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#cosmocolumne: Geiz ist geil: Wie ein Werbeslogan unsere Gesellschaft verdorben hat

COSMOPOLITAN-Logo COSMOPOLITAN 28.08.2018 cosmopolitan

#cosmocolumne: Warum Geiz nicht geil ist © Bereitgestellt von Bauer XCEL Media Deutschland KG #cosmocolumne: Warum Geiz nicht geil ist

10 Euro für ein Mittagessen? Viel zu teuer! 900 Euro für ein Smartphone? Geht doch! Wenn man sich mal anschaut, wie – insbesondere die Deutschen – ihre Prioritäten setzen, wenn es ums Geld ausgeben geht, muss man sich schon sehr wundern: Die Ernährung, die gleichzeitig unsere Lebensgrundlage ist, kann gar nicht billig genug sein. Für Statussymbole dagegen wird auch gerne mal das Konto überzogen. Wie konnte es bloß soweit kommen?

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„Als Geiz bezeichnet man eine übertriebene Sparsamkeit, damit verbunden auch den Unwillen, Güter zu teilen. Eng sinnverwandte Begriffe sind Gier, Habgier und Habsucht“, so die Definition auf Wikipedia. In Bibel wird der Geiz bzw. die Habsucht sogar als eine der sieben Todsünden beschrieben. Es ist nicht so, dass ich besonders gläubig wäre – aber Geiz ist gewiss kein Attribut, mit dem ich mich identifizieren möchte. Diese Charaktereigenschaft ist unsympathisch, unangenehm und durchweg negativ behaftet – denn sie geht über Sparsamkeit oder den bewussten Umgang mit Geld weit hinaus. Die meisten Deutschen sehen das anscheinend anders: Seit eine große Elektronikhandelskette 2002 mit dem Slogan „Geiz ist geil“ warb, ist dieses Mantra fest in den Köpfen der Konsumenten verankert.

Billig, billiger, am billigsten: Die Deutschen wollen möglichst viel konsumieren – und gleichzeitig möglichst wenig bezahlen. Wobei das natürlich relativ ist: Sobald irgendwo „Sale“ oder „Angebot“ steht, scheint das Gehirn das Signal „Kaufen, sofort!“ auszusenden – auch wenn die Ersparnis in Wahrheit gar nicht so groß ist, wie einem suggeriert wird oder das Ganze schlicht und einfach zulasten der Qualität geht. Dass sich dieses Verhalten zwangsläufig negativ auf die Arbeitsbedingungen, die Umwelt und die Menschen auswirkt, die an der Produktion beteiligt sind, sollte eigentlich allen einleuchten. Ist aber egal: Hauptsache, man selbst zieht einen Vorteil daraus. Von den Konsequenzen, die der eigene Konsum nach sich zieht, möchte niemand etwas wissen – also bitte gar nicht erst thematisieren.


Wie heißt es so schön: Du bist, was du (fr)isst

Mit der „Geiz ist geil“-Mentalität kann ich ebenso wenig anfangen wie mit der „Scheiß egal“-Haltung. Was ich aber überhaupt nicht nachvollziehen kann: Wenn es einen schon nicht interessiert, dass die Umwelt, die Tiere und die Mitmenschen für den eigenen Egoismus leiden müssen, warum ist einem dann nicht wenigstens die eigene Gesundheit wichtig? Kaum eine Nation (die es sich leisten kann) gibt so wenig Geld für Essen aus wie wir. 50 Cent für ein halbes Schwein? Geil, da kaufe ich gleich zwei! Doch wer Billigfleisch kauft, konsumiert zwangsläufig Antibiotika, Wachstumshormone, Medikamente – und vermeintlich auch jede Menge anderer Unappetitlichkeiten, wie Eiter, Entzündungshormone oder Fäkalien. Dasselbe gilt für Milchprodukte, Fisch und Eier – kurz: sämtliche tierische Produkte. Wie gesagt: Auf den ethischen Aspekt möchte ich hier gar nicht erst eingehen. Wer lieber den billigen Salat vom Discounter kauft, findet darin vielleicht keine Fliegen oder Blattläuse – was zugegebenermaßen ganz angenehm ist – dafür aber mit hoher Wahrscheinlichkeit eine großzügige Portion an Pestiziden. Da fische ich doch lieber Insekten aus den Blättern und investiere etwas mehr Zeit und Geld!

Die Liste lässt sich endlos fortführen, worauf es mir aber ankommt, ist folgendes: Unsere Gesundheit ist das Letzte, an dem wir sparen sollten! Ich glaube nicht, dass irgendjemand die Aussicht auf Diabetes, Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Krebs besonders erstrebenswert findet – und trotzdem (fr)essen sich unzählige Menschen krank. Das heißt nicht, dass man alles in Bio-Qualität kaufen muss – und auch ich muss darauf achten, was ich mir leisten kann und was nicht. Aber man kann doch wenigstens versuchen, bewusste und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Damit tut man eben nicht nur anderen, sondern vor allem auch sich selbst etwas Gutes.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

So langsam scheint sich das Bewusstsein aber zu ändern: Immer mehr Menschen achten auf eine gesunde Ernährung und einen vitalen Lifestyle, greifen zu hochwertigen Produkten, hinterfragen ihre Gewohnheiten und probieren Neues. Vegan? Vielleicht doch nicht so bescheuert – und schmecken tut es überraschenderweise auch. Statt Schnitzel kommt mittags vielleicht mal eine Poké Bowl auf den Tisch und statt Sahnejoghurt gibt es einen grünen Smoothie. Ja, ich bin tatsächlich zuversichtlich, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen. Das einzige Problem: Die Bereitschaft, für gute Qualität auch mehr Geld auszugeben, sehe ich noch nicht so ganz. Gesund essen wollen immer mehr Leute – besagten Slogan scheinen sie aber trotzdem noch nicht so ganz aus dem Kopf zu bekommen. Wenn meine Freunde Dinge wie „10 Euro für einen Salat? Wenn ich mir den selbst mache, ist der viel günstiger!“ sagen, kann ich nur mit dem Kopfschütteln. Denn natürlich wollen sie den Salat nicht auf der eigenen Couch, sondern im hippen Restaurant essen – und das berechnet natürlich nicht nur die Rohstoffe, sondern das Gesamtpaket: Miete, Service, Ambiente, Produkt. Ich würde mir wünschen, dass wir unser Essen alle mehr wertschätzen und uns vor allem verstärkt damit auseinandersetzen. Nicht einfach hineinschaufeln, um satt zu werden, sondern bewusst essen, was gut tut.

P.s. Mir ist bewusst, dass es manche Menschen gibt, die sich wirklich nicht viel leisten können – auf die bezieht sich meine Kolumne natürlich nicht. Hier geht es um diejenigen, die ihr Geld für jeden Schrott aus dem Fenster werfen, aber gleichzeitig zu geizig sind, etwas mehr für nachhaltige und gesunde Lebensmittel auszugeben. Geiz ist nämlich vieles – aber ganz sicher nicht geil.

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