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Warum sieht das Leben der anderen auf Social Media immer so spannend aus?

GLAMOUR-Logo GLAMOUR 17.09.2018 Manja Faulhaber

Warum sieht das Leben der anderen auf Social Media immer so spannend aus? © Getty Images Warum sieht das Leben der anderen auf Social Media immer so spannend aus?

Wie heißt es doch gleich – auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner. Zumindest wird uns das auf Instagram & Co. so vorgelebt. Schöne Strände, schöne Bilder, schönes Leben – oder? Diesmal grantelt unsere GLAMOUR-Redakteurin Manja Faulhaber über inflationäres Instagram-Stalking – bis sie sich selbst dabei erwischt

Flanieren an feinkörnig-weißen Traumstränden, die seicht in türkisblaues Meerwasser abfallen. Lambrusco plus Pane Pugliese an der italienischen Amalfiküste. Gin & Tonic auf New Yorks schönsten Dachgärten. Im Designerbikini plus Designersonnenbrille auf Designerliegestühlen im Designhotel.

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The good life (?)

Auf Instagram scheint das Leben ein Traum – und scheinbar jeder lebt es. Nur man selbst sitzt im halbklimatisierten Büro neben altersschwachen Topfpflanzen, viel zu viel Rot im Kalender und dem dringenden Wunsch nach dem fabelhaften Instagram-Leben der Anderen.

Mulden sind das neue Sexy?!

Aber kurz zurück zu "auf Instagram scheint das Leben ein Traum" von gerade eben – fällt Ihnen hier etwas auf? Der Satz hätte genauso gut "auf Instagram ist das Leben ein Traum" lauten können. Tut er aber nicht, denn: das wäre gelogen. Man beachte hier also ganz besonders das Verb.


Die anderen leben vermeintlich im Schlaraffenland - und denken dasselbe vielleicht auch von mir

Ich selbst nutze Instagram beinahe inflationär, scrolle viel zu oft verträumt durch neue Feed- und Story-Updates und beneide dabei all die notorischen Urlauber und Berufs-Tiefenentspannten, die scheinbar das Leben ihrer (und meiner) Träume leben. Aber ist das wirklich so?

Zum Gegencheck gehe ich kurz auf mein eigenes Profil – und finde mich ebenfalls im Schlaraffenland wieder. Erinnerungen an traumhafte Großstädte und Reiseerlebnisse, Bilder von herrlichen Stränden und sagenhaft gutem Essen, meist bin ich am Lachen, kurz: ich sehe aus, als könnte kein Wässerchen mich trüben – eigentlich recht ähnlich zu den Bildern derjenigen, deren Leben ich insgeheim doch so gerne hätte. Was aber nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist: Die Fotos sind ein bunter Mix aus aktuellen und längst vergangenen Ereignissen. Die abgelichteten Erinnerungen an Traumurlaube liegen teilweise ein bis zwei Jahre zurück, auch wenn das nicht immer konkret vermerkt ist. Unten beispielsweise ein Post von März diesen Jahres, der mit dem Geotag "Taipei, Taiwan" versehen ist. Eigentlich wurde das Foto aber bereits im Vorjahr geschossen und ist einfach eine schöne Erinnerung an die längst vergangene Traumreise. Genauso verhält es sich mit dem Schnappschuss aus Vietnam - der ist bereits zwei Jahre her.

Was ich auf meinem eigenen Profil außerdem vergeblich suche, aber ebenfalls nicht finden kann, sind Fotos, die vermuten lassen, dass ich auch mal schlechte Laune habe. Warum auch?

Genug gepost(et)!

Aber natürlich gibt es diese Momente, und ich würde lügen, würde ich behaupten, dass diese selten wären. Nur mache ich davon eben keine Fotos – niemand tut das. Man möchte unverwundbar wirken, nur das Beste von sich preisgeben und keine Schwäche zeigen. Dabei ist es doch eigentlich genau das, was uns menschlich macht. Und trotzdem teilen wir lieber glückliche Momente mit der Welt, die etwas anderes als unseren Alltag repräsentieren. Weil der ist ja, wie das Wort selbst schon sagt, alltäglich – also immer gleich und damit für den äußeren Betrachter nicht unbedingt sehenswert.

Es ist eben doch nicht alles Gold, was glänzt

Was ich damit eigentlich sagen möchte: Würden wir jeden einzelnen Moment unserer Leben als Bilder teilen, gäbe es ganz sicher nicht nur glückliche Momente. Bei niemandem. Der Clou ist, sich bewusst zu machen, dass jeder einzelne Mensch auf Erden gute und weniger gute Tage hat. Auch, wenn viele Leute uns auf Instagram & Co. denken lassen, dass für sie nur die Sonne scheint. Wie die eine Freundin, die nach Australien geflogen ist und wochenlang Fotos von Down under postete – dass sie sich gerade von ihrem Freund getrennt hatte und die Reise vor allem ablenken sollte, erwähnte sie in ihren Posts mit keinem Wort. Oder die, die eine griechische Insel bereiste – dass sie sich dort einen Bänderriss zugezogen hatte? Wird nicht abgebildet.

Schöne neue Insta-Welt

Bedenkt man das, fällt es einem viel, viel leichter, das eigene Leben zu genießen und anderen ihren - vermutlich schwer verdienten - Urlaub aus tiefstem Herzen zu gönnen. Davon dürfen die Glücklichen dann gerne mal ein Foto posten, statt den ansonsten vermutlich eher grauen und vergleichsweise öden Arbeitsalltag mit der Welt zu teilen.

Mit dieser Sichtweise ist das Gras auf der eigenen Seite doch eigentlich auch ganz schön grün.


GLAMOUR-Grantler

Granteln, das: Brummen, Knurren, Nörgeln. In unregelmäßigen Abständen grantelt die GLAMOUR-Redaktion über ernste und unernste Themen, die das Netz und uns, ach was, die ganze Welt, bewegen.

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