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Ein Freund wollte mir helfen, meine Hochzeit abzusagen – die Ehe hielt nicht und jetzt nehme ich jeden seiner Ratschläge sehr ernst

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 12.08.2022 Business Insider DE
Die Autorin mit ihrem Freund Eitan, den sie kennt, seit sie 16 Jahre alt sind. © Sarah Gundle Die Autorin mit ihrem Freund Eitan, den sie kennt, seit sie 16 Jahre alt sind.
Die Autorin mit ihrem Freund Eitan, den sie kennt, seit sie 16 Jahre alt sind.

Ich habe mich immer gefragt, warum wir Jahrestage von Freundschaften nicht so feiern wie die von romantischen Beziehungen. Meine Freunde haben mein Leben weit mehr geprägt als jeder Liebespartner.

Meine Ehe dauerte nicht einmal ein Jahrzehnt, aber die Beziehung zu meinem Freund Eitan besteht seit 36 Jahren. Tatsächlich ist die prägendste Erinnerung an meine Hochzeit nicht die eigentliche Zeremonie, sondern Eitans Angebot, mir beim Durchbrennen zu helfen.

Niemand verstand die Wahl meines Ehemannes – weder meine Familie noch meine Freunde und nicht einmal meine Mentorin, die höflich abwinkte, nachdem ich sie einander vorgestellt hatte: „Wichtig ist, dass du ihn liebst.“ Für sie war es offensichtlich, dass wir völlig unterschiedliche Menschen waren.

Als Psychologin verbrachte ich mein Leben damit, in die innere Welt der Menschen einzutauchen, während er, ein Finanzanalyst, ausschließlich in der Außenwelt lebte und wenig Neugier an seiner oder meiner Psyche verspürte.

Mein Jugendfreund und ich lernten uns als Teenager kennen

Eitan und ich waren 16, als wir uns kennenlernten. Ich lebte in Seattle, er in London, aber wir besuchten beide ein israelisches Sommercamp. In diesem Sommer entwickelte sich zwischen uns eine intensive Freundschaft, die vielleicht schon dort geendet hätte, wenn wir nicht unsere gemeinsame Liebe zum Schreiben entdeckt hätten. Jahrelang kommunizierten wir per Post, wobei unsere Briefe für jeden von uns eine Art Tagebuch darstellten.

Mehr als ein Jahrzehnt später wohnten wir nur ein paar Blocks voneinander entfernt in der Upper West Side von New York. Dort lernte ich auch meinen zukünftigen Ehemann kennen.

Mit Anfang 30 war ich begierig darauf, mein nächstes Kapitel zu beginnen. Er war groß und dunkelhaarig und umwarb mich mit großen Gesten und der Intimität des gemeinsamen Hebräischsprechens, dessen gutturale Klänge mir vertraut und beruhigend waren.

Anstatt eine echte Beziehung zu ihm aufzubauen, spielte ich ein Spiel, das ich mir nur einbilden konnte. Wir zogen in eine gemütliche Wohnung, machten lange Spaziergänge und aßen in einem kleinen Café im West Village, wo das Personal uns so gut kannte, dass wir nicht bestellen mussten. Die Chemie zwischen uns stimmte, wir hatten gemeinsame Werte und eine gemeinsame Vision für unsere Zukunft. Aber es fehlte uns an echter Freundschaft und Intimität. Konnte ich das nicht woanders finden?

Die Hochzeit machte mich nervös

Als unsere Hochzeit näher rückte, wurde ich von Ängsten geplagt. Fast jeden Abend schlich ich zu Eitans Wohnung, um zu weinen.

Als er mich eines Abends mit einer Schachtel Taschentücher in der Hand an der Tür empfing, schüttelte er den Kopf. „Sarah, ich kenne dich jetzt seit 16 Jahren. Du weißt, dass ich dich im letzten Monat mehr weinen gesehen habe als in all den anderen Jahren zusammen. Was tust du da?“

Doch die Hochzeitsplanung ging weiter, als wäre ich nur ein Zuschauer, und entwickelte sich von der intimen Feier, die ich mir vorgestellt hatte, zu einer Extravaganz mit Hunderten von Gästen. Als ich in meinem Vera Wang Kleid vor dem Spiegel stand, stellte ich mir die Frage von Eitan: Was hatte ich getan?

Am Abend unseres Probeessens, als die Freunde meines Verlobten aus der Wirtschaftsschule betrunken auf uns anstießen, lehnte sich Eitan zu mir. „Sarah, du weißt, dass du das nicht tun musst.“

Ich lachte. „Was tun?“

Aber sein Gesicht war ernst. „Das hier“, sagte er und deutete auf die Gruppe von Männern, die herumstolperte und versuchte, Selfies zu machen. „Das alles. Er kennt dich nicht. Ich werde ein Auto mieten. Es ist noch nicht zu spät. Ihr müsst das nicht durchziehen.“

„Komm schon, lass uns gehen“, sagte er sanft, aber bestimmt, als er aufstand und meine Hände nahm.

Selbst in diesem Moment, müde und erschöpft von all dem Champagner und dem falschen, spröden Lächeln beim Abendessen, wusste ich, wie mutig er war, laut auszusprechen, was die meisten meiner Freunde gedacht hatten. Ein Teil von mir wusste, dass er recht hatte, aber ich fühlte mich wie gelähmt, wie auf einen fahrenden Zug geschnallt.

Die Ehe war nicht von Dauer, aber die Freundschaft schon

Am nächsten Tag war Eitan einer der Trauzeugen, die unseren Ketubah, einen jüdischen Ehevertrag, unterschrieben. Er hielt einen langen Moment inne, um mich anzusehen, nachdem der Rabbiner ihm den Stift gereicht hatte.

Eine Woche später, in den Flitterwochen, stritten mein neuer Mann und ich uns, woraufhin tagelang Schweigen zwischen uns herrschte. „Du hattest Recht, ich hätte auf dich hören sollen“, schrieb ich Eitan per E-Mail. Das war ein Vorzeichen für die kommende Einsamkeit.

Sechs Jahre später, nachdem ich alles darangesetzt hatte, meine Ehe zu retten, verließ ich ihn schließlich. Eitan und ich stehen uns immer noch nahe – seine liebevolle, mutige Ehrlichkeit leitet mich immer noch.

All diese Jahre später erinnere ich mich kaum noch an meine Hochzeit oder an die Jahre der gegenseitigen Beschuldigungen mit meinem Ex-Mann. Was geblieben ist, ist Eitans Freundschaft – nur dass ich jetzt immer auf ihn höre, wenn er einen Rat für mich hat.

Dieser Text wurde von Lisa Ramos-Doce aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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