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Retro auf der Piste – so sah Skifahren früher aus

WELT-Logo WELT vor 6 Tagen Kira Hanser
Posieren in Bikini und Shorts mit Skistöcken: Ein Fotoshooting um 1965 auf der Piste in Crans-Montana im Wallis Quelle: Alpines Museum der Schweiz © Alpines Museum der Schweiz Posieren in Bikini und Shorts mit Skistöcken: Ein Fotoshooting um 1965 auf der Piste in Crans-Montana im Wallis Quelle: Alpines Museum der Schweiz

Viel Retro auf der Piste sah man in der aktuellen Skisaison in den Alpen. Wintersporturlauber in knallfarbenen Jacken mit Grafikmustern oder auch in engen Slalompullis im Sixties-Schick, und das auch noch von Modelabels, die Jahrzehnte ziemlich in Vergessenheit geraten waren: Bogner etwa oder auch Jet Set.

In den Skischulen wird auch wieder das „Schönskifahren“ gelehrt, also klassisches Wedeln: in schnellen, kurzen Parallelschwüngen elegant die Pisten herunterkurven statt herumzucarven, das eher plump-technische Auf-der-Kante-Fahren. Was auch in die Jahre gekommene Ski-Nostalgiker freut, denn Wedeln verlernt man so wenig wie Radfahren.

Passend zum Retrotrend hat das Alpine Museum der Schweiz in Bern gerade ein „Fundbüro der Erinnerung“ zur Skikultur eröffnet. Vor gut 60 Jahren entwickelte sich Skifahren zur beliebten Wintersportart.

Gezeigt werden, als Fotos oder als Objekte, kuriose Skianzüge, Mützen, Skibrillen, Stiefel und jede Menge Skiausrüstung im Wandel der Zeit. Wie zwei Meter lange hölzerne Bretter und geschnürte Lederschuhe aus den 60ern.

Aufnahme aus den 1940ern: Rast eines Tourengängers am verschneiten Gornergrat vor dem Monte Rosa in den Walliser Alpen Quelle: Alpines Museum der Schweiz, Bern © Alpines Museum der Schweiz, Bern Aufnahme aus den 1940ern: Rast eines Tourengängers am verschneiten Gornergrat vor dem Monte Rosa in den Walliser Alpen Quelle: Alpines Museum der Schweiz, Bern

Rotschwarze enganliegende Overalls, fast wie Raumanzüge aus „Star Trek“, und Steghosen aus den 70ern. Neonschrille Daunenjacken, Stirnbänder und Jeans mit Stulpen aus den 80ern. Sporttrikots und Baggy Pants der 90er-Jahre. Kamerahelme und Vollstretchskihosen Anfang des 21. Jahrhunderts.

Das Alpine Museum der Schweiz zeigt persönliche Objekte

Die meisten Objekte wurden von Schweizer Wintersportlern gespendet – als ganz persönliche Fundstücke zur Skikultur. Manche von ihnen kommentieren ihr Skimaterial.

Wie Nadia über ihren quietschgelben Skianzug: „Heute der letzte Schrei, damals eine Schmach: Wer in den 1990ern in Zeiten von Baggyhosen und Boarder-Style im hautengen Skidress vereiste Pisten hinunterwedelte, brauchte ein Quäntchen Selbstironie.“

1965: Eingemummelt in Decken fährt ein Paar im Sessellift auf den Grindelwald-First Quelle: Alpines Museum der Schweiz, Bern, Scheidegger & Spiess © Alpines Museum der Schweiz, Bern, Scheidegger & Spiess 1965: Eingemummelt in Decken fährt ein Paar im Sessellift auf den Grindelwald-First Quelle: Alpines Museum der Schweiz, Bern, Scheidegger & Spiess

Oder Ueli schreibt über sein Lieblingsoutfit von 1972, so rot wie der Skianzug des Schweizer Skirennfahrers Bernhard Russi, der damit Olympiagold holte: „Ich trug den Anzug..., bis man mir zu verstehen gab, dass er aus der Mode geraten sei und ich möglicherweise etwas zu alt dafür sei.“

Nostalgische Fotos aus den Schweizer Alpen

Auch viele Fotoshootings aus den Schweizer Alpen werden gezeigt – und die kuriosesten sind nun in dem nostalgischen Büchlein „Schnee von gestern“ versammelt. Es illustriert auf heitere Weise die Entwicklung des Skisports als Postkartenbuch – herrlich retro! Mit 40 Ansichten zum Heraustrennen und Verschicken an Skifans.

Wie eine 60er-Jahre-Bikini-Session in Crans-Montana, 1965. Wie die Pose einer Skibobfahrerin mit Häkelmütze und scharlachrotem Anzug mit Bügelfalten und Goldknöpfen, 1970.

1970: scharlachroter Skidress und Häkelmütze einer Skibobfahrerin Quelle: Alpines Museum der Schweiz, Bern © Alpines Museum der Schweiz, Bern 1970: scharlachroter Skidress und Häkelmütze einer Skibobfahrerin Quelle: Alpines Museum der Schweiz, Bern

Oder eine schmalzige Après-Ski-Party im „Abba“-Feeling, 1980 auf der Rigi. Alle diese Aufnahmen waren damals als Werbe- und Auftragsfotografien gedacht, um den Wintersporttourismus in den Alpen anzukurbeln. Aus heutiger Sicht wirken sie zum Schmunzeln schön.

Partylook im Jahr 1980: Après-Ski-Party auf der Rigi Quelle: Alpines Museum der Schweiz, Bern © Alpines Museum der Schweiz, Bern Partylook im Jahr 1980: Après-Ski-Party auf der Rigi Quelle: Alpines Museum der Schweiz, Bern

Mehrere Begleittexte ordnen die Bedeutung der Skikultur ein. So schreibt etwa der Historiker Christian Rohr: „Skifahren war schon immer ein Feel-Good-Sport“. Also Sonnenschein überall. Und: „Schneekanonen, unbequeme Skischuhe, überfüllte oder gesperrte Pisten werden in der Regel nicht verewigt.“

Das Alpine Museum in der Schweiz hat momentan bis auf Weiteres geschlossen, die neue Fundstück-Ausstellung läuft aber noch bis zum 28. Februar 2021.

Alles gezeigten Fotos stammen aus: Alpines Museum (Hrsg.): Schnee von gestern. Scheidegger & Spiess, 64 Seiten, 24 Euro

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