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Medizin: Erst Video, dann Skalpell

SZ.de-Logo SZ.de 02.12.2021 Von Werner Bartens
2021 haben minimalinvasive Behandlungen mit Botox (Foto) oder Faltenunterspritzungen deutlich zugelegt und führen die Liste der kosmetischen Eingriffe an. © Peer Grimm/dpa 2021 haben minimalinvasive Behandlungen mit Botox (Foto) oder Faltenunterspritzungen deutlich zugelegt und führen die Liste der kosmetischen Eingriffe an.

Die Pandemie verstärkt den Trend zu Schönheitsoperationen. Im Fokus steht das Gesicht, Behandlungen mit Botox haben deutlich zugelegt. Und Jugendliche sind besonders anfällig.

Erst Video, dann Skalpell

Das Virus hat sich mit zahlreichen Spuren in die Körper und Seelen der Menschen eingegraben. Narben werden bleiben, sei es durch Spätfolgen der Erkrankung, sei es durch Angst, Unsicherheit und Vereinzelung sowie den dürftigen sozialen Austausch während der Pandemie. Vor ganz anderen und ziemlich konkreten Narben warnen seit Kurzem die Gesundheitsbehörden verschiedener Länder. Gerade hat der Werberat in Großbritannien beschlossen, künftig den Anreiz für Schönheitsoperationen zu senken. Besonders Minderjährige sollen geschützt werden.

Von Mai 2022 an wird Werbung in Jugendmedien verboten, in denen die Straffung der Lider oder der Bauchdecke und Vergrößerungen oder Verkleinerungen der Brust angepriesen werden. Auch Anzeigen für Botox-Spritzen und Lippenfüllungen sollen nicht mehr in Zeitschriften und TV-Programmen geschaltet werden, die sich besonders an Jugendliche richten. Gesundheitspolitikerin Nadine Dorries hatte das Gesetz vor Kurzem angekündigt, weil der Anteil der Kinder und Jugendlichen zunimmt, die wie ihr geschöntes und mit Photoshop bearbeitetes "Instagram-Gesicht" aussehen wollten. "Kinder brauchen keine kosmetischen Eingriffe, es sei denn aus medizinischen Gründen", schrieb die Politikerin im Vorfeld der Initiative. "Schließlich ist ihre Entwicklung weder körperlich noch mental abgeschlossen."

In Deutschland ist ein Werbeverbot im März 2020 auf den Weg gebracht worden, dass - auch online - Reklame für plastisch-chirurgische Eingriffe untersagt, die sich "überwiegend oder ausschließlich an Kinder und Jugendliche richtet". Doch wie so oft ist die Umsetzung schwierig. 2021, im zweiten Jahr der Pandemie, haben minimalinvasive Behandlungen mit Botox oder Faltenunterspritzungen deutlich zugelegt und führen die Liste der kosmetischen Eingriffe an, wie das Deutsche Ärzteblatt kürzlich berichtete.

"Es zeigt sich eine deutliche Fokussierung auf das Gesicht und speziell auf die Augenpartie", sagte Harald Kaisers, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC), als er die aktuelle Statistik vorstellte. "Durch die Pandemie setzen sich viele intensiver mit ihrem Gesicht auseinander, durch das Tragen von Masken fällt der Blick auf die Augenpartie." In Videokonferenzen ist auf dem Bildschirm zudem nicht das eigene Spiegelbild, sondern die Perspektive des anderen zu sehen. "Das ist für viele Menschen befremdlich", so Kaisers.

Die Irritation über das plötzlich fremde eigene Gesicht treibt Menschen offenbar vermehrt unters Messer. Jugendliche sind besonders anfällig, da sie sich ihrer selbst noch weniger sicher sind und zudem in der Vereinzelung Zeit haben, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Ihnen gelingt es immer wieder, sich kosmetisch operieren zu lassen, obwohl dies aus nicht-medizinischen Gründen unterbleiben soll. Außerdem warnen nicht alle Schönheitschirurgen vor unnötigen Eingriffen. Die Klinik des notorischen Nasenkorrektors Werner Mang warb jüngst dafür, dass die Pandemie die ideale Zeit für Eingriffe im Gesicht sei - unter der Maske seien Narben und andere Operationsfolgen nicht zu erkennen.

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