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Können Haare Sonnenbrand bekommen?

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL vor 3 Tagen Katherine Rydlink

Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor sind im Trend – schließlich will niemand Falten oder Hautkrebs riskieren. Aber kann UV-Strahlung auch gefährlich für die Haare werden?

© Thomas Tolstrup / Getty Images

Das Mindset beim Thema Sonnenbaden scheint sich endlich zu ändern: Heute gilt es als erstrebenswert, die Haut bestmöglich vor zerstörerischer Sonneneinstrahlung zu schützen. Schließlich, das war schon früher bekannt, schadet UV-Strahlung der Haut, macht Falten und fördert das Hautkrebsrisiko. Wer Wert auf anhaltende Schönheit und Gesundheit legt, der sollte, da sind sich Influencerinnen und Influencer einig, einen Sonnenbrand tunlichst vermeiden. Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor sind zum unverzichtbaren Kosmetik-Accessoire aufgestiegen.

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Doch ein Bereich wird beim Eincremen häufig vergessen: Es ist der Kopf (vom allerwichtigsten, weil faltenanfälligsten Bereich – dem Gesicht – mal abgesehen). Die Haare hingegen sind meist völlig ungeschützt der UV-Strahlung ausgesetzt. Können sie auch eine Art Sonnenbrand bekommen? Die Antwort ist nicht ganz einfach.

Kopfhaut-Sonnenbrand: Äußerst unangenehm

Ein Sonnenbrand entsteht, wenn die Haut zu lange ultraviolettem Licht ausgesetzt ist und dabei regelrecht verbrennt. Die Folgen sind rote und schmerzhafte Hautpartien, in schweren Fällen sogar Schwellungen und Blasen, die sich einige Tage später häufig schälen. Wie schnell man einen Sonnenbrand bekommt, hängt vom Hauttyp ab. Auch die Kopfhaut kann verbrennen. Menschen, die schütteres Haar haben oder einen Scheitel tragen, sind besonders gefährdet. Die verbrannte Kopfhaut tut nicht nur beim Kämmen weh, die sich später pellende Haut juckt und häufig hängen sich Schuppen in die Haare.

Aber auch die Haare selbst leiden unter zu viel Sonne. Genauer gesagt, erklärt Birgit Huber vom Industrieverband Körperpflege und Waschmittel (IKW) der Deutschen Presseagentur, bleiche deren UV-Strahlung das Haar aus und entziehe ihm den natürlichen und den künstlichen Farbton. »Die Strapazen typischer Sommeraktivitäten machen das Haar trockener und spröder, die Enden erscheinen oft strohig. Das liegt auch daran, dass die Schuppenschicht des einzelnen Haares aufgeraut ist«, sagt sie.

Ein Haar besteht aus drei Schichten:


Video: Sonnencreme für das Gesicht im Test: Die besten Produkte (gofeminin)

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  1. Die Schuppenschicht umkleidet das Haar und schützt es vor äußeren Einflüssen. Die Schuppen liegen bei einem gesunden Haar dabei flach wie Dachziegel übereinander und reflektieren das Licht, wodurch ein seidiger Glanz entsteht.

  2. Sie schützen die darunter liegenden Keratinfasern, in denen auch die Farbpigmente des Haars liegen.

  3. Unter diesem Faserbündel liegt das Mark, Medulla genannt.

Die Sonneneinstrahlung zerstört nun die Proteine und Lipide der Schuppenschicht und danach die Farbpigmente in den Keratinfasern. Je heller die Haare sind, umso schneller werden sie geschädigt. Blonde und rote Haare werden dann noch heller, braune und schwarze Haare zwar auch, aber die Veränderung ist nicht so stark. Das liegt an der grundsätzlich höheren Pigmentkonzentration, aber auch an dem Pigment Eumelanin, das dunkles Haar enthält. Das macht es »wesentlich widerstandsfähiger« gegenüber dem Ausbleichen, so Huber. »Das Farbpigment Phäomelanin in hellen und roten Haaren wird hingegen schneller zerstört.«

Doch nicht nur die Sonne, auch Salz- und Chlorwasser sowie Schweiß schaden dem Haar und können die Schuppenschicht angreifen. Liegen die Schuppen nicht mehr flach an, wirkt das Haar stumpf und strohig, es glänzt nicht mehr und lässt sich schwer kämmen.

Haare, die ähnlich wie Fuß- oder Fingernägel aus abgestorbenen Zellen bestehen, können sich nicht selbst regenerieren. Je nach Haartyp und Problem brauchen sie daher eine spezielle Pflege.

Wie Sie Ihr Haar gegen Sonne schützen

Ähnlich wie die Haut vor Sonnenbrand kann man das Haar vor äußerer Zerstörung schützen. Ganz einfach, mit einem Hut oder einer Mütze auf dem Kopf – und das hilft auch am ehesten gegen Sonnenbrand der Kopfhaut. Da lange Haare eher gefährdet sind als kurze, hat Birgit Huber noch einen Tipp: »Damit langes Haar nicht zu sehr der Sonne ausgesetzt ist, die Haare zu einem Zopf flechten oder zu einem Dutt drehen. Dann hat die Sonne noch weniger Chancen.«

Zudem gebe es Haarpflege, die das Ausbleichen eher vermeidet: »Farbschutzshampoos, Conditioner oder Styling-Produkte wie Sprays gibt es auch mit UV-Filtern«, sagt Huber. »Und wenn das Haar trotzdem etwas spröde ist, pflegen Masken und Kuren mit speziellen feuchtigkeitsspendenden Wirkstoffen die angegriffene Haarstruktur und schützen das Haar vor Austrocknung.«

Wie gut die UV-Haarprodukte tatsächlich schützen, ist allerdings umstritten. Die Stiftung Warentest testete vor drei Jahren 17 Farbschutzshampoos und kam zu dem ernüchternden Fazit: Shampoos mit UV-Filtern helfen nicht. Der Experte Thomas Koppmann erklärte im Gespräch mit dem SPIEGEL, dass die eingesetzten UV-Filter bei der Haarwäsche teilweise gleich wieder ausgewaschen würden. Außerdem seien die Konzentrationen oft zu gering, um überhaupt wirken zu können.

Geschädigte Haare hin oder her: Wer auf den Surfer-Look mit blond gesträhnten Wuschelhaaren gar nicht verzichten will, für den gibt es eine gute Nachricht: Sonnengeschädigtes Haar ist anders als sonnengeschädigte Haut nicht gesundheitsschädlich. Die Haare erleiden im Gegensatz zur Haut keinen chronischen Schaden, sondern wachsen gesund wieder nach.

Nur die möglicherweise dauerhaft geschädigten Spitzen müssen in der Regel nach dem Urlaub abgeschnitten werden.

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