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Spiderman vertreibt Spinnenphobie

NetDoktor.de-Logo NetDoktor.de vor 5 Tagen Christiane Fux
© JohnB-Fotolia

Konfrontation mit der Angst

Wird die Lebensqualität der Betroffenen durch die Spinnenangst eingeschränkt, beispielsweise weil sich die Menschen nicht mehr in den Keller oder in den Garten trauen, können verhaltenstherapeutische Maßnahmen helfen. Wirksam ist bei Phobien eine sogenannte Konfrontations- oder Expositionstherapie: Der Patient wird wiederholt dem angstauslösenden Reiz gezielt ausgesetzt.

Dabei macht er die Erfahrung, dass die anfängliche Angst peu a peu abnimmt. Oft beginnt der Therapeut mit einer leichten Konfrontation, beispielsweise dem Betrachten von Spinnenbildern. Der Reiz wird dann von Mal zu Mal gesteigert, bis der Patient irgendwann eine große Spinne auf die Hand gesetzt bekommt.

Superheldenfilme gegen die Phobie

Doch es scheint auch anders zu funktionieren – nämlich mit einer positiven Konfrontation. Israelische Forscher um Prof. Menachem Ben-Ezra von der School of Social Work der Ariel University haben 424 Spinnenphobiker vor einen Bildschirm gesetzt und ihnen Sequenzen aus Spiderman-Filmen vorgespielt. Schon sieben Sekunden mit dem Superhelden im Spinngewand reichten, um die Angst vor den Kerbtieren um 20 Prozent zu reduzieren.

Den gleichen Effekt erzielten die Forscher bei Personen mit Angst vor Ameisen, wenn sie ihnen Sequenzen aus Filmen mit dem Superhelden Antman vorspielten.

Zeigten sie den Teilnehmern dagegen eine superheldenfreie Startsequenz der Filme oder Ausschnitte aus einem Naturfilm, reduzierte das die Angstsymptome nicht. Das zeigt, dass es tatsächlich die Betrachtung der tierähnlichen Superhelden war, die die Angst vor den Krabblern schwinden ließ.

Einfach, wirksam, unterhaltsam

Eine positive Exposition könnte also eine vielversprechende neue Therapiestrategie bei Phobien darstellen, glauben die Forscher. Zum einen sei sie einfacher durchzuführen als Ansätze, wo die Psychologen für ihre Patienten echte Spinnen besorgen müssen. Zum anderen ist eine klassische Konfrontationstherapie für die Patienten ausgesprochen unangenehm.

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Das Anschauen der Superhelden-Filme hingegen sei unterhaltsam und würde den Menschen erleichtern, ihre „Hausaufgaben“ zu machen, die Teil einer Expositionstherapie sind. Nur wer die angstbesetzte Situation immer wieder aufsucht, kann die Angst dauerhaft auf Abstand halten.

Hilfreich auch für Traumapatienten?

In einem nächsten Experiment wollen die Forscher testen, ob Superhelden auch Menschen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung helfen könnten. In den Superheldenfilmen ginge es immer wieder um das Thema, sich den eigenen Ängsten zu stellen. Das könnte Traumapatienten helfen, die Folgen eines verstörenden Erlebnisses zu überwinden, mutmaßen die Forscher.

12,5 Prozent leiden unter Phobien

Spezifische Phobien wie die irrationale Furcht vor Spinnen, Gewitter oder Flügen sind verbreitet: Etwa 12,5 Prozent der Bevölkerung entwickeln im Laufe des Lebens eine solche Störung. Bei den meisten bleibt sie dann unbehandelt ein Leben lang bestehen. Frauen leiden zwei- bis dreimal so häufig unter ihnen wie Männer.

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