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Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Gräfe und Unzer-Logo Gräfe und Unzer 20.04.2017 Wolf-Dieter Storljavascript:;

Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt © Getty Images Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Kennen Sie Knollenziest, Mizuna-Rübstiel oder Schinkenwurzel? Die Gemüsebeete dieser Welt haben allerhand Kurioses zu bieten. Welche ungeahnten Schätze Sie selbst anpflanzen und sich dann auch noch im Lieblingsgericht schmecken lassen können, verrät Ihnen Gartenprofi und Kultautor Wolf-Dieter Storl höchstpersönlich.

Alle Garten- und Rezept-Tipps für die Frühlings-Saison finden Sie im großen GU-Frühlingsspecial: Hurra, der Frühling ist da! Am besten jetzt direkt einmal hier bei uns vorbeischauen, um Garten und Küche für den Frühling fit zu machen.

Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt © Getty Images Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Viele Gemüsearten sind zu Unrecht kaum bekannt. Wir sollten uns nicht gewohnheitsmäßig auf die herkömmlichen Gartengemüse fixieren, sondern uns auch an ungewöhnliche Nahrungspflanzen heranwagen. Sogar bekannte Gemüse haben wenig bekannte Seiten: Wer weiß schon, dass man das grüne Karottenlaub nicht unbedingt wegwerfen muss, sondern gut als Suppengrün verwenden kann. Aus den Blättern der Roten Bete lässt sich ein ausgezeichneter »Spinat« bereiten. Auch das Grün der Mairübe ist als Gemüse verwertbar, ebenso wie das frische Radieschengrün. Hier eine Liste ungewöhnlicher Gemüse für den Hausgarten:

Brauner Senf oder Spinatsenf

Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt © Getty Images Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Irgendjemand hatte mir einmal die Samen eines asiatischen Salatgemüses geschenkt. Hübsche Pflänzchen mit breiten, zarten, kupferbraun angehauchten grünen Blättern wuchsen heran. Die Blätter schmeckten leicht scharf und erinnerten an Rauke, die ebenfalls der Familie der Kreuzblütler angehört und unter ihrem italienischen Namen Rucola inzwischen in Salatbars und bei gesundheitsbewussten Leuten der Renner ist. Wir probierten die Blätter im Salat und gedünstet mit anderen Gemüsen im Wok und waren begeistert. Im Laufe des Sommers wuchs das Senfgemüse bis über einen Meter hoch und blühte mit hellgelben, kreuzförmigen Blüten, typisch für diese Familie.

Dahlie

Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt © Getty Images Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Bei der Dahlie geraten die Blumenfreunde ins Schwärmen und die Botaniker ins Schwitzen – heißt es in einem Gartenlexikon. Von dieser Prachtblume aus Mittelamerika, die einst bei den Azteken dem Sonnengott geweiht war, gibt es inzwischen unzählige Züchtungen in allen möglichen Formen und Farben. Dass die mexikanischen Ureinwohner sie auch als Nahrungsmittel kannten, ist heute den wenigsten bekannt. Noch immer gibt es in Mexiko ein aus den Dahlienknollen hergestelltes »Dahlienbrot«. Die inulinhaltigen Knollen werden geröstet oder gekocht, und die Blütenblätter sind köstlich im Salat oder in der Suppe. Man kann die Knollen auch frisch raspeln und in den Salat mischen. Bei den vielen Zuchtsorten ist der Geschmack der Knollen unterschiedlich. Alle sind zwar essbar, aber manche schmecken bitter.

Fuchsschwanz

Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt © Getty Images Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Die meisten Fuchsschwanz‐Arten stammen aus der Neuen Welt, wo viele als Ackerwildkräuter vorkommen oder als Spinatgemüse in Kultur genommen werden. Der Gartenfuchsschwanz, der bei uns als Zierpflanze zu finden ist, und der Grüne Fuchsschwanz werden in vielen Ländern als Körnerfrucht angebaut. Die äußerst nahrhaften Samen sind reich an Aminosäuren; in Reformläden sind sie in Form von Gesundheitsriegeln, als Müsli oder gemahlen in Mehlmischungen erhältlich.

Guter Heinrich

Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt © Getty Images Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Den Guten Heinrich findet man fast nur noch verwildert auf Almen. Heute fast vergessen, war der Gute Heinrich früher ein bedeutendes, in den Gärten kultiviertes Blattgemüse. Der Spinat hat ihn irgendwann verdrängt. Guter Heinrich liebt stickstoffreiche, nicht zu leichte Böden, ist ansonsten aber anspruchslos. Man sät ihn ab April ins Freiland und erntet die jungen Blätter als spinatähnliches Gemüse. Die Blütenstände werden wie Brokkoli zubereitet. Die Pflanze ist mehrjährig und treibt aus der Wurzel immer wieder aus.

Haferwurzel oder Lauchblättriger Bocksbart

Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt © Getty Images Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Die Haferwurzel, verwandt mit dem gelb blühenden Wiesenbocksbart, ist eine schöne Blütenpflanze. Sie zeigt erst im zweiten Jahr ihre rot‐lila Blüten, im ersten bildet sie eine lange, süßlich schmeckende, milchhaltige weiße Pfahlwurzel, die als Gemüse gekocht wird. Da der Geschmack leicht an den von Austern erinnert, wird sie oft auch »Austernwurzel« genannt. Wie beim Wiesenbocksbart ist jeder Teil essbar. Die Blätter sind gut für Salat und Suppe; die Blütenknospen eignen sich für den Wok und im Mischgemüse. Wie bei der Schwarzwurzel werden die Wurzeln im Herbst geerntet und können im Winter im Keller in feuchtem Sand eingemietet werden.

Japanischer Knollenziest

Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt © Getty Images Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Der Knollenziest, ein Lippenblütler aus Japan, hat kleine weiße Wurzelknöllchen, die aussehen wie das Michelin‐Männlein, das wir aus der Werbung kennen. Die Knollen haben eine zarte dünne Haut und, roh oder gekocht, einen ausgezeichneten Geschmack. Sie sind wahrhaftig ein Edelgemüse. Man setzt die Knollen in Reihen ins Beet; sie vermehren sich durch Ausläufer. Inzwischen brauche ich in meinem Garten gar keine mehr zu pflanzen, das machen die Wühlmäuse für mich. Manchmal finde ich eine ihrer Vorratskammern und habe dann gleich einen Topf voller Knollen für den Wok oder die Salatschüssel.

Klettenwurzel

Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt © Getty Images Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Man kann die Wurzeln der Klette in der Natur sammeln und ein gutes Wurzelgemüse daraus machen. Es gibt die Klettenwurzel aber auch als Zuchtform. In Japan, wo sie gobo oder takinogawa genannt wird, ist sie sogar das beliebteste Gemüse. Die Wurzel wird im Herbst des ersten Jahres nach der Aussaat geerntet. Die Ernte ist eine echte Herausforderung. Die dicken Wurzeln, die tief in den Boden reichen, sind sehr zerbrechlich. Ähnlich wie bei den Schwarzwurzeln muss man neben der Reihe eine Furche graben und dann die Wurzeln behutsam herausheben. Die Japaner ziehen die Pflanzen deswegen in Boxen auf, sodass sie zum Ernten eine Seite herunterklappen und die Wurzeln sorgfältig herausheben können. Die Klettenwurzel ist besonders nahrhaft. Neben Vitaminen und Mineralien enthält sie das von Zuckerkranken gut zu verdauende Inulin als Kohlenhydrat.

Mizuna-Rübstiel

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Mizuna ist japanisch und bedeutet „etwas Grünes für den Winter“. Die dunkelgrünen, tief eingekerbten Blätter sind gut im Salat wie in der Suppe. Der Geschmack erinnert an Rucola. Die Japaner benutzen sie für Pfannengerichte, auch säuern sie die Blätter ein wie Sauerkraut. Mizuna ist kälteverträglich und stellt keine besonderen Bodenansprüche.

Schinkenwurzel oder Nachtkerze

Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt © Getty Images Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Nicht nur der Schönheit ihrer Blüten wegen hat die Nachtkerze die Herzen der Pflanzenliebhaber erobert, sondern auch wegen der rosa angehauchten, fleischigen Pfahlwurzeln, die eine Gemüsedelikatesse sind. Da sie die Farbe gekochten Schinkens haben, hat man ihr den Namen Schinkenwurzel gegeben, und Gemüsegärtner haben aus der Wildpflanze, die auch in unserem Garten jenseits der Gemüsebeete gerne wächst, ein regelrechtes Wurzelgemüse gezüchtet. Eine Gärtnerzüchtung aus Deutschland gelangte 1863 nach Amerika, in das Land, aus dem die Nachtkerze ursprünglich zu uns kam. Unter dem Namen German Rampion (Deutsche Rapunzel) wurde sie dort zeitweilig zum Modegemüse. Da der Anbau jedoch etwas aufwändig ist, findet man die kultivierte Schinkenwurzel inzwischen kaum mehr in unseren Gemüsegärten.

Gartensauerampfer

Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt © Getty Images Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Den kleinen, säuerlich schmeckenden Sauerampfer naschen die Kinder gerne, wenn sie auf den Wiesen spielen. Es gibt aber auch eine großblättrige gezüchtete Form, die Oseille large de Belleville, die in Frankreich in der Frühlingssuppe sehr beliebt ist. Oft wird das Blattgemüse mit der Gartenmelde gemischt.

Taglilie

Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt © Getty Images Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Die Taglilien mit ihren attraktiven ockergelben bis lachsfarbenen Blüten findet man häufig in den Bauerngärten. Kaum jemand weiß, dass die Pflanze in ihrem Ursprungsland China eine beliebte Gemüsepflanze ist. Sie wird auf den Deichen zwischen den Reisfeldern angebaut. Die jungen Triebe und Schösslinge werden im Frühling als »Spargel« gegessen oder finden ihren Weg in die Suppe und in den Salat. Auch die großen Blütenknospen kommen mit in den Wok oder die Bratpfanne. Die stärkehaltigen Wurzeln schmecken wie eine Mischung aus Zuckermais und Haferwurzel, aber es ist aufwendig, sie zu ernten und zu putzen. Die Pflanze ist nahrhaft, enthält Eiweiß, Beta‐Karotin und Vitamin C. Ein Tee, aus den getrockneten Blüten gebraut, soll beruhigend, entspannend und blutreinigend wirken.

Achtung! Verwechseln Sie die Taglilie nicht mit anderen Liliengewächsen wie den giftigen Schwertlilien oder Narzissen!

Teltower Rübchen

Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt © Getty Images Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Diese kleine Speiserübe, die seit dem Mittelalter in Brandenburg als „armer Leute Speise“ angebaut wird, war nicht nur ein Lieblingsgemüse Goethes oder des Philosophen Kant, sondern auch ich bin von ihrem delikaten Geschmack begeistert. Die Rübchen stellen eine gute Nachfrucht für Beete dar, die früh abgeerntet werden, etwa nach der Ernte der Frühkartoffeln oder der Erbsen. Man sät sie in einem Reihenabstand von 25 Zentimetern. Die zarte Rübe eignet sich sehr gut für Gemüsesuppen und im Wok, aber auch als Rohkost.

Wurzelpetersilie

Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt © Getty Images Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Die Wurzelpetersilie ist eine echte Petersilie, aber mit dicken, fleischigen Wurzeln, die dem Gemüseeintopf oder dem Schmorgericht ein interessantes Aroma geben. Die Wurzeln erinnern an Pastinaken, sind aber viel kleiner als diese. Wie auch bei anderen Schirmblütlern dauert es recht lange – bis zu sechs Wochen –, bis die Samen keimen. Die Reihen brauchen also eine Markiersaat und müssen gut beobachtet werden. Für Zwiebelgewächse sind sie geeignete Nachbarn.

Zuckerwurzel, Gierlen, Kringelmöhre oder Zuckermerk

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Die Zuckerwurzel ist ein weiterer Schirmblütler, wie Möhre, Pastinake oder Petersilie. Ehe die Karotte sie aus den Gärten verdrängte, war die Kringelmöhre ein beliebtes Gemüse. Schon in römischen Zeiten ließ Kaiser Tiberius die schmackhaften Wurzeln aus den Rheinprovinzen Germaniens importieren. Ich habe sie mir in den Garten geholt. Auch bei den Zuckerwurzeln oder Gierlen dauert es eine halbe Ewigkeit, bis die Samen keimen. Im Winter könnte man sie wie die Pastinaken im Beet lassen, wären da nicht die Wühlmäuse, die ganz verrückt nach den fingerdicken Wurzeln mit dem süßen Geschmack sind. So ernten wir sie notgedrungen im Herbst und mieten sie im Keller in feuchtem Sand ein.

Portulak oder Burzel

Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt © Getty Images Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Schade, dass der Portulak bei uns nicht gedeiht. Wo aber das Klima Weinbau oder Maisanbau begünstigt, kann das bodendeckende Kraut sogar zum „Unkraut“ werden. Die leicht säuerlich und erfrischend schmeckenden, dick fleischigen, saftigen runden Blätter und die ebenso sukkulenten rötlichen Stängel eignen sich bestens für den Salat und ebenso für die bunte Gemüsepfanne. In Griechenland wird die frische Pflanze traditionell zusammen mit Tomaten, Zwiebeln, Basilikum, Zitronensaft und Olivenöl als Salat zubereitet. In Frankreich gibt es eine »goldfarbene« Züchtung, deren Samen man für das Gemüsebeet kaufen kann. Portulak und Sauerampfer sind die Hauptzutaten der in Frankreich beliebten Potage bonne femme (Gemüsesuppe nach Hausfrauenart).

Malabarspinat

Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt © Getty Images Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Der Malabarspinat braucht Wärme, da er aus Südasien kommt. Auf dem Berg im kühlen Allgäu gelingt der Anbau nicht, aber in wärmeren Regionen, in Weinbaugebieten, wächst die Kletterpfanze gut. Anders als der herkömmliche Spinat schießt er nicht im Sommer. Die fleischigen jungen Blätter sind ein gutes Gemüse, sie können aber auch roh im Salat gegessen werden. Es lohnt sich, sie vorzuziehen und dann nach den Eisheiligen, Mitte Mai, ins Freiland zu pflanzen.

Neuseeländer Spinat

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Während andere Salat‐ und Blattgemüsearten im heißen, trockenen Sommer leiden, gedeiht dieses Mittagsblumengewächs prächtig und treibt seine bis zu einem Meter langen kriechenden Triebe über den Boden. Ähnlich dem Malabarspinat sollte man ihn in Töpfen vorziehen und dann auspflanzen, wenn keine Bodenfröste mehr zu erwarten sind. Er braucht viel Platz (50 mal 80 Zentimeter pro Pflanze). Die fleischigen, pfeilförmigen Blätter sind ein gutes, mildes Gemüse. In der Mischkultur bildet er einen passenden Begleiter für Tomaten.

Kapuzinerkresse

Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt © Getty Images Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Die attraktiv rotorange blühende Kapuzinerkresse ist ursprünglich im tropischen Amerika zu Hause. Sie gehört eigentlich nicht zu den Kressen. Den Namen hat man ihr wegen ihres leicht pfeffrigen, aromatisch‐würzigen Geschmacks gegeben. Blätter, Blüten und Samen lassen sich essen. Als Heilpflanze ist sie ein natürliches Antibiotikum, das bei Bronchitis, Stirnhöhlenentzündung und Infektion der Harnwege hilft. Beim ersten Frost stirbt die Pflanze ab, aber meistens sind schon so viele Samen erzeugt worden, dass man sie im nächsten Jahr nicht wieder auszusäen braucht.

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Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt © Gräfe und Unzer Verlag Die verrücktesten Gemüsesorten der Welt

Wolf-Dieter Storl gibt in seinem GU-Buch „Der Selbstversorger: Mein Gartenwissen“ viele weitere Gartentipps und verrät interessante Fakten, von denen Sie so bestimmt noch nichts gehört haben.

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