Durch Nutzung dieses Diensts und der damit zusammenhängenden Inhalte stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu.
Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Wieso Wattestäbchen auf keinen Fall ins Ohr gehören

DIE WELT-Logo DIE WELT 10.01.2017

Ärzte warnen seit Langem vor Q-tips, denn bei falscher Benutzung sind die harmlosen Baumwollstäbchen tatsächlich gefährlich. In den USA wurde nun ein Leitfaden zur Ohrreinigung veröffentlicht.

Für manche Menschen gehören sie zum täglichen Ritual nach dem Duschen, andere sind regelrecht süchtig nach ihnen: kleine, scheinbar harmlose Wattestäbchen. Seit das Reinigungswerkzeug 1926 in den USA erfunden wurde, gehören die rund sieben Zentimeter langen Stäbchen, deren Ende mit Baumwolle umwickelt ist, in jedes Badezimmer.

Doch Hals-Nasen-Ohrenärzte warnen davor, zuletzt der US-amerikanische Verband der HNO-Ärzte im Erfinderland der Marke Q-tip. Die American Academy of Otolaryngology hat nun einen Leitfaden veröffentlicht, um über das richtige und gesunde Reinigen der Ohren zu informieren. Und das eindringlich, denn offenbar ist immer noch nicht bekannt, wie gefährlich die falsche Verwendung von Wattestäbchen ist und was unsere Ohren wirklich brauchen, um sauber und gesund zu sein.

Das Herumstochern im empfindlichen Gehörgang befreit das Ohr nämlich nicht zwingend vom ungewünschten Ohrenschmalz, Wasser oder anderen Absonderungen, sondern schiebt sie oft nur noch tiefer hinein. Das winzige Werkzeug schafft es nur, einen Bruchteil des Schmalzes aufzusaugen – die weitaus größere Menge wird dagegen tiefer ins Ohr geschoben.

Es ist überhaupt nicht notwendig, per Wattestäbchen nachzuhelfen: Das Ohr reinigt sich selbst. Der Gehörgang des Menschen ist so angelegt, dass er nach innen spitz zuläuft. Feine Härchen in diesem Gang transportieren Schweiß, Dreck und bei Entzündungen auch Bakterien einfach in Richtung Ohrmuschel.

Aber nicht alle Ohren reinigen sich selbst

Auch unsere Kieferbewegungen beim Essen und Sprechen tragen dazu bei, dass das Zellwachstum im Gehörgang angeregt wird und die Härchen in Schwung bleiben.

Die Ohrmuscheln, in der die Absonderungen durch die clevere Selbstreinigung landen, lassen sich leicht und gefahrlos mit lauwarmem Wasser beim Duschen, einem Waschlappen oder dem Zipfel eines Handtuchs reinigen.

Wer jedoch täglich Wattestäbchen tief in den Gehörgang schiebt, der durchbricht damit jedesmal diesen natürlichen Ablauf.

"Es gibt eine steigende Anzahl von Menschen, die ihre Ohren säubern wollen, weil sie Ohrenschmalz für etwas Dreckiges halten", erklärt Seth R. Schwartz, der den Leitfaden mitentwickelte. "Aber diese Fehlinformation führt nur zu ungesunden Gewohnheiten."

Sogar Büroklammern würden dazu benutzt, wodurch im schlimmsten Fall ein Durchstechen des Trommelfells riskiert wird. Das ist nicht nur schmerzhaft, die Löcher wachsen nicht immer von selbst wieder zu. Im Zweifel ist eine Operation notwendig.

Auch sogenannte Ohrenkerzen seien nicht zur Reinigung geeignet, warnt Schwartz. Tropfen oder Sprays zum Reinigen der Ohren sind ebenfalls unnötig.

Die Baumwollpropfen der Wattestäbchen schieben den Schmalz nur tiefer ins Ohr © Getty Images/Image Source Die Baumwollpropfen der Wattestäbchen schieben den Schmalz nur tiefer ins Ohr

Doch nicht bei allen manchen Menschen reinigen sich die Ohren von selbst. Wenn man besonders verwinkelte Gehörgänge hat oder ein regelmäßiger Schwimmer ist, sollte man seine Ohren von einem HNO-Arzt professionell säubern lassen. Manchmal kann das auch im Alter notwendig werden. Der Arzt wird in jedem Fall kein Wattestäbchen benutzen.

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von DIE WELT

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon