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Liebes-Aus: Keine SMS, nicht mal ein Post-It: Wann haben wir uns eigentlich von Trennungen getrennt?

NEON-Logo NEON vor 6 Tagen
Manchmal hat es eine Weile gepasst und dann nicht mehr. Aber wann haben wir aufgehört, darüber zu reden? © Unsplash/Nathan McBride Manchmal hat es eine Weile gepasst und dann nicht mehr. Aber wann haben wir aufgehört, darüber zu reden?

Früher beschwerte man sich noch darüber, eine Trennungs-SMS zu bekommen. Heutzutage kann man froh sein, wenn einen überhaupt jemand wissen lässt, dass die Sache jetzt beendet ist. Unsere Autorin meint, dem Ganzen auf die Schliche gekommen zu sein – und es hat mit dem Vogel Strauß zu tun.

Mir wurde mal erzählt, dass der Vogel Strauß, wenn er Gefahr wittert, den Kopf in den Sand steckt und einfach wartet und betet, dass sie an ihm vorbeizieht. Seit ich nach Berlin gezogen bin, habe ich unter Männern ein ganz ähnliches Verhalten beobachten können. Irgendein weiser Mann (oder eine Frau. Vermutlich eine Frau.) hat mal gesagt: "Der Schlüssel liegt in der Kommunikation." Ich will hier gar nicht vorschlagen, dass der Vogel Strauß den Kopf aus dem Sand zieht und den Löwen freundlich darum bitten sollte, ihn und seine Familie dieses Mal doch vielleicht zu verschonen. Was ich allerdings absolut vorschlagen will: Männer sollten sich die Köpfe aus dem Allerwertesten ziehen und anfangen, zu reden

Ich mag zwar kein Anthropologe sein, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Sprache von irgendeiner angepissten Neandertalerin erfunden wurde, die keinen Bock mehr hatte, von irgendwelchen feigen Neandertaler-Boys ohne Erklärung im Regen stehen gelassen zu werden. Auch wenn Sprache damals vielleicht noch aus Grunzen und wütendem Getrommel bestand.

Besonders, da heutzutage ja bereits eine SMS als absolut angebrachtes Trennungs-Prozedere gilt. Ich bin sogar tief genug gesunken, um eine Trennungs-E-Mail zu akzeptieren. Alles besser, als einfach gar keine Trennung zu bekommen. Um ehrlich zu sein, finde ich, dass Carrie Bradshaw und ihre "Sex and the City"-Mädels ganz schön verwöhnt waren – ein Post-It ist immerhin etwas Handfestes. 

Vor Kurzem musste ich einem Mann die Worte "Es liegt nicht an dir, sondern an mir" förmlich aus der Nase ziehen. War das nicht mal der minimalste Kompromiss, auf den wir uns stillschweigend mit den rückgratlosen Kerlen dieser Welt geeinigt hatten? 

Es ist nicht meine Aufgabe, ihn von mir zu überzeugen

Vor einiger Zeit begann ich, mich ab und zu mit einem Mann zu treffen, der so weit außerhalb meines üblichen Dating-Pools lag – tatsächlich in meinem Alter, ruhig, bescheiden, ein Familienmensch–, dass er in der Theorie einfach irgendwie anders sein musste. Um es kurz zu machen: Er war so ruhig, zurückhaltend und eingeschüchtert von meinem Großmaul, dass er keinen hochbekam. Nun kann man mir viel vorwerfen, aber ich bin eine wirklich freundliche, verständnisvolle Person. Ich schrieb ihm also am nächsten Tag eine SMS, um ihn wissen zu lassen, dass ich ihn jetzt nicht abschreiben werde, nur weil nicht jeder Teil von ihm immer so will wie er. Ich bin ja kein Unmensch.

Er schrieb mir noch etwa einen Tag oder so zurück – und dann nicht mehr. Ein perfekt umgesetzter Vogel Strauß. "Wenn ich nicht mit dir spreche, existierst du auch nicht und ich muss mich nicht weiter mit dieser Situation auseinandersetzen." Natürlich war ich kurz genervt, aber ich bin auch ein großes Mädchen und wenn er keine Lust hat, mich länger zu sehen, dann ist es nicht meine Aufgabe, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. So nämlich.

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Ich hatte betretenes Schweigen erwartet… Pustekuchen!

Stellt sich heraus: Das war absolut nicht das Problem. Also nicht mal ein bisschen. Also null. Etwa einen Monat später lud mich ein Kumpel zu seiner Abschiedsparty ein. Und dort traf ich wieder auf ihn. Den Kerl, den ich in meinem Kopf auch den Sizilianer (hat ihr IRGENDWER "Die Brautprinzessin" gesehen?!) nannte. Kaum hatte ich den Raum betreten, traute ich meinen Augen kaum. Ich hatte peinlich berührte Blicke über Glasrändern erwartet, vielleicht zwei, drei nervenraubende Minuten Smalltalk. Stattdessen wurde ich mit Zwinkern, Komplimenten und viel zu lange verweilenden Blicken bombardiert. Was war hier los? Ich hatte doch den perfekten "Ach, du auch hier"-Blick vorbereitet. Stattdessen fand ich mich völlig irritiert auf der anderen Seite des Tischs wieder. Eine Augenbraue hochgezogen, der Mund leicht geöffnet, die Stirn gerunzelt – ein klassischer "Was zur Hölle?" 

Hatte er einen auf die Mütze bekommen und alles vergessen, was zwischen uns vorgefallen war? Oder hatte ich das in meinem Kopf irgendwie größer gemacht als es eigentlich war? Vielleicht hatte ich ja tatsächlich kein Trennungs-Post-It verdient, weil es nie irgendetwas zum trennen gab. Oder war das hier seine Art und Weise mir zu sagen: "Du bist heiß, es tut mir Leid, bitte gib mir noch eine Chance?" Ich hatte keine Ahnung, also blieb ich einfach sitzen. Wir unterhielten uns, flirteten ein bisschen, lachten und hatten im Allgemeinen einen wirklich schönen Abend. Zum Abschied küsste er mich auf die Wange, schaute mir tief in die Augen und sagte "Bis bald!" Ich ging und war kein bisschen schlauer als vorher. Was war da da gerade passiert?

Was ein Vogel Strauß, der Sizilianer und Professor Lockhart gemeinsam haben

Schauen wir uns den Vogel Strauß noch einmal genauer an: Wieso fühlt er sich sicherer, wenn er den Kopf in den Sand steckt? Aus dem gleichen Grund, aus dem Kinder beim Verstecken spielen mitten auf der Wiese stehen und sich die Augen zuhalten: "Wenn ich dich nicht sehen kann, kannst du mich auch nicht sehen." Einfach leugnen. Der Vogel Strauß tut es, weil er das große Ganze nicht versteht. Kinder tun es, weil sie zu jung sind, um zu verstehen, dass andere Menschen die Dinge vielleicht anders wahrnehmen als sie selbst. Und Männer tun es, weil es einfacher ist. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Wieso sollte ich mich mit langen Erklärungen und möglicher Verlegenheit auseinandersetzen, wenn ich auch einfach aufhören kann, mit ihr zu reden? Der "Kontakt löschen"-Knopf wird zum magischen Zauberstab der Dating-Welt. Und genau wie (Achtung, Harry-Potter-2-Referenz) Ron Weasleys Zauberstab, kann der manchmal nach hinten losgehen, was dazu führt, dass der Benutzer jegliche Erinnerung an die Vergangenheit verliert und sein Gegenüber ebenfalls verwirrt und ein bisschen perplex zurücklässt. Und seien wir mal ehrlich: In welcher Situation braucht man den Obliviate-Zauber dringender, als wenn man gerade erfolglos versucht hat, mit einem Mädchen zu schlafen, das man süß findet?

Also lassen wir ihnen die Illusion, spielen mit, akzeptieren Zwinkern und Komplimente, vergeben ihnen dafür, dass sie uns nicht mal eine E-Mail gönnen und wissen tief in uns drin: Es liegt nicht an uns – es liegt an ihnen. Denn der Strauß, Professor Lockhart und Männer wie der Sizilianer haben alle eins gemeinsam: Sie haben Angst. Angst davor, gegessen zu werden. Angst davor, erwischt zu werden und Angst davor, sich zu blamieren. Also hoffen sie, dass du sie einfach vergisst. Indem sie den Kopf in den Sand stecken, dich verhexen oder einfach nie wieder mit dir reden. 

Und weil wir so liebevolle Löwinnen, Zauberschülerinnen und Singles sind, tun wir einfach so, als könnten wir den riesigen Ball Federn mit dem langen Hals und den großen Füßen nicht sehen. Wir schmunzeln, streichen ihm sanft über den Hals und gehen weiter, denn die einzige andere Möglichkeit ist, uns dazu zu stellen und ganz ehrlich? Das ist nicht nur schlecht für den Rücken, sondern auch fürs Gemüt. 

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