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Flug fällt wegen Corona aus – sollte ich einen Reisegutschein annehmen?

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Viele Flüge sind momentan storniert worden. Als Entschädigung bieten die meisten Airlines Gutscheine an. Sollte man sie annehmen? © Getty Images Viele Flüge sind momentan storniert worden. Als Entschädigung bieten die meisten Airlines Gutscheine an. Sollte man sie annehmen?

Die meisten Urlaube der vergangenen und auch kommenden Wochen sind wegen der weltweit grassierenden Corona-Pandemie abgesagt. Normalerweise gibt es, wenn eine Reise nicht stattfinden kann, eine Rückzahlung. Doch aktuell bieten die meisten Reiseunternehmen, Fluggesellschaften und Reedereien nur noch Reisegutscheine an. Sollte ich diese annehmen? TRAVELBOOK hat beim Rechtsanwalt nachgefragt.

Die Corona-Pandemie trifft die Reisebranche aktuell mit voller Wucht. Weltweit gehen die Verluste jetzt schon in die Milliarden und ein Ende ist noch nicht absehbar. Deswegen bitten viele Reiseveranstalter ihre Kunden, bei stornierten Reisen statt auf eine Rückzahlung, auf einen Reisegutschein zu setzen.

Doch viele Betroffene sind sich unsicher: Sollte ich so ein Angebot annehmen? Kann ich überhaupt ablehnen? Und welche Risiken muss ich im Zweifelsfall tragen? TRAVELBOOK hat beim Rechtsanwalt Jan Bartholl nachgefragt.

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Verzugskosten decken meist Anwaltskosten

Viele Anbieter, vor allem Fluggesellschaften, bieten aktuell gar keine Rückerstattung mehr an. Dazu zählen neben Billig-Airlines wie Ryanair auch Lufthansa, KLM und Emirates. Doch eigentlich steht den Passagieren laut EU-Recht eine Rückzahlung zu, erklärt Bartholl. „Die aktuelle Rechtslage ist ganz eindeutig: Reisende Fluggäste haben einen gesetzlichen Anspruch auf Erstattung und Rückzahlung zu 100 Prozent in Geld, innerhalb von 14 Tagen zu leisten vom Reiseveranstalter, innerhalb von 7 Tagen von der Fluggesellschaft.“

Sollte die Airline Ihnen keine Rückzahlung anbieten, können Sie zum Anwalt gehen und eben das Durchsetzen. Bartholl erklärt: „Reiseveranstalter und Fluggesellschaften, die innerhalb der Fristen nicht erstatten, sind automatisch und ohne Mahnung im Verzug. Diese Verzugskosten decken meistens die möglichen Rechtsanwaltskosten.“

Reisegutschein – ein Risiko?

Laut Jan Bartholl gibt es drei große Probleme bei Reisegutscheinen im Vergleich zu einer Geld-Rückerstattung. Erstens: Die Bindung an den Aussteller des Gutscheins. „Wenn Sie einen Gutschein von z.B. Ryanair bekommen, sind Sie dazu gezwungen, auch wieder mit Ryanair zu fliegen und können nicht auf z.B. Lufthansa umsteigen“, sagt Bartholl.

Ein zweiter Negativ-Punkt ist, dass sich der reelle Wert des Gutscheins verändern kann. Bartholl erklärt: „Fakt ist, dass Reisen sehr wahrscheinlich deutlich teurer wird. Es kann also sein, dass Sie bei einem Gutscheinwert von 500 Euro im nächsten Jahr gar keinen Flug mehr für diesen Preis bekommen.“

Der dritte und wichtigste Punkt: Mit einem Reisegutschein tragen Sie das volle Insolvenzrisiko. Das bedeutet: Falls Reiseanbieter oder Fluggesellschaften im Laufe des Jahres insolvent werden, werden auch die Gutscheine wertlos. „Es ist klar, dass nicht alle diese Krise überstehen werden. Und was dann passiert, wissen einige noch von der Air-Berlin-Pleite. Jeder, der damals Gutscheine von dieser Airline hatte, weiß: Im Fall einer Insolvenz bringen die gar nichts mehr.“

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Wann sollte ich einen Reisegutschein annehmen?

Auch wenn es laut Bartholl immer sinnvoller sei, das Geld statt eines Gutscheins zurückzufordern, kann man als Kunde dennoch einen Gutschein annehmen. Grundlage dafür ist aber großes Vertrauen zum Vertragspartner.

Grundsätzlich könnte sich die Rechtslage allerdings bald sowieso ändern. Denn aktuell wollen Airlines und Reiseveranstalter wegen der besonderen Umstände der Corona-Krise eine Modifikation dieser Passagierrechte umsetzen. Nach dieser Regelung würden die Reisegutscheine die Ticketerstattung ersetzen – man müsste den Gutschein also annehmen.

„Mehrere Länder, darunter etwa Frankreich, Polen und Italien, haben die Gesetzeslage bereits geändert und/oder eingeschränkt – obwohl es eigentlich EU-Recht ist. Es ist nicht auszuschließen, dass genau das auch in Deutschland bald folgt“, sagt Bartholl.

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Laut Bartholl sollte bei einem Reisegutschein, falls er verpflichtend würde, zumindest eine Insolvenzabsicherung und eine Gültigkeit von drei Jahren gegeben sein.

Alle aktuellen Informationen für Reisende zur Corona-Pandemie finden Sie hier.

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