Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Heilende Homöopathie: Die große Kraft der kleinen Kugeln

Life Goes On-Logo Life Goes On 18.10.2021 Welt der Wunder

Homöopathische Arzneien können extrem verdünnt sein: So als würde man einen Tropfen Medizin im gesamten Wasser des Bodensees auflösen. Während Kritiker die Wirksamkeit solcher Heilmittel bezweifeln, machen viele Ärzte und Patienten andere Erfahrungen.

Homoeopathie © iStock-PicLeidenschaft Homoeopathie
Homöopathen verwenden ausschließlich Naturstoffe: Heilpflanzen, Mineralien, Salze und Metalle. Diese Stoffe setzen sie in großer Verdünnung ein, manchmal so stark, dass kein einziges Molekül der Ur-Tinktur mehr vorhanden ist. Für Kritiker ist das ein Beweis, dass Homöopathie nicht wirken kann. Doch die Erfahrung vieler Ärzte und Patienten zeigt das Gegenteil. Das Heilverfahren ist bereits über 200 Jahre alt. Zur klassischen Form der Homöopathie haben sich heute neue Formen gesellt: etwa die Komplexmittelhomöopathie oder die Homotoxikologie.

Die Entdeckung vor über 200 Jahren

Der deutsche Arzt, Apotheker und Chemiker Samuel Hahnemann ist der Vater der Homöopathie. Bereits vor über 200 Jahren formulierte er ihren Grundsatz, dass Ähnliches durch Ähnliches geheilt werden könne. Der Grund: Er entdeckte durch Selbstversuche, dass Naturstoffe, die bei einem gesunden Menschen Krankheitssymptome hervorrufen, bei einem Kranken mit den gleichen Symptomen zur Heilung führen. Zusätzlich machte er die entscheidende Beobachtung, dass die Substanzen stärker wirkten, wenn er sie stark verdünnte. Diesen Vorgang nannte er „Potenzieren“. Doch bevor Heilung eintrat, beobachtete er zunächst eine „Erstverschlimmerung“. Sie zeigte ihm, dass er den richtigen Wirkstoff gefunden hatte. 
Doch ein Homöopath behandelt nicht nur die Symptome der Krankheit. Gleichzeitig versucht er, durch die Wahl des entsprechenden Mittels die Selbstheilungskräfte des Patienten zu mobilisieren. Der Auswahl des richtigen Wirkstoffs kommt also größte Bedeutung zu. Obwohl Hahnemann der Meinung war, ein einziger Wirkstoff würde zur Heilung genügen, begannen bereits seine Schüler, mehrere Wirkstoffe gleichzeitig anzuwenden. Doch konsequent arbeitete erst der große Naturheiler Pastor Felke mit sogenannten homöopathischen Komplexmitteln. Das war vor über 100 Jahren. Die Komplexmittelhomöopathie – häufig in den Medien auch „moderne Homöopathie“ genannt – war erfunden.
Das 20. Jahrhundert brachte schließlich eine weitere Form der Homöopathie: die Homotoxikologie. Ihr Vater ist der deutsche Arzt und Homöopath Dr. Hans-Heinrich Reckeweg (1905-1985). Er glaubte, dass Krankheit entsteht, wenn die Giftstoffe im Körper überhand nehmen. Sie „verstopfen“ den Körper. Seine Zellen werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, wichtige biologische Vorgänge sind behindert. Reckeweg sah die Aufgabe homöopathischer Komplexmittel darin, den Körper von Giftstoffen zu befreien und ihn dadurch zu heilen.

Wasser mit Gedächtnis

Homöopathische Arzneimittel entstehen auf eine besondere Weise: Zunächst zerhackt eine Maschine die entsprechenden Heilpflanzen. Die sogenannte Ur-Tinktur erhält man, wenn man die Pflanzen mit Alkohol und Wasser vermischt und anschließend auspresst. Die Potentstufe D1 – eine zehnfache Verdünnung – entsteht, wenn man einen Tropfen der Ur-Tinktur mit neun Tropfen Alkohol vermischt und diese schüttelt. Entnimmt man dieser Verdünnung einen Tropfen und vermischt ihn erneut mit neun Tropfen Alkohol entsteht die Potenzstufe D2. Bereits die Potenz D16 ist derart stark verdünnt, dass das Verhältnis der Substanz zum Wasser etwa einem Tropfen im gesamten Wasser des Bodensees entspricht. Spätestens ab einer Verdünnung von D24 existiert nach physikalischen Gesetzen kein Molekül des ursprünglichen Stoffes mehr in der Arznei. Doch für Homöopathen sind gerade die am meisten verdünnten Stoffe die wirksamsten.
Genau hier beginnt der Streit zwischen Wissenschaft und Homöopathie. Für Wissenschaftler sind solche Verdünnungen nichts als Wasser. Für Homöopathen dagegen enthält es noch immer die „Informationen“ der Ur-Tinktur. Durch das Schütteln werde ihm diese Information übertragen. Stimmt diese Theorie, würde Wasser so etwas wie ein Gedächtnis besitzen. Es „erinnert“ sich an den Ausgangsstoff. Tatsächlich gibt es diesbezüglich verschiedene Erklärungsmodelle, doch bislang ist keines wissenschaftlich nachgewiesen.
Sowohl akute als auch chronische Erkrankungen werden homöopathisch behandelt. Befürworter der Homöopathie glauben vor allem bei akuten Krankheiten an eine Heilung in kürzester Zeit. Die Voraussetzung: Der richtige Wirkstoff muss gefunden sein. Doch ein verantwortungsvoller Homöopath kennt auch die Grenzen seiner Behandlungsmethoden. Diese liegen sicherlich bei schweren Krankheiten wie Krebs oder Aids.
| Anzeige
| Anzeige

More from Life Goes On

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon