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Die wichtigsten Tipps zur Katzenerziehung

Freundin-Logo Freundin 02.12.2021 freundin Redaktion

Ob Sofa-Attacken oder Futterbettelei – Katzen pflegen oft recht eigenwillige Marotten. Kann man ihnen diese abgewöhnen? Autorin Silke Stuck wagte, von Experten begleitet, das Experiment Erziehung. Und lernte dabei viel – auch über sich

Kann man Katzen eigentlich erziehen oder machen sie sowieso ihr eigenes Ding? ISTOCK © ISTOCK Kann man Katzen eigentlich erziehen oder machen sie sowieso ihr eigenes Ding? ISTOCK

Irgendwann im vergangenen Corona-Jahr war ich mit meinem Katzenlatein am Ende. Unser schwarzer Kater Kylo – Europäisch Kurzhaar, fünf Jahre alt,Verwöhn- und Eifersuchtsobjekt meiner drei Söhne – hatte sich schleichend vom gemütlichen Haustier zum nervtötenden Zerstörer gewandelt. Unseren (vormals) schönen Sessel missbrauchte er als Kratzbrett, das Waschbecken gerne als Toilette. Und ständig strich er nach Futter maunzend um unsere Beine. Ich gebe zu, es gab Momente, in denen ich Kylo am liebsten zur Adoption freigegeben hätte.

Auch Stubentiger wollen erzogen werden

Was macht der Mensch, wenn er mit seinem Latein am Ende ist? Er wälzt Ratgeber. Katzen, schreibt die US-Verhaltenstherapeutin Pam Johnson-Bennett, würden ihre Besitzer niemals absichtsvoll ärgern oder provozieren. Wenn eine Katze nerve, dann kompensiere sie etwas. Das klingt gut. Heißt das, ich muss die Macken meines Katers nur besser verstehen, um mich fortan fröhlich mit ihnen zu arrangieren?

Ein Anruf bei der österreichischen Verhaltensmedizinerin Sabine Schroll bringt Licht in das Ganze. Die Tierärztin hat mehrere Ratgeber geschrieben (u.a. „Katzen-Kindergarten“) und gilt als Päpstin der Katzenversteher. „Klar können Sie Ihre Katze erziehen“, beruhigt sie mich. „Und zwar unabhängig vom Alter.“ Hauskatzen seien sogar erstaunlich lernfähig: „Wir haben deren kognitive Fähigkeiten noch längst nicht ausgeschöpft.“

Und warum lernt mein Kater dann nie dazu? Offenbar weil ich ihm genau das unterstellt habe. Ein Riesenirrtum des Menschen, sagt Schroll, sei nämlich zu glauben, dass eine Katze quasi gebrauchsfertig zu einem komme und man dann nie mehr was an ihrem Verhalten ändern könne. „Und so reihen sich dann Missverständnis an Missverständnis zwischen Tier und Mensch.“ Ich fühlte mich gesehen. Mein Kater vermutlich auch. Aber was kann ich tun?

Katzenerziehung ist wie Schach – der Mensch ist zuerst am Zug

Anders als Hunde wollen Katzen ihrem Menschen in der Regel nicht zwingend gefallen, daher gestaltet sich das Erziehen bei ihnen völlig anders. Schimpfen bringt gar nichts. „Der Schluss, den Katzen daraus ziehen, ist nicht der, den wir beabsichtigen“, erklärt Schroll. Geschrei oder Strafen können sie weder verstehen noch dem eigenen Handeln unmittelbar zuordnen. Im schlimmsten Fall leidet das Vertrauen zu ihrer Bezugsperson.

Viel effektiver ist es, die Eigenheiten des Tieres genau zu studieren und sich diese zunutze zu machen. Erziehen, sagt Schroll, komme von ziehen und nicht von drücken. Umlenken sei der bessere Begriff: „Menschen bieten den Tieren zu wenig ,stattdessen‘ an.“ Also etwas Neues, Spannendes in Konkurrenz zum alten Muster setzen. Die Katzenversteherin vergleicht das mit Schach: Erst macht der Mensch einen Zug, dann ist das Tier zwei, drei Wochen dran. Na, dann mal los!

Lektion 1: Ein Spülbecken ist keine Toilette

Ich kenne Kylos Blick, wenn er im Spülbecken sitzt. Kurz guckt er triumphierend, dann entspannt er sich – und pinkelt ungerührt hinein, schneller, als man reagieren kann. Das ist unsere Lektion eins: Ein Spülbecken ist keine Toilette. Studien zufolge liegt bei der Hälfte der Toiletten-Meider ein körperliches Problem vor. „Zahnweh, Bauchweh – vieles ist möglich“, sagt Tierärztin Schroll.

Dem müssten Besitzer zuerst auf den Grund gehen. Bei unserem Kater kann dies ausgeschlossen werden. Was also dann? „Machen Sie ihm ein attraktiveres Angebot“, rät Schroll. Mehr oder weniger Licht am Klo, mehr Ruhe, eine andere Streu, mit oder ohne Deckel.

Jede der Möglichkeiten sollte man einzeln und mit ein paar Tagen Abstand austesten. Wir finden heraus: Kylo mag es gerne etwas heller. Seit wir den Deckel seiner Toilette entfernt und diese mit einer anderen Streu ausgestattet haben, benutzt er sein helles Örtchen wieder brav. Ganz ohne Schimpfen!

Lektion 2: Runter vom Tisch – ein für alle Mal

Ausgerechnet den Esstisch hat Kylo sich zum Lieblingsplatz erkoren. Die Kinder sind begeistert. Ich finde es eklig. Manch­mal, erklärt mir Sabine Schroll, seien die Plätze, die der Mensch vorgibt, einfach nicht die richtigen. Dann suchen sich Katzen ihre eigenen. Als Besitzer muss ich lernen, das dreidimensionale Lebenssystem von Katzen zu verstehen. „Nur der Fußboden reicht einfach nicht“, verdeut­licht Schroll.

Schließlich geht es, da sind Katzen wie Diven, auch um das Sehen und Gesehenwerden. Das lässt sich für die Umgewöhnung nutzen. Gibt es vielleicht einen anderen Ort, von dem aus Kylo das Familiengewimmel aus sicherer Distanz beobachten kann? Den soll ich ihm als neuen Lieblingsplatz schmackhaft machen, dort ein paar Leckerbissen auslegen – und abwarten.

Katzenerziehung, lerne ich, ist auch eine Geduldsprobe: Wer hat den längeren Atem? Wir befinden uns zurzeit noch im Unentschieden­-Status. Der Ess­tisch ist tabu, dafür thront Kylo neuer­dings auf dem Kühlschrank. Ich übe mich in Atemtechniken.

Lektion 3: Bitte lass mich ausschlafen

Am frühen Morgen lautes Maunzen statt Snooze­-Taste – Kylo kann das gut. Leider haben Katzen morgens oft Hunger, und man hat genau zwei Möglichkeiten zu reagieren: nachgeben oder nachgeben. Das Problem: Die Katze speichert, toll, ich muss nur genug lärmen und bekomme Fressen.

Wir finden einen Trick: Mit einem Activity Board und Trockenfutter nutzen wir den Spieltrieb unseres Katers. Er muss für den Snack etwas tun, nämlich Futter aus Röhren fummeln. Kylo frisst und ist beschäftigt – win-win. Und was, wenn ihm einfach nur langweilig ist? Dagegen hilft nur Ignorieren. Das habe ich mir mit drei Kindern ausreichend antrainiert.

Ich weiß auch: Katzen können sich dem Rhythmus des Menschen anpassen – sofern er ihrem nicht komplett zuwiderläuft. Man muss nur konsequent bleiben, auch wenn das Tier anfangs die Quengelei verstärkt. Irgendwann setzt das ein, was Lernpsychologen „extinction burst“ nennen: eine erlernte Verhaltensweise wird abgeschwächt oder gelöscht– es herrscht wieder Ruhe.

Lektion 4: Gib dem Tiger Futter

Diese Lektion ist an mich adressiert. Kylos ständiges Gemaunze nach Futter hat mich an den Rand des Irrsinns getrieben. Müssen Katzen ständig fressen? Nicht ständig, erfahre ich nun, aber viel öfter, als wir Menschen denken. Katzen sind Jäger. Zwei große Mahlzeiten am Tag entsprechen nicht dem Futterrhythmus eines Tieres, das in der freien Natur über den Tag verteilt fünf bis zehn Mäuse fängt.

Auch Wohnungskatzen haben gern viele kleine Portionen. Lange Hungerphasen stressen das Tier und bergen die Gefahr, dass es sich bei der einzelnen Mahlzeit überfrisst. Ein Futterspender kann da Wunder wirken.

Konditionieren per Klick

Das Klickertraining hilft, Verhalten zu bestärken oder kleinere Verhaltensände­rungen zu bewirken.

Schritt 1: Das Klicken (oder ein anderer für die Katze angenehmer Ton) wird mit Futter verknüpft: Klick = Fressen.

Schritt 2: Hat die Katze diesen Zusammenhang verinnerlicht, klickt man künftig, sobald das Tier einer Aufforderung folgt – sich zum Beispiel an einen bestimmten Platz begibt: Klick = Platz = Friss.

Aber: Abgewöhnen wird auch per Klick nicht funktionieren.

(Autorin: Silke Stuck)

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