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Mein Kind mobbt - Was mache ich als Elternteil?

WUNDERWEIB-Logo WUNDERWEIB 11.09.2018 wunderweib

Was tue ich, wenn mein Kind andere mobbt?

Wenn das eigene Kind andere Kinder mobbt, kommen bei den Eltern Schamgefühle und Selbstvorwürfe auf. War ich ein schlechtes Vorbild? Trage ich Schuld, dass mein Kind andere schickaniert? Die Gedanken rasen und man weiß nicht, wie man mit der kritischen Situation umgehen soll. Die fünf Tipps von Psychologin Marthe Kniep sollen Eltern helfen gemeinsam mit ihren Kindern Lösungsansätze zu finden.

Mit dem Kind ohne Vorwürfe sprechen

Wenn ein Kind andere mobbt, braucht es genauso dringend Hilfe wie das Opfer. Schließlich bringt mit seinem Verhalten etwas zum Ausdruck, für das es offenbar noch keine reife Lösungsform entwickelt hat. Das Kind benötigt jetzt ein Gespräch ohne Vorwürfe. Stattdessen sollte die Botschaft rüberkommen: Ich bin für dich da und helfe dir, auch wenn ich nicht gut finde, was du gemacht hast.

Hilfreich sind jetzt folgende Fragen:

  • Wie hat es denn angefangen?
  • Was ärgert oder nervt dich so an diesem Kind?
  • Was brauchst du, damit du aufhören kannst, das Kind zu mobben?

Wenn es möglich ist, die Not hinter dem destruktiven Verhalten des Kindes herauszubekommen, ist schon viel gewonnen. 

Was tun, wenn das Kind mobbt? Eine Psychologin gibt Eltern Tipps zum richtigen Umgang mit dem sensiblen Thema. © Bereitgestellt von Bauer XCEL Media Deutschland KG Was tun, wenn das Kind mobbt? Eine Psychologin gibt Eltern Tipps zum richtigen Umgang mit dem sensiblen Thema.

>>> Wenn das Kind andere Schüler mobbt


Sich an die Eltern des Mobbing-Opfers wenden

Vor Scham im Boden zu versinken, ist jetzt nicht hilfreich. Wird bekannt, dass das eigene Kind mobbt, hilft nur die Offensive. Die Eltern des anderen Kindes zu kontaktieren, zeigt dem eigenen und dem gemobbten Kind und seiner Familie, dass man wirklich um eine Lösung bemüht ist. Von der anderen Seite zu hören, was vorgefallen ist und sich gemeinsam einen Umgang mit der Situation zu überlegen, gibt beiden Kindern das wichtige Signal: Wir nehmen die Vorfälle sehr ernst! Wir möchten, dass es aufhört und kümmern uns darum. Das brauchen jetzt beide Kinder.

>>> Mama-Blog: Was Mobbing mit meinen Kindern macht  

Wiedergutmachung vom mobbenden Kind einfordern

Ein Kind zu mobben ist keine Bagatelle. Aus der Sache wieder rauszukommen ist aber auch nicht leicht. Dazu braucht es schließlich die Einsicht des mobbenden Kindes, dass es etwas falsch gemacht hat. Es muss verstehen, dass es dem Mobbing-Opfer etwas wirklich Schlimmes angetan hat. Das mobbende Kind steht damit erst einmal bei dem gemobbten Kind in der Schuld. Oft gibt es jedoch noch keine Idee für eine angemessene Entschuldigung und vor allem für eine Wiedergutmachung. Dafür braucht ein Kind die Ermutigung und Unterstützung seiner Eltern.

Eltern können mit dem Kind überlegen, was es tun kann. Zum Beispiel einen Kuchen (selber!) backen lassen und dem anderen Kind überreichen mit den Worten: Es tut mir Leid. Ich war sehr gemein zu dir und hab dir Unrecht getan. Und das möchte ich wieder gut machen. Deshalb habe ich dir etwas mitgebracht...Am besten geschieht das vor den Mitschülern oder Freunden des anderen Kindes.

Damit ein angemessener Ausgleich entsteht, muss es das bisher mobbende Kind „etwas kosten“. Es sollte etwas von sich geben, damit die Geste stimmig ist. Ob es von seinem Taschengeld etwas kauft, was dem anderen Kind gefallen könnte, ob es ein Bild malt oder einen ehrlichen Entschuldigungsbrief schreibt, ist eine Frage der Kreativität und der Möglichkeiten. Dass die Eltern diesen Weg mit ihrem Kind gehen, ist wichtig, denn das ist ein schwerer Gang. Aber er wird Erleichterung bringen.

>>> Mobbing in der Schule: Wie helfe ich meinem Kind? 

Positive Aufmerksamkeit schenken trotz der schwierigen Situation

Manchmal ist Mobben für Kinder ein unbewusster Weg, verstärkt Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Nach dem Motto: Besser Aufsehen durch Ärger erzeugen, als gar keine Beachtung zu bekommen. Deshalb ist es wichtig, dem Kind jetzt auf eine Weise Aufmerksamkeit zu schenken, die nicht nur auf das Mobben eingeht. Auch in der schwierigen Situation sollten Eltern auch die vielen (kleinen) positiven Dinge am Kind bemerken und benennen. Oft ändert sich schon einiges, wenn innerhalb der Familie wieder mehr „quality time“ eingeführt wird. 


Professionelle Hilfe bei einem Therapeuten holen

Es ist keinesfalls übertrieben, mit seinem Kind zu einem Psychologen oder Therapeuten zu gehen, wenn die Situation allein nicht verändert werden kann. Beim Mobbing geht es oft um angeknacksten Selbstwert, sich nicht angenommen oder „klein“ fühlen und den noch nicht erlernten, angemessenen Umgang mit Aggressionen.

Die Mitarbeit der Eltern unerlässlich, denn oft ist das Mobben des Kindes eine Reaktion auf etwas, womit es allein nicht fertig wird. Nicht selten liegen dem Ganzen Konflikte und nicht ausgelebte Wut oder auch Trauer innerhalb der Kernfamilie oder im direkten sozialen Umfeld zugrunde.

Vielleicht repräsentiert das Mobbing-Opfer auch etwas, was das mobbende Kind bei sich selbst vermisst oder worauf es (unbewusst) neidisch ist. Viele Gründe sind denkbar, die nicht immer auf der Hand liegen und mithilfe eines Psychologen aufgedeckt werden können. In der Therapie kann darüber hinaus überlegt werden, wie das Kind einen guten Platz in der Gruppe findet, ohne dafür andere erniedrigen zu müssen.

Eltern sollten sich in jedem Fall darauf einstellen, dass es ein längerer Prozess sein kann, bis das Kind lernt Ressourcen zu aktivieren, die ihm anderes Verhalten ermöglichen. Die Unterstützung der Erziehungsberechtigten ist dabei unerlässlich.

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