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Warum Zittau einst vier Stadtviertel hatte

SZ - Sächsische Zeitung-Logo SZ - Sächsische Zeitung 22.09.2022
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Warum Zittau einst vier Stadtviertel hatte

Als der Zittauer Chronist Christian Adolph Pescheck 1834 in seinem „Handbuch der Geschichte von Zittau“ die Grenzen der Stadtviertel beschrieb, war deren Bedeutung vermutlich schon wesentlich abgeklungen. Die Einteilung der Stadt in vier Viertel war wohl bereits im Mittelalter erfolgt - in erster Linie aus Sicherheitsgründen. Die Einwohnerschaft wurde dadurch in organisatorisch besser zu handhabende kleinere Einheiten unterteilt. Das war wichtig für die Organisation der Stadtverteidigung, aber auch die öffentliche Sicherheit, zum Beispiel den Brandschutz.

Allerdings waren Aufmerksamkeit und Wertschätzung der Stadtverwaltung und der Öffentlichkeit gegenüber den Bewohnern der einzelnen Viertel unterschiedlich. Während das Bautzener oder früher das Budissiner Viertel eher das Wohngebiet der Eliten war, lebten im hochwassergefährdeten Böhmischen Viertel vor allem die „kleinen Leute“. Erstaunlicherweise gehörte das Rathaus ausgerechnet zu diesem Viertel.

Die naheliegende Idee, dass jedes Viertel mittig ein gleichnamiges Tor hat, passt in Zittau erstaunlicherweise nur beim Bautzener Viertel und dem Frauenviertel. Beim Böhmischen Viertel könnte das Tor allerdings mit einer unter Historikern immer wieder kursierenden Theorie hineininterpretiert werden. Die besagt nämlich, dass die Wasserpforte am Ende der Böhmischen Straße in den Ursprüngen der Stadt vielleicht den Rang eines Stadttores hatte.

Jedenfalls ist die Böhmische Straße heute die einzige der Stadt, die nicht zum gleichnamigen früheren Tor führt. Aber sie kann als Achse des Böhmischen Viertels interpretiert werden. Die (Innere) Weberstraße ist dagegen nur die Randbegrenzung. Unabhängig von diesen Ungereimtheiten scheint die „Vierteilung“ der Stadt dennoch recht gleichwertig erfolgt zu sein, jedenfalls von der Größe her.

Nur ist die Aufteilung nicht so symmetrisch wie bei einer Torte. Drei der Viertelgrenzen trafen sich auf dem Markt und ebenfalls drei auf dem Topfmarkt (heute Teil des Klosterplatzes). Wobei das ohnehin keine Grenzen waren.

Heute spielen die Stadtviertel höchstens bei Stadtführungen noch eine Rolle. Oder manchmal doch noch im persönlichen Sprachgebrauch?

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