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Schmerzmittel ab 2020 nur noch auf Rezept: Wie gefährlich ist der Wirkstoff Diclofenac?

Hamburger Morgenpost-Logo Hamburger Morgenpost 13.11.2019 mopo
Rezeptfreie Schmerzmittel wie Diclofenac können Symptome lindern, haben häufig aber auch starke Nebenwirkungen. © Andrea Warnecke/picture alliance / dpa-tmn Rezeptfreie Schmerzmittel wie Diclofenac können Symptome lindern, haben häufig aber auch starke Nebenwirkungen.

Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Diclofenac sind in vielen Ländern, wie auch in Deutschland, rezeptfrei erhältlich. In Schweden hingegen gibt es Tabletten und Kapseln mit dem Wirkstoff ab Juni 2020 nur noch auf Rezept. Die schwedische Arzneimittelbehörde Läkemedelsverket begründet den Schritt mit den starken Nebenwirkungen des Mittels für das Herz-Kreislauf-System.

Die schwedische Arzneimittelbehörde stützt ihre Entscheidung auf die Ergebnisse einer dänischen Studie aus dem Jahr 2018. Die Forscher zeigten, dass Diclofenac oral eingenommen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigert. Schon bei einer niedrigen Dosierung und kurzer Anwendungszeit erhöhen sich die Chancen, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen. Die Studienleiter empfahlen, dass Tabletten und Kapseln mit dem Wirkstoff Diclofenac rezeptpflichtig sein sollten. 

Studie zeigt ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle

Die Teilnehmer der Studie, die Diclofenac einnahmen, hatten nach Studienende ein 90 Prozent höheres Risiko für einen Herzinfarkt als Teilnehmer, die keine Schmerzmittel genommen hatten. Die Nebenwirkungen für das Herz-Kreislauf-System sind auch im Vergleich zu Ibuprofen, Paracetamol und Naproxen höher. Der Wirkstoff Diclofenac steht schon länger in der Kritik. Bereits 2013 warnte die Medikamentenbehörde der Europäischen Union vor dem Wirkstoff in höheren Dosen.

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Wie das Schmerzmittel wirkt, welche Nebenwirkungen es hat und wer es besser nicht einnehmen sollte, zeigen wir in einem Überblick:

Wie wirkt Diclofenac?

Diclofenac ist ein Wirkstoff in Schmerzmitteln. Es gehört zu den sogenannten nicht-steroidalen Antiphlogistika. Das bedeutet: Der Wirkstoff gehört zu einer Gruppe von Medikamenten, die Schmerzen lindern. Diclofenac blockiert im Körper das Enzym Cyclooxygenase. Mit diesem Enzym kann der Körper die Botenstoffe Prostaglandine bilden, die eine große Rolle spielen, wenn wir Schmerzen spüren oder sich Entzündungen bilden. Weil Diclofenac dieses Enzym blockiert, wirkt es gegen Schmerzen, Fieber und Entzündungen.

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Bei welchen Symptomen und Krankheiten kann man Diclofenac nehmen?

Das Schmerzmittel hilft bei chronischen Gelenkentzündungen und Rheuma. Es kann aber auch bei anderen Entzündungen helfen, beispielsweise der Nasennebenhöhlen bei einer Erkältung. Bei Sportverletzungen wie Prellungen oder Zerrungen lindert der Wirkstoff die Schmerzen, dabei wird er meistens in Form von Salbe angewendet – am bekanntesten ist wohl Voltaren-Schmerzgel.

Was muss man beachten, wenn man Diclofenac einnimmt?

Wie viele Tabletten oder Kapseln eingenommen werden dürfen, hängt von dem jeweiligen Medikament ab. Die Höchstdosis und Dauer können variieren. Wichtig ist es, dabei immer die Anweisungen des Beipackzettels zu beachten. Wie bei anderen Schmerzmitteln auch, ist es besser die Tabletten nicht auf leeren Magen zu nehmen.

Was sind die Nebenwirkungen von Diclofenac?

Mögliche Nebenwirkungen müssen bei jedem Medikament angegeben werden. Ob sie auftreten, hängt von der Dosis und Dauer der Einnahme ab, aber auch vom individuellen Zustand.

Bei der Einnahme kann es häufig zu Problemen im Verdauungstrakt kommen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen oder Blähungen. Auch Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit sind nicht selten.

Wird der Wirkstoff in Form einer Salbe oder eines Gels aufgetragen, kann es zu allergischen Reaktionen, Ausschlag oder Juckreiz kommen.

Die stärksten Nebenwirkungen gibt es bei Menschen, die das Medikament länger einnehmen und in höheren Dosen, hier ist das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle deutlich erhöht.

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Wer sollte Diclofenac nicht einnehmen?

Besonders Menschen mit Herzerkrankungen wie Herzmuskelschwäche oder einer koronaren Herzkrankheit sollten auf Diclofenac verzichten. Das gilt ebenso für Menschen mit Durchblutungsstörungen oder Blutungen im Gehirn. Patienten mit Bluthochdruck oder Diabetes, die dadurch ein erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko haben, sollten Arzneimittel mit dem Wirkstoff nie ohne Absprache mit einem Arzt einnehmen.

Auch bei Blutungen im Magen-Darm-Trakt, Geschwüren im Magen oder Zwölffingerdarm darf das Mittel nicht eingenommen werden. Im letzten Drittel der Schwangerschaft sind Mittel mit dem Wirkstoff verboten.

Wo kann man Schmerzmittel mit dem Wirkstoff in Deutschland kaufen?

In Deutschland sind Medikamente mit dem Wirkstoff rezeptfrei erhältlich, können aber nur in der Apotheke gekauft werden. Schmerztabletten mit Diclofenac sind nur in niedrigen Dosierungen in Deutschland ohne Rezept erhältlich. Die Salben und Cremes sind auch rezeptfrei in der Apotheke zu kaufen. Die Salben werden auch in Schweden weiterhin ohne Rezept verkauft. Bei ihnen ist nicht bekannt, dass sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. (rha)

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