Gentechnik: Hoffnung für Querschnittsgelähmte – deutsche Forscher machen gelähmte Mäuse wieder mobil

stern-Logo stern 22.01.2021 Gernot Kramper
Zu Beginn kann die Maus die Hinterläufe nur hinter sich herziehen, nach ein paar Wochen sind die Beine wieder funktional. © PR Zu Beginn kann die Maus die Hinterläufe nur hinter sich herziehen, nach ein paar Wochen sind die Beine wieder funktional.

Mithilfe eines Designerproteins, das in das Gehirn von Mäusen injiziert wurde, bildeten sich die durchtrennten Nervenbahnen im Rückenmark der Versuchstiere wieder neu. Nach zwei bis drei Wochen konnten die Mäuse wieder laufen.

Verletzungen von Rückenmark und Wirbelsäule geschehen häufig bei Sport- und Verkehrsunfällen. Sie führen zu Lähmungen der unteren Körperhälfte, weil der Körper allein nicht in der Lage ist, die durchtrennten Nervenbahnen wieder zu reparieren.

Genau das ist Forschern der Ruhr-Universität Bochum bei Mäusen gelungen. Die Nerven wurden nicht chirurgisch oder mithilfe von künstlichen Schaltkreisen repariert, sie wuchsen tatsächlich nach. Dieses "Wunder" wurde möglich, nachdem ein Designerprotein, in das Gehirn injiziert wurde. Es regte die Nervenzellen der gelähmten Mäuse zur Regeneration an. Der Schlüssel dazu ist das Protein Hyper-Interleukin-6, welches die Nervenzellen zur Regeneration anregt, und die Art, wie es den Tieren zugeführt wird. Die Forscher veröffentlichten ihren Bericht in der Zeitschrift "Nature Communications".

Künstlich erzeugtes Protein

"Das ist ein sogenanntes Designer-Zytokin, das heißt, es kommt in der Natur so nicht vor und muss gentechnisch hergestellt werden", sagte der Leiter des Teams, Dietmar Fischer. "Das Besondere an unserer Studie ist, dass das Protein nicht nur dazu verwendet wird, die Nervenzellen zu stimulieren, die es selbst produzieren, sondern dass es auch weiter durch das Gehirn transportiert wird", so Fischer. "Auf diese Weise stimulieren wir mit einem relativ kleinen Eingriff eine sehr große Anzahl von Nervenzellen und das ist letztlich der Grund, warum die Mäuse wieder laufen können." "Das war für uns anfangs eine große Überraschung, da dies nach einer vollständigen Querschnittslähmung bisher nicht möglich war."

Langer Weg bis zur Behandlung von Menschen

Zwei bis drei Wochen nach der Injektion begannen die Mäuse wieder zu laufen. Derzeit untersucht das Team, wie die Behandlung verbessert werden kann. Bis zum Menschen ist es noch ein weiter Schritt. Zunächst muss geklärt werden, ob der Effekt auch bei länger zurückliegenden Verletzungen eintritt.

Nur so könnten bereits Verunglückte auf Heilung hoffen. "Wir müssen sehen, ob unsere Methode bei größeren Säugetieren funktioniert. Wir denken an Schweine, Hunde oder Primaten", so Fischer. "Wenn es dann dort funktioniert, müssten wir sicherstellen, dass die Therapie auch für den Menschen sicher ist."


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Aber er dämpft auch die Hoffnungen: "Das wird sicherlich noch viele, viele Jahre dauern."

Quelle: Nature Communications

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