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"Körperkummer": Warum wir zuerst unseren alten Körper aufgeben müssen, um unseren neuen zu lieben

GLAMOUR-Logo GLAMOUR 05.08.2022 Lucy Binder
© Getty Images

"Körperkummer": Warum wir zuerst unseren alten Körper aufgeben müssen, um unseren neuen zu lieben

Es ist völlig normal, dass sich unser Körper im Laufe der Zeit verändert. Von der Kindheit, über die Pubertät, bis ins (hohe) Erwachsenenalter ist unser Körper im ständigen Wandel. Das Gewicht verändert sich, die Beschaffenheit der Haut, die Fitness und vieles mehr. Die Betonung liegt auf “verändert”, denn wir sollten uns immer vor Augen führen, dass er sich dabei nicht automatisch “verschlechtert”. Viele Menschen haben damit keine Probleme und können ihren Körper in jedem Stadium akzeptieren und sogar lieben – bei anderen ist das nicht so. Die Body-Positivity- und Body-Neutrality-Bewegungen plädieren für mehr Selbstliebe und -akzeptanz und haben damit schon einiges erreicht. Sowohl in der Gesellschaft als auch bei jeder:m einzelnen. Doch eine Hürde, die es vielen Menschen schwer macht, mit ihren Körpern ins Reine zu kommen, ist die Tatsache, dass sie einem alten Körperbild von sich nachtrauern. Der Figur, der Haut oder der Fitness, die noch vor zehn Jahren schlanker/jünger/”besser” war. Für das Nachtrauern und dem damit verbundenen emotionalen und/oder körperlichen Stress, gibt es im Englischen sogar einen Begriff: “Body Grief” – Auf Deutsch also “Körperkummer”.

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Was bedeutet “Körperkummer” und was bringt er mit sich?

Hast auch du eine Hose, ein Kleid oder eine Bluse im Schrank, die dir schon lange nicht mehr passt, die du aber einfach nicht weggeben möchtest, weil du hoffst, “irgendwann schon wieder reinzupassen”? Ein perfektes Beispiel dafür, dass du vielleicht unter “Körperkummer” leidest. Du trauerst deinem alten Körperbild hinterher und hast stets die Hoffnung, dass es wieder zurückkommt. Es ist natürlich nichts verkehrt daran, versuchen zu wollen, den “alten” Körper wiederzuerlangen und dafür z. B. als Motivation ein Kleidungsstück zu behalten, aber nur, wenn du mit dem Aufwand, der dahinter steckt (Sport, Diäten etc.) glücklich bist und Spaß daran hast. Sobald du merkst, dass all die Mühe umsonst ist, du dich quälst und psychisch darunter leidest und das vielleicht schon seit mehreren Jahren, heißt es: Bremse ziehen! Denn oft ist es einfach unmöglich, den alten Körper zurückzubekommen – z. B. aufgrund von hormonellen Veränderungen. Ganz gleich, was der Grund auch sein mag: Es ist ganz wichtig, zuerst den “Körperkumme”r zu überwinden, um dann zu lernen, seinen Körper zu akzeptieren oder vielleicht sogar (wieder) zu lieben. Wer weiß, vielleicht ist “nur” der “Körperkummer” die schwierigste Hürde und danach geht es ganz leicht.

Bri Campos ist Body Image Coach und erklärt den Begriff so: "’Körperkummer’ ist die Aufgabe des 'Schlankheitsideals', das man einmal hatte." Also der Punkt, an dem man das Streben nach seinem persönlichen Körperideal aufgibt. Das bedeutet nicht, dass man einmal den Körper hatte, den die Gesellschaft als “perfekt” bezeichnen würde, sondern den Körper, den man selbst als “perfekt” bezeichnet hat und dies nun nicht mehr tut. Bri Campos erklärt, dass Menschen mit starkem Mehr- oder Untergewicht, chronischen Krankheiten, solche, die unter Diskriminierung leiden oder an Essstörungen am stärksten von Körperkummer betroffen seien. Grundsätzlich kann es aber jede:n treffen. Die Expertin erklärt aber auch, dass Körperkummer nicht nur mit dem Gewicht zusammenhängen kann, sondern z. B. auch mit der Fitness oder Beweglichkeit.

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Es geht nicht nur um den Körper

Wer unter Körperkummer leidet, muss aber nicht immer nur “der Hülle” hinterhertrauern. Es kann auch um Aktivitäten gehen, die man früher (mit dem “alten” Körper) noch machen konnte. Oder der Ärger darüber, wie viel Zeit, Geld und Nerven man in Diäten, Sport oder gar medizinische Eingriffe investiert hat. "’Körperkummer’ kann auch bedeuten, dass man die kostbare Zeit, die Energie und das Geld betrauert, die/das man für das Streben nach einem Gewicht, einer Form, einer Größe oder einem Aussehen verloren hat, der/das letztendlich aber nie so geworden ist, wie man wollte. Oder dass man die Zeiten zutiefst bedauert, in denen man seinen Körper ignoriert oder bestraft hat, weil er nicht so aussah, wie man wollte”, erklärt Bri Campos.

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So kannst du deinen Körperkummer heilen

1. Erkenne, dass dein “alter” Körper keine Probleme lösen würde

Schreibe Punkt für Punkt auf, warum du deinen alten Körper zurückmöchtest. Gehe dann jeden Punkt durch und überlege dir, ob das dein heutiges Leben und deinen Gefühlszustand wirklich “besser” machen würde bzw. welche Benefits du dadurch in deinem Alltag dazu gewinnen würdest. Sei dabei ganz ehrlich zu dir selbst. Wir sind uns sicher, dass einige Punkte auf der Liste am Ende gar nicht mehr so wichtig erscheinen werden.

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2. Denke daran, woher das “Körperideal” kommt

Wer sagt denn eigentlich, was in Sachen Gewicht oder Aussehen richtig, falsch oder “ideal” ist? Niemand, der in deinem Leben die wichtigste Rolle spielt, oder? Sondern viel mehr Social Media, Werbung oder höchstens flüchtige Bekannte. Überlege dir, warum du überhaupt auf deren Meinung zählst und ob es sich nicht lohnt, nur auf dich und deine Liebsten zu hören.

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3. Hinterfrage deine Gedanken und Gefühle

Bri Campos empfiehlt eine 4-Säulen-Methode: Mache dir zuerst bewusst, welche Gedanken und Überzeugungen deinen Körperkummer überhaupt verursachen. Hinterfrage anschließend diese Gedanken und ob sie wirklich so “schlimm” sind. Versuche sie zu vergessen und beobachte, ob sie dich nach der Erkenntnis auch noch Wochen später weiterhin beschäftigen oder vielleicht schon verflogen sind. Falls sie tief verwurzelt sind und dich nicht loslassen, verbinde dich mit Menschen, die sie nachempfinden können und spreche darüber. Bri Campos schlägt vor, sogar Tagebuch zu führen, um dir den Körperkummer bildlich vor Augen zu führen. Falls alles nichts bringt, kann die professionelle Hilfe von Psycholog:innen oder Psychotherapeut:innen helfen, um Körperkummer ein für alle Mal zu überwinden.

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