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Die NEON-Singles – Gemeinsam einsam: Ich brauche keinen Brieffreund: Warum das ewige Geschreibe nervt!

NEON-Logo NEON vor 5 Tagen
Warum sollte ich jemandem schreiben, wenn wir uns auch treffen können? © Getty Images/gpointstudio Warum sollte ich jemandem schreiben, wenn wir uns auch treffen können?

In der Kolumne "Gemeinsam einsam" schreiben NEON-Singles über Tücken, die das ledige Leben mit sich bringt. Heute fragt sich unsere Autorin, wieso eigentlich neuerdings alle so tun, als wären Brieffreundschaften das gleiche wie Dating.

Als ich zum ersten Mal durch eine der einschlägigen Dating-Apps wischte, fand ich sie noch wahnsinnig albern, die altmodischen "Lieber treffen als zu schreiben"-Typen. Natürlich, dachte ich mir, sollte man ein Interesse daran haben, sich möglichst schnell zu Gesicht zu bekommen. Aber die Natur der Sache schreibt nun einmal vor, dass man sich erst einmal ein wenig hin- und herschreibt. Und irgendwie trennt es auch ein bisschen die Spreu vom Weizen – wer keinerlei Rechtschreibung beherrscht, kann dadurch sofort aussortiert werden.

Inzwischen weiß ich: Die hatten einfach mehr Online-Dating-Erfahrung als ich. Denn neben Ghosting, Benching, Gaslighting und wie sie nicht alle heißen, gibt es einen neuen Dating-Trend, der wahnsinnig verbreitet ist und viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt: Brieffreunding.

Wir schrieben viel, verstanden uns blendend

Beispiel: Ich hatte kurz vor Weihnachten mit einem wirklich vielversprechenden Typen gematcht. Klug, witzig, kreativ, charmant – ein echter Fang! Es dauerte nicht lange, bis wir Nummern austauschten und quasi permanent in Kontakt standen. Sein Name auf meinem Display war über Wochen fast immer das letzte, was ich abends und das erste, was ich morgens sah. Als wir uns kurz nach Weihnachten tatsächlich zum ersten Mal trafen, war es, als würden wir uns schon ewig kennen.

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Danach ging es noch ein paar Tage weiter wie zuvor. Wir schrieben viel, verstanden uns blendend. Dann wurde es auf einmal ruhig um ihn. Es fühlte sich an, als müsse man ihm jede Nachricht mit der Pinzette aus der Nase ziehen. Gut, dachte ich bei mir, dann nicht – und hakte ihn mental ab. Doch er kam immer wieder. Erzählte mir von seinem Tag, wollte wissen, wie es mir ging. Als er in einer Bar versackt war, die auf meinem Heimweg lag, verabredeten wir uns auf ein kurzes Treffen. Doch er wirkte abweisend, desinteressiert. Ich ging. Gut, dachte ich mir wieder, vielleicht hat er einfach kein Interesse. Keine 20 Minuten später landete wieder eine Nachricht in meinem virtuellen Posteingang. So betrunken, wie er rüberkam, sei er gar nicht gewesen, er würde sich jetzt auch auf den Heimweg machen. Und so plauderten wir bis spät in die Nacht.

Sieht man schon, worauf ich hinauswill? Der Gute schrieb und schrieb und schrieb mir, schien aber jedes Mal den Schwanz einzuziehen, wenn es um tatsächliche, echte Treffen ging. Als es mir irgendwann zu bunt wurde und ich ihn schweren Herzens darauf ansprach, antwortete er, er würde mich zwar sehr gern mögen, allerdings keine Zukunft für uns sehen. Fair enough. Ich sagte, das müsse ihm nicht Leid tun, ich bräuchte allerdings keinen neuen Brieffreund – und hörte nie wieder ein Wort von ihm. 

Brieffreunding.

Habe ich es nicht verdient, mehr als ein Zeitvertreib zu sein?

Ich weiß, dass wir alle heutzutage eine sehr intensive Liebesbeziehung mit unserem Handy führen. Wir stecken immer in mindestens drei Unterhaltungen gleichzeitig, können keinen Film gucken, ohne uns nebenbei noch mit irgendjemandem auszutauschen. Und während Freunde gerne mal einen halben Tag brauchen, um zu antworten, ist niemand so gewillt, sich in eine intensive Chat-Unterhaltung mit uns zu stürzen, wie jemand, der sich noch etwas von uns erhofft. Ich will nicht behaupten, dass ich das nicht auch wertschätzen kann, oder dass ich es nicht schön finde, abends noch ein virtuelles "Schlaf gut" zugeraunt zu bekommen – und trotzdem ist das doch in keiner Weise vergleichbar mit einer echten Unterhaltung!

Wieso also hören wir immer häufiger "Jaaa, mit dem schreibe ich schon länger" und wieso sind Apps wie Jodel voll von Menschen, die einfach nur "jemanden zum Schreiben" suchen? Ich finde es ja schön, dass mich jemand als einen so unterhaltsamen Gesprächspartner empfindet, aber ich habe es doch wohl verdient, mehr als ein Zeitvertreib zu sein, oder? Wir sind keine verflossenen Liebschaften, die am jeweils anderen Ende der Welt wohnen und aus tragischen Gründen keinerlei Möglichkeit haben, einander zu sehen – du wohnst keine fünf Kilometer Luftlinie entfernt. Schwing entweder deinen Hintern vor die Tür, oder lass mich in Frieden. Denn das Allerschlimmste an der ganzen Sache ist doch eigentlich, dass man noch so sehr denken kann, dass man so einen nicht braucht – schlussendlich vermisst man die Unterhaltungen eine Weile so, als hätte er sich wirklich mal die Mühe gemacht, dich kennenzulernen.

Also entschuldigt mich, ich muss kurz meine Bio ändern: "Lieber treffen als zu schreiben."

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