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Trend-Talk: Was wird in der Männermode wichtig?

Modepilot-Logo Modepilot 13.02.2017 Isabelle Braun
pitti streetstyle männermode trend minimalismus © Bereitgestellt von Modepilot UG pitti streetstyle männermode trend minimalismus

Antonio Cristaudo ist dem geneigten Modepilot-Leser kein Unbekannter: Wir stellten das „Orakel der Männermode“ bereits in einem Interview vor. Damals prophezeite er z.B. den Siegeszug der Trekkingsandale. Kurz bevor ich ihn nun zum Interview auf der 91. Pitti Uomo treffe, der wichtigsten Männdermodemesse der Welt, lief ich noch entlang der Duomo durch Florenz und vorbei am Prada-Schaufenster. Darin trohnte: Eine Trekkingsandale für Männer.

Antonio Cristaudo ist seit über 20 Jahren Trendscout der Pitti Uomo. Das heißt er ist Kopf des Teams, das weltweit unterwegs ist, um innovative Brands zu finden, die dann als Aussteller in verschiedenen Oberthemen der Presse und zahlreichen Einkäufern präsentiert werden. Die Plätze sind begehrt: Einen Stand ergattern, weil man jemanden kennt, der jemanden kennt? Keine Chance. Alle müssen das offizielle Aufnahmeverfahren durchlaufen, ganz ohne Vitamin B.

Diese Saison waren rund 24.300 Einkäufer aus mehr als über hundert Ländern zu Gast. Herbert Hofmann, Head of Buying and Creative Director des Berliner Voo Stores, ist einer von fast 900 aus Deutschland. Sein Fazit: „Diese Messe entwickelt sich kontinuierlich neu. Wieder einmal war es eine ausgezeichnete Möglichkeit, neue Brands zu entdecken und die erste Orderrunde der Saison abzuschließen. Das Fundament zu diesem frischen Ansatz liegt in der Recherche.“

Antonio Cristaudo

Es gibt nicht mehr nur einen, sondern unzählige Trends. Aber es gibt große Überthemen, aus ihnen leitet sich alles ab: „Heritage“ ist wichtig: Also sehr traditionell, mit Wolle und Cord, aber mit Schnitten oder modernen Materialien kombiniert. Der andere ist Athleisure.

Sehr viele Marken und Designer sind sich darüber einig, dass es nun wichtig ist und ich muss ich zugeben, dass es auch einen sehr großen Markt dafür gibt. Ich persönlich mag diesen Trend nicht. Ich liebe Mode, aber das ist für mich keine Mode, sondern ein Stylingthema! Ich bevorzuge Menschen die eine Idee hinter ihrem Outfit haben. Bei Athleisure geht es darum, eben nicht darüber nachzudenken, was man trägt. Für mich ist Kleidung Ausdruck der Persönlichkeit und bei Athleisure ist das nicht der Fall: Es ist sie Annulierung der Persönlichkeit.

Athleisure ist momentan sehr basic, sehr amerikanische. Nächstes Jahr kann sich das ändern, vielleicht gibt es eine Evolution, ähnlich wie bei Jeans. Mit hochwertigen Materialen und guten Trageeigenschaften kombiniert. Sneaker und Sweatshirts, ja das ist sehr angenehm im Flugzeug. Aber sonst sollte man sich etwas anspruchsvoller kleiden.

Ich liebe es! Hinter Vetements steht eine Idee (Welche genau, dass erklären wir hier) und deswegen wird der Look auch so stark kopiert. Das ist etwas ganz anderes mit dem Volumen und den neuen Dimensionen.

Neben „Unconventional“ ist das „Futuro maschile“: Klassische Herrenmode, modern umgesetzt.

Eine Auswahl der Labels des Bereichs „Futuro maschile“

Absolut. Vor zwei oder drei Jahren, da haben sich nur wenige Labels ausgewählt damit beschäftigt und der Markt war ganz klein. Das ist nun anders: Unisex-Kollektionen sind der Zeitgeist und darum zeigen manche Marken jetzt auch Frauen und Männer zusammen.

Es gibt natürlich Unterschiede und nicht nur sportliche Modelle, sondern auch sehr luxuriöse Marken widmen sich dem Thema.

Der Mantel. Den trägt man nicht mehr klassisch schmal, sondern schön voluminös und sehr lang.

Das gilt nur für die Modecommunity, also Designer, Shopbesitzer und Modeverrückte, etc., die sehr aktiv sind. Innerhalb dieser Gruppe sieht man sehr expressive Mode. Aber außerhalb dieses Kreises, sind die Leute doch eher durchschnittlich gekleidet. Sehen Sie: In Korea ist Mode z.B. Ausdruck der Persönlichkeit. Aber in einer durchschnittlichen Großstadt in Europa interessieren sich die meisten Leute nicht besonders für „Fashion“.

Exakt.

Nein. Zumindest nicht mehr. In den letzten Jahren hat sich das sehr verändert: Vorher war dieser Stil ein selbstverständliches und notwendiges Instrument, um sich auszudrücken. Wer da jetzt noch an der Mauer steht und sich besonders außergewöhnlich anzieht, das sind die Spatzünder und Mitläufer.

pitti uomo mauer © Bereitgestellt von Modepilot UG pitti uomo mauer

So mancher Gast sitzt eine halbe Ewigkeit auf der berühmten Mauer. Irgendjemand wird irgendwann schon ein Foto machen.

Jetzt geht es wieder um das „Weniger ist Mehr“. Ich zeige Ihnen was ich meine:

Er zeigt mir ein Instagram-Foto von The Sartorialist und liest die Bildunterschrift vor.

Der neue Look ist sehr klassisch und minimalistisch. Die neuen „Peacocks“ im Sinne von „modisch wegweisend“ sind zurückgenommen. Es geht um Details. Man muss genauer hinsehen.

streets style pitti man sophisticated bag pack rucksack © Bereitgestellt von Modepilot UG streets style pitti man sophisticated bag pack rucksack

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