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Leiden Prominente häufiger an psychischen Erkrankungen?

GQ-Logo GQ 28.06.2022 Maria Berentzen
© Getty Images

Ängste, Depressionen oder Drogensucht: Immer wieder gibt es Berichte über prominente Menschen, die psychische Erkrankungen haben. Oft machen sie dies sogar selbst öffentlich.

Sind berühmte Menschen häufiger als andere Personengruppen von psychischen Erkrankungen betroffen? „Nicht zwingend“, sagt Klaus-Dirk Kampz, Geschäftsführer der My Way Psychiatrischen Klinik in Eckenhagen. Der Eindruck kann allerdings entstehen, weil Prominente häufiger offen über ihre Probleme sprechen. (Lesen Sie auch: Burning-Mouth-Syndrom: Wenn die Zunge brennt und kribbelt)

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Viele sprechen im Alltag nicht über Probleme

Studien zeigen, dass jeder fünfte bis sechste Erwachsene in Deutschland mindestens einmal in seinem Leben an einer Depression leidet. „Doch aufgrund des Stigmas, das leider noch häufig mit der Krankheit einhergeht, verschweigen viele Betroffene ihre Probleme“, sagt der Experte.

Mit Arbeitskollegen, Nachbarn oder losen Bekanntschaften spricht man nicht unbedingt darüber, dass es einem gerade nicht so gut geht. Deshalb bekommt man es oft gar nicht mit, wenn jemand im direkten Umfeld unter einer Depression leidet. „Dadurch kann es uns so erscheinen, dass Prominente viel öfter unter psychischen Problemen leiden als der Rest der Bevölkerung“, sagt der Experte. (Auch interessant: Covid-Zunge: Wenn der Mund erste Hinweise auf eine Infektion liefert)

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Leichter Zugang zu Alkohol und Drogen

Umgekehrt geht der Lebensstil vieler Prominenter aber auch mit Risikofaktoren für psychische Erkrankungen einher. „Viele berühmte Menschen leiden unter Depressionen, einige von ihnen sind auch manischen-depressiv, haben also eine bipolare Persönlichkeitsstörung“, sagt der Experte.

Das macht sie labil – und dadurch entsteht zugleich ein höheres Risiko für Suchterkrankungen. „Alkohol und Drogen sind im Leben der Prominenten viel präsenter beziehungsweise viel leichter zu beschaffen“, sagt Kampz. (Auch lesenswert: Johnny Depp vs. Amber Heard: 8 Lehren, die wir aus dem Urteil ziehen müssen)

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Der Druck ist hoch

Außerdem leiden dem Experten zufolge viele bekannte Personen darunter, dass ihr Aussehen ständig in der Öffentlichkeit beurteilt wird. „Das kann bei Prominenten außerdem dafür sorgen, dass sie weitere Erkrankungen wie zum Beispiel Essstörungen entwickeln.“

Darüber hinaus geht Berühmtheit fast immer mit wenig Privatleben und viel Stress einher. „Diese Faktoren gelten als klassische Auslöser für diverse psychischen Beschwerden“, sagt Kampz. „Es braucht eine stabile mentale Verfassung und ein gutes Umfeld, um diesem Druck langfristig standzuhalten und nicht daran zu zerbrechen.“ (Lesen Sie auch: Fleischersatz: So vielfältig können vegane Alternativen sein)

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Video: Starker Anstieg bei psychischen Krankheiten durch Corona (dpa)

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Geheimhaltung erzeugt Stress

Früher waren psychische Probleme mit einem viel größeren Stigma belegt als heute. „Sie wurden den Betroffenen schnell als persönliche Schwäche ausgelegt“, sagt der Experte. „Inzwischen wandelt sich dieses Bild glücklicherweise.“

Auch deshalb trauten sich Prominente mittlerweile häufiger, offen über ihre Krankheiten zu sprechen. „Viele entscheiden sich auch für diesen Schritt, um sich von dem Druck zu befreien, der dadurch entsteht, das eigene Leiden permanent vor der Presse und der Öffentlichkeit geheim zu halten“, sagt Kampz. Hinzu komme noch die Angst, unfreiwillig bloßgestellt zu werden. (Auch interessant: Kaffee mit Zitrone: Das steckt hinter dem viralen TikTok-Diät-Trend)

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Erkrankung nicht als Ausrede vorschieben

Manchmal scheint es sogar die Karriere zu befördern, wenn Prominente sich entscheiden, ihre Erkrankung öffentlich zu machen. Wenn jemand seine Verfassung authentisch und ohne Hintergedanken kommuniziere, werde das in der Regel positiv aufgenommen, sagt Kampz.

Wer allerdings eine Erkrankung als Ausrede für eigenes Fehlverhalten vorschiebe und sich zugleich keine Hilfe suche und nicht bereit sei, seine Lebensweise zu ändern, könne in der Regel nicht mit dem Verständnis der Fans rechnen. (Auch lesenswert: Gynäkomastie aka Man Boobs? Wenn Männer plötzlich Brüste bekommen)

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Ein offener Umgang hilft

Für Menschen, die selbst unter psychischen Erkrankungen leiden, kann es positiv sein, wenn Prominente über psychische Erkrankungen sprechen. „Damit zeigen sie anderen Betroffenen, dass sie nicht allein sind und dass sie sich nicht für psychische Beschwerden schämen müssen“, sagt der Experte.

Hinzu kommt: Manche werden erst darauf aufmerksam, dass auch sie selbst von einer psychischen Erkrankung betroffen sein könnten, wenn eine Krankheit öffentlich thematisiert wird. „Deshalb kann es ein wichtiges Signal sein, wenn Prominente ihre Probleme bekannt machen“, sagt Kampz. Damit trügen sie auch dazu bei, dass es immer normaler werde, offen über psychische Erkrankungen zu sprechen. (Lesen Sie auch: Single-Dasein: Warum so viele Menschen Angst davor haben und was man dagegen tun kann (laut einer Psychologin))

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Zu viel Öffentlichkeit kann schaden

Sei es Britney Spears, die sich die Haare abrasiert, oder David Hasselhoff, der offensichtlich betrunken auf dem Boden liegt und einen Burger zu essen versucht: In manchen Fällen wäre es durchaus sinnvoll, Prominente vor ihren Fans und den Medien zu schützen, sagt der Experte: „Berichterstattungen über Skandale und Abstürze bringen besonders viel Aufmerksamkeit und gehen immer auch mit einer gewissen Schadenfreude einher.“

Allerdings brauchen Menschen, die unter einer psychischen Erkrankung leiden, gerade in solchen Momenten oftmals genau das Gegenteil. „Sollte das Verhalten von jemandem, der offensichtlich unter psychischen Beschwerden leidet, wirklich bis ins kleinste Detail in den Medien ausdiskutiert werden?“, sagt Kampz. „Wer akut krank ist, sollte die Möglichkeit bekommen, sich fernab der Öffentlichkeit auszukurieren.“ (Auch interessant: Der Tinder-Schwindler Simon Leviev: Was macht der durch Netflix berühmt-berüchtigte Betrüger heute?)

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Erkrankungen nicht verharmlosen

Darüber hinaus kann es bei Stars auch schnell einmal passieren, dass ihre Probleme heruntergespielt werden. „Da wird eine Depression von der Öffentlichkeit schnell verharmlost, weil Prominente doch so ein glamouröses Leben führen würden und sich nicht so anstellen sollen“, sagt der Experte.

Auch ein problematischer Konsum von Alkohol oder anderen Drogen wird bei Prominenten oft heruntergespielt, da dies gewissermaßen zum Promi-Lifestyle dazuzugehören scheint. „An dieser Sichtweise sollten wir als Gesellschaft dringend arbeiten“, sagt der Experte. „Auch wenn berühmte Menschen objektiv ein schönes Leben führen, kann es ihnen trotzdem psychisch schlecht gehen. Insbesondere in der jüngeren Generation steigt glücklicherweise inzwischen das Bewusstsein für mentale Gesundheit.“ (Auch lesenswert: Experte verrät: So befreien Sie sich aus einer toxischen Beziehung)

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