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Große Diskussion um Osterurlaub 2021 trotz Corona

TRAVELBOOK-Logo TRAVELBOOK vor 3 Tagen Anna Wengel

Viele von uns träumen bereits von der nächsten Reise und manch einer hofft sogar auf Urlaub im April, zu Ostern. Doch wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass wir dann am Strand spazieren gehen und etwas anderes als die immer gleichen vier Wände angucken können? Und selbst wenn es möglich ist zu reisen, können wir das guten Gewissens tun? Die Diskussion darüber findet nicht nur im Privaten, sondern auch auf Politik- und Branchenebene statt. TRAVELBOOK hat mit Experten vom Deutschen Tourismusverband und der Verbraucherzentrale sowie einem Virologen gesprochen.

Osterurlaub, Usedom, Strandkorb © Getty Images Osterurlaub, Usedom, Strandkorb

Ostersonntag fällt in diesem Jahr auf den 4. April, vier Wochen nach Ende des Lockdowns am 7. März 2021 – zumindest nach aktuellem Stand. Und die Sehnsucht nach Osterurlaub und woanders als zu Hause sein ist groß. Ob Reisen eine gute Idee ist, ist eine andere Frage. Generell ist es möglich, gleichzeitig ruft die Bundesregierung alle Bürgerinnen und Bürger auf, „auf Reisen im In- und ins Ausland möglichst zu verzichten“. Die Coronalage ist längst nicht unter Kontrolle.

Buchholz: Hoffnung auf Osterurlaub noch nicht aufgeben

Bei der Frage, ob Urlaub schon zu Ostern möglich ist, scheiden sich die Geister. Schleswig-Holsteins Tourismusminister Bernd Buchholz gehört in der Debatte zu denen, die positiv und hoffnungsvoll nach vorne blicken. Buchholz sagte kürzlich in einem Interview mit dem „Spiegel“: „Ich habe die Hoffnung auf einen Ostertourismus noch nicht aufgegeben.“ Wie Osterurlaub aussehen kann, grenzte der Minister wie folgt ein: „Natürlich werden wir nicht schunkelnd und johlend in irgendwelchen Lokalen sitzen. Was ich für möglich halte: Dass man seine eigenen vier Wände verlässt und ein paar Tage in einem Hotel an der Ost- oder Nordsee verbringt, unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln – und natürlich mit einem ordentlichen Strandspaziergang.“

Zur Sicherheit bei solchen Kurzurlauben sollen laut Buchholz Schnelltests eingesetzt und die Kontakt-Nachverfolgung mittels App optimiert werden. Eine App soll auch über freie Strandabschnitte informieren, um Überfüllung zu verhindern. Damit Öffnungen möglich werden können, muss die Corona-Inzidenz stabil unter 35 liegen. Buchholz hält das für möglich, weist aber auch darauf hin, dass Hotels und Ferienwohnungen den Betrieb für touristische Zwecke wieder aufnehmen dürfen, „wenn der Inzidenzwert 21 Tage lang stabil unter 50 liegt.“ Gleichzeitig macht der Minister deutlich: „Die Infektionszahlen müssten jetzt aber noch einmal deutlich nach unten gehen und sich stabilisieren, damit wir die Öffnung hinbekommen. Sicher ist das nicht.“ Die Voraussetzung für Öffnungen und damit für Osterurlaub ist für Buchholz klar: „Tourismus wird möglich, wenn es so weitergeht wie in den vergangenen Wochen. Und wenn man sich diszipliniert verhält.“

Kretschmer: »Kein Osterurlaub 2021

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte kürzlich klare, vernichtende Worte für das Dilemma gefunden: „Osterurlaub in Deutschland kann es dieses Jahr leider nicht geben“, sagte er der BILD am SONNTAG. Kretschmar glaubt, dass verfrühte Lockerungen bei der Mobilität die Erfolge, die der aktuelle Lockdown gebracht habe, zunichte machen würde. Der CDU-Politiker weiter: „Kleinste Veränderungen im Verhalten der Bevölkerung, beispielsweise eine höhere Mobilität und mehr Kontakte, führen sofort zu höheren Infektionszahlen.“ Er ist überzeugt: „Die Folge wäre ein harter Lockdown wie im Frühjahr. Das müssen wir unbedingt vermeiden.“

Auch SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sieht es ähnlich, formuliert es aber anders: „Ich gehe nicht davon aus, dass wir in diesem Jahr Osterurlaub machen können“, sagte der Politiker der WELT. Er appelliert, dass wir die Osterwochen nutzen, um mit möglichst geringen Kontakten die noch immer drohende dritte Welle mit den gefährlichen Mutationen abzuwenden. Lauterbach sagte weiter: „Ich wäre schon froh, wenn wir es ohne dritte Welle bis Ostern überhaupt schaffen.“ Sollte diese Hoffnung Realität werden, dürfte dieser Erfolg nicht im Urlaub wieder zerstört werden.

Diskussion um Urlaub zu Ostern

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller will davon hingegen noch nichts wissen. Müller äußerte sich in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ zu Kretschmers Aussage über das Nicht-Stattfinden des Osterurlaubs 2021: „Das teile ich so pauschal nicht. Und ich glaube, es ist auch verfrüht, das so festzulegen.“ In den letzten sechs, sieben Wochen sei es möglich gewesen, um 100 Punkte runterzukommen, erklärte Müller im ZDF. „Warum soll es uns nicht jetzt gelingen, in den nächsten sechs, sieben Wochen bis Ostern noch einmal 30 Punkte runterzukommen?“ Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am vergangenen Mittwoch (10. Februar 2021) Lockerungen ab einer Inzidenz von 35 angekündigt. Wie genau die hinsichtlich eventuellem Osterurlaub aussehen, steht noch nicht fest.

Die unsichere Perspektive ist besonders für Branchenmitglieder schwer zu begreifen. So wandte sich etwa der Deutsche Ferienhausverband kürzlich in einem Offenen Brief an die zuständigen Bundes- und Landesminister. Darin fordert er unter anderem, dass nicht alle Beherbergungsformen gleichgesetzt werden. Laut dem Verbandsvorsitzenden Göran Holst seien Urlaube in Ferienwohnungen dank erarbeiteter Hygienekonzepte sicher machbar: „Kontaktlose Schlüsselübergabe und Zahlung, dazu eine völlig autarke Versorgung und Anreise mit dem PKW machen Ferienwohnungen zu einer sicheren Urlaubsform, die auch während einer Pandemie Erholung erlaubt.“ Holst sieht den Gleichheitsgrundsatz gemäß Artikel 3 des Grundgesetzes „verletzt, wenn Ferienwohnungen gemeinsam mit nicht-autarken Unterkunftsformen in der Öffnungsdebatte hintangestellt werden“. Er fordert eine sachliche Bewertung nach objektiven Kriterien. Der Verband ist überzeugt, dass „nichts gegen eine frühzeitigere Öffnung von Ferienwohnungen“ spreche – und damit zumindest nichts gegen diese Form von Osterurlaub 2021.

Wie groß sind die Chancen auf Osterurlaub?

TRAVELBOOK hatte im Vorhinein verschiedene Branchen-Experten sowie einen Virologen zum Osterurlaub 2021 befragt. Darunter Kerstin Heinen vom Deutschen Reiseverband (DRV). Die DRV-Sprecherin zeigte sich im Interview mit TRAVELBOOK optimistisch: „Grundsätzlich wird Urlaub in Teilen zu Ostern möglich sein.“ Die Frage sei, was schon gehe und was nicht. Sie ergänzt: „Irgendwas wird gehen, ob es all das ist, was wir uns wünschen, ist derzeit noch fraglich und hängt natürlich von der Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland aber auch in den Urlaubsländern ab.“ Heinen rechnet damit, dass sich die Reisesituation 2021 ähnlich wie im vergangenen Jahr entwickle: Zuerst Deutschland, dann „erdgebunden”, also Italien, Österreich, Polen und andere per Auto gut erreichbare Länder und erst dann „das beliebte Mittelmeer“.

Ähnlich sieht es Rechtsreferent Robert Bartel von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Er sagte zu TRAVELBOOK: „Aktuell sind die Chancen für einen Osterurlaub schwer einzuschätzen. Wenn es im April Reisen geben wird, dann eher in Deutschland und Europa, noch nicht außerhalb der EU.“


Video: Waldarbeiten bei Auerbach (glomex)

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Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, zeigte sich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters etwas zurückhaltender, was die Osterurlaubssituation angeht. Bareiß sagte, zwar seien Reisen im Moment noch schwer vorstellbar, doch das werde sich ändern – mit zunehmenden Impfungen und besserem Wetter. Ostern sei noch schwer einschätzbar und werde für die Tourismusbranche vermutlich noch schwach ausfallen. „Ich glaube aber, dass eher über Pfingsten mehr Offenheit besteht“, sagte Bareiß. Auch er vermutet, dass Reisen zunächst in Deutschland und Europa wieder möglich werden und erst später im fernen Ausland.

Wohin können die Deutschen zu Ostern fahren?

Ob und wohin Reisen möglich sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab, besonders aber den Reiseregeln Deutschlands, den Einreiseregelungen der Urlaubsländer und der Situation vor Ort. Bartel empfiehlt: „Am besten bleibt man bei seinem bevorzugten Land auf dem neusten Stand und schaut, was dort aktuell geplant wird.“

Wichtig werden hier besonders die Einreiseerlaubnis für Touristen und die entsprechenden Voraussetzungen wie Quarantäne, Testpflicht oder Impfnachweis. Wichtig für die Planung ist auch zu wissen, was passiert, wenn man wieder zurück nach Deutschland kommt. Aktuell gilt für Reiserückkehrer aus Risikogebieten eine Quarantänepflicht von zehn Tagen, aus der man sich unter Umständen nach fünf Tagen „freitesten“ lassen kann, Näheres regeln die Bundesländer (hier die Übersicht). Reiserückkehrer müssen sich außerdem digital anmelden und sich auf Corona testen lassen. Für Hochinzidenz- und Virusvariantengebiete gelten mitunter striktere Regeln (TRAVELBOOK berichtete). Aktuell gelten nur wenige Gebiete weltweit als Nicht-Coronagebiete. Das Robert-Koch-Institut aktualisiert die geltende Liste der Risikogebiete regelmäßig.

Davon ausgehend, welche Länder aktuell keine Risiko-, Hochinzidenz- oder Virusvariantengebiete sind und Reiserückkehrer damit quarantänefrei bleiben, ist die Liste kurz. Aktuell sind das knapp 40 Länder oder Regionen weltweit. Viele von ihnen lassen jedoch wegen der hohen Coronazahlen hierzulande keine Deutschen ins Land oder schicken sie nach der Einreise in Quarantäne. Nicht als Risikogebiete gelten zur Zeit (Stand: 8. Februar 2021) in Europa etwa die Faröer-Inseln, Island, Landesteile Norwegens, Finnlands und einige griechische Inseln. Von diesen fünf lassen aktuell nur Island und Griechenland überhaupt Deutsche rein, die müssen vor Ort aber nach der Einreise in Quarantäne. So richtig Urlaubsstimmung kommt da dann vielleicht auch nicht auf.

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Osterreisen der Deutschen – Nachfrage gering

Laut Heinen ist die Lust zum Reisen da, die Nachfrage sei aber aktuell noch zurückhaltend, die Menschen seien vorsichtig. „Wir rechnen damit, dass sich die Urlaubswilligen kurzfristig entscheiden und buchen“, sagt die DRV-Sprecherin. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet der Verband gerade einmal 15 bis 20 Prozent der Buchungen für Osterurlaub 2021. Einen Trend, wohin die Deutschen Ostern reisen wollen, sieht sie aktuell nicht. Gebucht werde zur Zeit eher für die zweite Jahreshälfte.

Bartel sieht vor allem Deutschland im Fokus der Osterreisenden. Hierzulande sind zur Zeit (noch) keine Urlaubsreisen möglich, sind Hotels & Co. geschlossen. Wie die Lage an Ostern aussehen wird, ist zu diesem Zeitpunkt nicht abzusehen und liegt vor allem daran, wie sich die Corona-Fallzahlen weiterhin entwickeln.

Auch interessant: Ostern, Sommer, Herbst – wo die Deutschen 2021 Urlaub machen wollen

Welchen Einfluss haben die Corona-Impfungen?

Ein paar Länder – aktuell Island, Polen, Moldau und die Seychellen (Stand: 25. Januar 2021) – wagen des Vorstoß in Sachen Reisefreiheit, indem sie alle diejenigen quarantänefrei einreisen lassen, die bereits vollständige Corona-Impfungen vorweisen können. Laut Bartel werden die Impfungen für den Osterurlaub 2021 jedoch „noch keinen großen Einfluss auf die Reisemöglichkeiten haben, weil bis dahin noch nicht so viele Deutsche geimpft sein werden.“

Auch interessant: Die Liste der Länder, die Urlauber mit Corona-Impfung einreisen lassen

Sollten Reisen jetzt schon gebucht werden?

Wer zu Ostern verreisen wolle, könne jetzt buchen, rät DRV-Sprecherin Heinen. Die Experten sind sich einig, dass Reisende bei der Buchung auf größtmögliche Sicherheit achten sollten. Bartel empfiehlt: „Reisende sollten darauf achten, dass sie kostengünstig umbuchen und stornieren können. Dazu sollten sie auch versuchen, mit den Betreibern von Ferienwohnungen oder Hotels zu sprechen und entsprechende Vereinbarungen zu treffen.“

Heinen setzt auf Pauschalreisen und Beratungen im Reisebüro. Hier werde den Kunden die größte Sicherheit geboten, wenn etwas Unvorhergesehenes passiere. „Ob man nun zu Ostern reist, muss aber jeder für sich entscheiden. Das hängt auch von den persönlichen Umständen ab“, sagt sie.

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Reisen oder warten?

Und nun die Gretchenfrage: Ist es okay, wenn ich zu Ostern verreise? Denn auch wenn es möglich ist, ist die Corona-Situation wie sie ist. Wenn sie sich auch in Deutschland aktuell verbessert, sehen wir an anderen Ländern, wie schnell aus einer vorbildlichen eine Horror-Situation werden kann. Aktuelles Beispiel: Portugal. Bartel sagte im Interview: „Wir sollten nicht vergessen, dass wir angehalten sind, nicht zu reisen. Denn es ist auch eine Frage, welche Folgen das Reisen zu Ostern haben wird.“

TRAVELBOOK hat dazu mit dem Virologen Prof. Dr. Jassoy vom Universitätsklinikum Leipzig gesprochen, der sagt: „Die sichere Zeit wird an Ostern noch nicht gekommen sein und man sollte da mit dem Reisen noch vorsichtig sein. Ich denke, es wäre wirklich gut, sich da jetzt noch zurückzuhalten.“ Jassoy rät allen, die ihren Urlaub auf Ende April oder Mai verschieben können, das zu tun. Ohnehin müsse man sehen, was zu diesem Zeitpunkt bereits möglich sei. Generell hält der Virologe Reisen mit den dann geltenden Hygienekonzepten für möglich.

Mit Material von Reuters

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