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Lauf-Kolumnist Mike Kleiß: Läufer brauchen die Marathon-Momente

FIT FOR FUN-Logo FIT FOR FUN 23.09.2021 Focus.de Redaktion
© iStockphoto Unser Kolumnist Mike Kleiß hat diese Events sehr vermisst. So wie all die anderen Läuferinnen und Läufer, die keine Wettkämpfe mehr laufen durften. Darum ist der Berlin-Marathon nun so wichtig.

Die gute Nachricht zuerst: Am Wochenende läuft es wieder! Endlich! Der Berlin Marathon kann und darf wieder stattfinden.

Noch mit sehr klaren Corona-Regeln, es werden viel weniger Menschen am Start sein dürfen, egal! Einer der größten Marathons der Welt ist wieder da.

Und dieses Zeichen ist so unglaublich wichtig. Für alle, die Marathon laufen und diese Events vermisst haben, für jede Läuferin, für jeden Läufer. Denn ähnlich wie New York hat der Berlin Marathon eine deutliche Symbolwirkung.

Hier ist die Heimat der anstrengenden 42 Kilometer, hier ist das Laufzentrum Europas, hier verbindet das Laufen Menschen aus aller Welt. Wer jemals den Berlin Marathon gelaufen ist, wer je am Ende durch das Brandenburger Tor gelaufen ist, wird diesen Laufmoment nie vergessen. Selbst der Zieleinlauf im Central Park in New York hat nicht das Potential für dieses Gänsehautgefühl, das man eben nur in Berlin haben kann.

Wir brauchen den Berliner Leuchtturm

Spätestens seit der Kenianer Eliud Kipchoge 2018 in Berlin den Weltrekord mit 2:01,39 Stunden aufstellte, von 41 Tempomachern begleitet, ist Berlin der Leuchtturm aller Marathons auf der ganzen Welt. Und gerade jetzt brauchen wir diesen Leuchtturm.

Vielen ist in den letzten Monaten durchaus ein wenig die Luft ausgegangen. Für die, die gewohnt sind, sich auf einen Marathon vorzubereiten, die diese Challenge für sich und ihre Motivation brauchen, war Corona ein massiver Einschnitt ins Leben.

Corona war eine Vollbremsung

Eine Marathon-Absage nach der anderen. Viele Veranstalter kämpften und kämpfen noch immer ums Überleben. Von jetzt auf gleich wurde Millionen von Läuferinnen und Läufern ein Bein gestellt. Corona war gerade für Läuferinnen und Läufer eine Vollbremsung, von der sich einige nicht gut erholten.

Ja, es gibt diese Menschen, die den Wettkampf brauchen. Mit sich selbst, mit 42 langen Kilometern. Für sie ist es wichtig, sich mit anderen zu messen. Für sie ist es wesentlich, wer die schnellere Zeit läuft, wer weiter und länger laufen kann. Es gibt Läuferinnen und Läufer, die sind das ganze Jahr über im Training, weil sie einen Marathon, einen Halbmarathon nach dem anderen laufen. Weil es ihnen guttut. Weil sie dieses Training als eine Art Ausgleich zum Alltag unbedingt brauchen. Ihnen reicht das normale Laufen nicht. Zehn Kilometer sind für diese Sportlerinnen und Sportler allenfalls ein Aufwärmtraining.

Läufer brauchen Marathon-Momente

Es sind diese Momente, die Marathonläufer brauchen. Das Abklatschen von Kinderhänden an der Strecke, das Entgegenbringen von Respekt von all den Menschen, die zuschauen. Der innere Kampf mit sich selbst, das Betrachten der Stadt mit Läuferaugen.

Vor allen Dingen sind es aber die Momente, die den Zusammenhalt ausmachen. Die das Gefühl der Gemeinschaft erzeugen. Gemeinsam an den Start, gemeinsam den Kampf gegen den Asphalt führen, gemeinsam ins Ziel kommen, sich gemeinsam feiern.

Wer diese Momente erlebt hat, wer diese Momente plötzlich nicht mehr in seinem Leben hat, dem fehlt nicht nur einfach etwas. Diese Gefühle machen süchtig. Diese Emotionen lösen eine unfassbare Sehnsucht aus, eine Art Entzug, wenn sie fehlen.

Dazu kommt: All die Läuferinnen und Läufer haben die Vollbremsung nicht selbst für sich entschieden. Ein Virus hat das getan, in der Verlängerung dann die Bundesregierung, die Kommunen, Länder und Städte. Einfach bitter.

Jetzt das Läufer-Leiden bekämpfen

Wenn am Sonntag der Startschuss zum 47. Berlin Marathon fällt, ist das auch gleichzeitig der Startschuss für den Laufsport insgesamt. Zumindest ist es wohl das schönste Symbol dafür mit dem wundervollen Hashtag #restartrunning.

Es ist der weltweit größte Marathon seit Beginn der Pandemie. Ab Sonntag ist es wichtig, endlich wieder nach vorn zu schauen, und zwar nur nach vorne. Um das Virus zu vergessen, um die Zeit des Läufer-Leidens zu besiegen, um in die Zukunft zu blicken. Der Blick zurück wäre fatal. Oder wie Eliud Kipchoge sagen würde: „Wenn man sich beim Autofahren nur auf das konzentriert, was im Rückspiegel passiert, baut man einen Unfall und crasht“. So läuft es!

© Mike Kleiß / Mike Meyer

Das ist unser Lauf-Kolumnist Mike Kleiß

Mike Kleiß treibt seit seiner Kindheit Sport. „Wer sich bewegt, erreicht mehr“, ist sein Lebensmotto. Das Laufen war immer sein Lieblingsthema. Seit sieben Jahren läuft er nahezu täglich zwischen 15 und 20 Kilometern, oft Marathon, manchmal Ultra-Marathon.

Bisher hat unser Kolumnist zwei Bücher zum Thema Laufen veröffentlicht. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Kommunikationsagentur GOODWILLRUN. Mike Kleiß lebt mit seiner Familie in Hamburg und in Köln. 

Hier berichtet er von seinen Erfahrungen als Läufer, um andere zum Joggen zu motivieren.

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