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Können Herpesviren Depressionen auslösen?

NetDoktor.de-Logo NetDoktor.de 22.07.2019 Christiane Fux
© deagreez - Fotolia.com

„Viren können die Entwicklung von Nervenzellen stören und die Interaktion mit dem Immunsystem in wichtigen Entwicklungsstadien behindern“, erklärt Dr. Bhupesh Prusty von der Universität Würzburg. Wenn solch eine Infektion in der frühen Jugend auftritt, könnte sie daher langfristige Auswirkungen auf die Psyche haben.

Aktive Viren im Gehirn

Der Wissenschaftler und seine Kollegen hatten zwei große Sammlungen menschlicher Hirn-Biopsien vom Stanley Medical Research Institute (USA) untersucht. Sie wurden tatsächlich fündig: „Wir haben bei Patienten mit bipolaren und schweren depressiven Störungen eine erhöhte Rate von aktiven Infektionen mit humanen Herpesviren gefunden“, fasst Prusty zusammen.

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Die Viren gehörten zum Typ HHV-6, der das sogenannte Drei-Tage-Fieber bei Säuglingen und Kleinkindern verursacht. Befallen waren vor allem die „Purkinje-Zellen“, die im menschlichen Kleinhirn sitzen. Dieses Hirnareal ist in erster Linie für motorisches Lernen und die Feinsteuerung von Muskelspannung und Bewegungen zuständig. Es beeinflusst aber auch Gefühle, Wahrnehmung, Gedächtnis und Sprache.

Gene und Umwelt beeinflussen die Psyche

Man weiß schon lange, dass nicht nur erbliche Faktoren das Risiko für schwere psychiatrische Störungen wie bipolaren Störungen, schwere Depressionen und Schizophrenie begünstigen. Auch prägende Erlebnisse und verschiedene Umwelteinflüsse spielen eine Rolle. Das gelte vor allem für Faktoren, die in jungen Jahren eine Entzündung im Nervensystem verursachen, so Prusty.

In einem nächsten Schritt wollen Prusty und Kollegen den molekularen Mechanismus entschlüsseln, mit dem die Herpesviren Purkinje-Neuronen verändern.

Erst im Juli dieses Jahres hatte eine andere Forschergruppe Hinweise darauf gefunden, dass Herpesviren vom Typ HHV-6A und HHV-7 an der Entstehung von Alzheimer beteiligt sein könnten. Sie begünstigen die alzheimertypischen Ablagerungen von Amyloid Beta.

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