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30 Jahre Mauerfall

ZEITjUNG-Logo ZEITjUNG 09.11.2019 Marie Hesse

Heute jährt sich der Tag des Mauerfalls zum 30. Mal. Ziemlich lange her, dass eine Betonmauer Deutschland in Ost und West geteilt hat. Oder etwa doch nicht?

Sozialistischer Bruderkuss Berliner Mauer © ZEITjUNG Sozialistischer Bruderkuss Berliner Mauer

Der Mauerfall ist heute 30 Jahre her. Drei Jahrzehnte Freiheit liegen also hinter uns. Heute sind die Zeitungen, das Fernsehen und das Internet voll mit andächtigen Worten und traurigen Erinnerungen. Jeder kennt Geschichten über die Mauer. Oder hat zumindest “Herr Lehmann” oder “Good Bye Lenin” gesehen. Heute vor 30 Jahren, um genau 17.58 Uhr, wurde auf einer Pressekonferenz der Grundstein zum Fall der Mauer gelegt. 

Der Anfang

In den Nachkriegsjahren zwischen 1949 und 1961 wanderten 2.6 Millionen Menschen in den Westen aus. Viele von ihnen waren ausgebildete Fachkräfte und ihre Abwanderung stellte ein zunehmend größer werdendes Problem für den Osten dar. Um weitere Menschen an einer Abwanderung zu hindern, behauptete die DDR, eine Mauer als Schutz vor dem Westen zu brauchen. Abwanderung, Unterwanderung, Spionage, Schmuggel und der generelle westliche Einfluss machten sie angeblich notwendig. Der Mauerbau erfolgte schnell und kontrolliert. Dennoch, in Berlin teilte die Mauer nicht nur eine Stadt, sondern auch ganze Wohnhäuser. Das Küchenfenster konnte im Osten liegen, der Hinterhof aber im Westen. Menschen sprangen deshalb kurzerhand aus ihren Fenstern um in Freiheit leben zu können.

Die Mauer brachte aber nicht nur Leid, sondern auch Tod. DDR-Grenzsoldaten befolgten seit den 60er Jahren einen Schießbefehl. Man schoss kurzerhand auf die eigenen Landsleute. Eines der bekanntesten Maueropfer ist Peter Fechter. Sein Fluchtversuch endete am 17. August 1962 tödlich, als er von den eigenen Landsleuten von der Mauer geschossen wurde. Die DDR-Soldaten schauten anschließend einfach weg, als Peter verblutete. Augenzeugen warfen noch Verbandsmaterial über die Mauer, doch Peter starb trotzdem. Peter Fechter ist aber nur eines der Maueropfer. Die genaue Opferzahl ist bis heute nicht bekannt.

Das Ende

Die zunehmenden Unruhen im Land, der Druck der Montagsdemonstrationen und das immer lauter werdende Volk bringen Günter Schabowski dazu, am 9. November 1989 eine Pressekonferenz zu halten. Fast beiläufig teilt er den anwesenden Journalisten mit, dass Privatreisen in den Westen nun ohne die Beantragung von Visa möglich sei. Auf die Nachfrage eines Journalisten ab wann diese Regelung in Kraft trete, antwortete Schabowski: „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“, und schrieb somit ein Stück Geschichte.

Als sich am Abend des 9. November 1989 die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitete, war ich zwei Monate alt und interessierte mich herzlich wenig für das Stück Beton, das bisher West und Ost trennte. Meine Eltern hingegen, die waren zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 23 und 24 Jahre alt, realisierten sofort, dass diese Nachricht unser gesamtes zukünftiges Leben verändern würde. 66 Tage nach meiner Geburt fiel sie also endlich. Mit der Mauer fiel aber nicht nur ein 3 Meter hoher und 160 Kilometer langer Betonwall, sondern auch die gesamte SED-Diktatur. Ein ganzes Land war verschwunden. Kein Ost und West mehr, oder etwa doch?

Der bittere Rest

Die Berliner Mauer steht schon seit 30 Jahren nicht mehr und ist doch immer noch ein Teil von uns. Ich wurde in der DDR geboren. Wie meine Eltern. Trotzdem bin ich “Wendekind” und damit weder Ossi noch Wessi. Die Mauer findet sich trotzdem auf vielen frühen Fotos meiner Kindheit. So wie der Schnurrbart meines Vaters. Beides gehört heute der Vergangenheit an und während sich der Schnauzer daran hält, spukt die Mauer auch 30 Jahre nach ihrem Fall noch durch unseren Alltag. Sie macht sich beispielsweise im Lohngefälle von Ost und West bemerkbar. Untersuchungen ergaben, dass der Lohnabstand bei Arbeitnehmerinnen gleichen Geschlechts, im gleichen Beruf und mit gleicher Berufserfahrung bei unglaublichen 16,9 % liegt. Erzähle ich neuen Bekanntschaften davon eine waschechte Berlinerin zu sein, wird oft nach der Himmelsrichtung meines Geburtskrankenhauses gefragt. Ob ich aus der BRD oder DDR komme, bewegt also auch heute noch die Gemüter. So richtig weg ist die Mauer also noch nicht und in manchen Köpfen wird sie vielleicht sogar für immer stehen bleiben. 

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Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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