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EQV mit Campingausstattung - Mercedes-Benz EQV eCamper Sortimo-Ausbau (2022)

Promobil-Logo Promobil 27.08.2022 Sophia Pfisterer, Michael von Maydell, Jürgen Bartosch
Den Sortimo-Ausbau für den Mercedes-Benz EQV gibt es auf der Messe zu sehen. © Sophia Pfisterer Den Sortimo-Ausbau für den Mercedes-Benz EQV gibt es auf der Messe zu sehen.

Marco Polo heißt der Campervan von Mercedes-Benz. Jetzt gibt es auch eine Campingversion für den EQV: Mit einem Ausbau von Sortimo wird der batteriebetriebene Van zu einem E-Camper. Das modulare System von Sortimo kommt auf Wunsch mit Aufstelldach und einer Multifunktionsbox, die Schlaf- und Küchenmöbel vereint. Wir konnten den EQV schon testen, weiter unten gibt es die Details.

Elektromobilität und Reisemobile – diese zwei Trends will sich Mercedes-Benz auf die Fahne schreiben und anscheinend Marktführer werden. Um diese Absicht zu verdeutlichen, gibt es den Transporter EQV, der erstmals 2019 Premiere feierte, künftig als Elektro-Camper bei allen Mercedes-Pkw-Vertragshändlern zu bestellen.

Die Kooperation mit dem Campingmöbel-Hersteller Sortimo bringt außerdem noch einen Micro-Camper auf Basis der T-Klasse hervor, den wir hier gezeigt haben. Live zu sehen gibt's EQV-Camper und den T-Klasse-Ausbau erstmals auf dem Caravan Salon Düsseldorf.

Sortimo-Campingausbau

Die Campingausstattung kommt von Sortimo Walter Rüegg AG aus der Schweiz. Mit den Modulmöbeln der Firma wurde bereits der Mercedes Citan als Minicamper präsentiert. Für den EQV hat Sortimo ein Aufstelldach mit Dachbett im Angebot. Mit den zwei Schlafplätzen hier und der bereits ab Mercedes-Werk optional verfügbaren Dreier-Sitzliegebank kann der Van schon als Schlafgelegenheit für bis zu vier Personen dienen.

Wer es noch komfortabler mag, kann von Sortimo eine Kücheneinheit mit Schubladensystem einbauen. Darin enthalten sind neben genügend Stauraum für Küchenutensilien eine Spülmöglichkeit, zwei Gaskochstellen und eine Kühlbox.

Das Sortimo-Küchensystem ist direkt mit einem Schlafsystem verbunden, sodass die Mercedes-Schlafsitzbank obsolet wird. Die Sitze darunter sind im zusammengefalteten Zustand wie gewohnt nutzbar. Mit ein paar Handgriffen klappt man die Sitze über Nacht um und zieht die Matratzen darüber aus, um ein Bett für zwei zu bauen. Ist man als Paar unterwegs und kann auf Aufstelldach-Stehhöhe verzichten, könnte daher schon dieses System für die Nutzung des EQV als Campingbus ausreichen.

Die Campingmodule sind alle in Leichtbauweise gefertigt, um unnötige Kilos zu einzusparen. Ergänzt wird das Campingsystem mit verdunkelten Scheiben im Fond, drehbaren Pilotensitzen, Innenraumbeleuchtung und USB-Buchsen. Zwei Solarpanels mit zusammen 400 Watt Leistung hat Sortimo ebenfalls noch im Angebot. So kann man unterwegs via Sonnenenergie sowohl Starterbatterie als auch Bordbatterie laden.

Wie viel Reichweite hat der EQV?

Die erste Frage, die sich sicher alle Camperinnen und Camper stellen, wenn es um elektrische Campingfahrzeuge geht, ist: Wie weit komme ich damit? Reicht die Batterie nur für einen Trip zu einem Naherholungsziel oder komme ich richtig weit?

Den EQV gibt es mit zwei Batterie-Versionen:

  • Der EQV 300 hat eine 90-kWh-Batterie. Seine Reichweite nach dem WLTP-Verfahren beträgt 326-363 Kilometer.
  • Der EQV 250 hat eine 60-kWh-Batterie. Seine Reichweite nach dem WLTP-Verfahren beträgt 213-236 Kilometer.

An der Schnelllade-Säule kann man den EQV 300 laut Mercedes in 45 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufladen. Den ausführlichen Fahrbericht finden Sie weiter unten.

Serienmäßig hat der Elektro-Van als zentrale Steuereinheit das Infotainment-System MBUX an Bord. Darüber lässt sich das Fahrzeug einerseits navigieren und andererseits kann man so mit Cloud-basierten Diensten und Apps die Reichweite managen. Das Fahrzeug denkt also mit und errechnet, wann und wo es geladen werden muss, um die geplante Strecke zu fahren.

Beide EQV-Versionen sind mit zwei Längen verfügbar: Die kürzere misst 5,14 Meter lang, die längere 5,37 Meter.

Preis für den EQV als Campervan

Den EQV-Van und die Campingausstattung von Sortimo werden getrennt voneinander bestellt und bezahlt. Dieses sogenannte Zweirechnungsgeschäft bedeutet, dass jeder Hersteller für den jeweils gelieferten Teil die Garantie übernimmt.

Den EQV kann man ab 56.990 Euro in Deutschland bestellen. Dieser Preis ist noch ohne Mehrwertsteuer, die obendrauf kommt. Abziehen kann man allerdings aktuell recht hohe staatliche Vergünstigungen, die derzeit bis Ende 2022 gelten sollen. Bei Fahrzeugen ab 40.000 Euro liegt die Förderung aktuell bei 7.500 Euro.

Die Campingmodule von Sortimo sind aktuell nur in der Schweiz bestellbar. Auch hier verstehen sich alle Preise exklusive Mehrwertsteuer: Das Küchensystem allein kostet ab 3.585 CHF (ca. 3.458 Euro), die Multifunktionsbox mit Küchen- und Schlafsystem 4.787 CHF (ca. 4.620 Euro). Der Preis für das Aufstelldach liegt bei 9.980 (ca. 9.632 Euro). Mehr zum EQV-Camper werden wir Ende August 2022 auf dem Caravan Salon erfahren.

Für den maximal ausgestatteten Campingbus in kleinster Version muss man derzeit also ohne Mehrwertsteuer und ohne Förderung etwa 71.242 Euro berappen.

Erster Test: Mercedes-Benz EQV

V-Klasse-KennerInnen fühlen sich im EQV schnell heimisch, sogar die Tankklappe sitzt an bekannter Stelle unten an der B-Säule. Allerdings findet sich dahinter weder Diesel- und Adblue-Stutzen noch der Elektroanschluss – sondern einfach nur Blech. Strom wird hinter einer neuen Klappe links vorn im Stoßfänger nachgetankt.

Daran kann man sich gewöhnen, zumal auch im Interieur die wohlvertrauten V-Klasse-Bedienelemente auf PilotInnen warten. Per Zündschlüssel wird das Aggregat aktiviert. Den bekannten Lenkstockhebel auf "D" stellen, und ab geht’s. Allerdings nicht mit vehementem Schub, sondern eher sanftmütig, jedoch angemessen zügig. Mercedes belässt es bei einem 150 kW (204 PS) starken Elektromotor über der Vorderachse, der 362 Nm bereithält.

In den reichweitenoptimierten Fahrprogrammen E und E+ beträgt die Leistung gar nur 100 beziehungsweise 80 kW. Der neue Elektrobus zieht seinen Strom aus einem unterflur montierten 100-kWh-Batterieblock (90 kWh nutzbar), der rund 700 Kilogramm wiegt. Entsprechend hoch das Leergewicht: 2.887 Kilo. Ein V 300 d brachte es bei einem früheren Test auf 2,4 Tonnen.

Wie sieht es mit der Leistung aus?

Dass sich so ein Mercedes-Benz EQV für den Sprint auf Tempo 100 darum 11,3 Sekunden Zeit lässt und ab Richtgeschwindigkeit noch zahmer Fahrt aufnimmt, ist nachvollziehbar. Zumal bei 140 elektronisch abgeregelt wird, wenn man nicht für 183 Euro die Freischaltung auf 160 km/h geordert hat. Angesichts von 3,25 Quadratmetern Stirnfläche sollte man bei derartigen Tempi den kompetenten Ladesäulensucher im Navi gut im Blick haben, denn das drückt die knappe Reichweite massiv.

Unsere Messungen ergeben einen Testverbrauch von 31 kWh pro 100 km, und selbst bei sehr behutsamer Fahrt fordert der E-Bus noch 25 kWh pro 100 km. Entsprechend liegt die realistische Reichweite zwischen 306 und 380 Kilometern.

Gut oder schlecht? Es gibt (noch) keine vergleichbaren Fahrzeuge in diesem Format. In jedem Fall sind es 300 höchst entspannte Kilometer. Zu hören sind nur Wind und Räder, aber kein brummiger Diesel oder knarziges Mobiliar. Dazu kommen das umfangreiche Arsenal an Assistenzsystemen, breite sowie gemütliche Ledersitze und eine optionale Luftfederung (2.303 Euro), die nicht zu starke Aufbaubewegungen zulässt und kaum eine Querfuge weitergibt. Bei schroffem Untergrund kann sie die ganze Fuhre auch noch um 35 Millimeter liften. Viel bequemer kann man in einem Elektrobus dieses Formats wirklich nicht reisen.

Bremsweg wenig überzeugend

Längst nicht so geschmeidig fühlt sich die Bremse bei starkem Gefälle an. Der lange Pedalweg, ein undefinierter Druckpunkt und die maue Verzögerungsleistung fordern schon einen engagierten Piloten oder eine engagierte Pilotin, die kräftig aufs Pedal drücken. Dieser Eindruck bestätigt sich auf der Teststrecke, denn die Verzögerungswerte sind wenig befriedigend: zehn Messungen aus 100 km/h und immer Werte über 40 Meter – trotz einer soliden Bereifung mit 18 Zoll großen Contis (Premium Contact 6). Der erwähnte V 300 d-Testwagen stoppte im Schnitt nach 37,5 Metern.

Batterien laden: So einfach kann es gehen

Zurück zu den Vorzügen, und neben dem Cruiser-Feeling zählt dazu auch das Warten an der Ladesäule – im Ernst. Denn hier profitiert der EQV von seiner flexiblen Einrichtung mit vielen Varianten. Warum nicht einfach den Fahrersitz drehen, Tisch und Laptop aufklappen und solange ein paar E-Mails beantworten? Oder mit den Kindern lesen und schlummern? Ein Liegepaket mit Bettverlängerung und dunkler Verglasung kostet 1.083 Euro extra. Noch mehr Möglichkeiten bietet eine Campingausstattung (siehe oben).

So lässt sich das Stromtanken entspannt überbrücken. Allzu viel Zeit bleibt dafür aber gar nicht, weil das Laden dank der inzwischen üblichen Ladeleistung von bis zu 110 kW ziemlich flott gelingt – die Ladung von 0 auf 80 Prozent dauert 49 Minuten. Die Ladedose vorn links ist für große HPC-Lader an Autobahnen clever platziert. Doch für das Nachladen an kleinen Säulen – etwa rechts am Gehsteig – ist schon mehr Parkkönnen gefragt. Schließlich ist der EQV mit 5,14 Metern eines der längsten E-Autos überhaupt. Tipp: Ein acht Meter langes Kabel gibt es für 44 Euro beim Händler. Und die optionale 360-Grad-Kamera kann auch nicht schaden.

Preis des Testfahrzeugs

Sinn oder Unsinn? Zum Schluss noch ein Blick auf den Preis des Testwagens. Mit einem Grundpreis von 71.388 Euro startet der EQV 300 lang mit 90-kWh-Akku. Nach Abzug des Umweltbonus (7.975 Euro) liegt er damit nicht so weit über einem vergleichbaren V 300 d (61.142 Euro). Nimmt man noch die Steuerbefreiung von zehn Jahren und geringere Unterhaltskosten hinzu, kann sich der EQV schnell rentieren. Zwei Wermutstropfen bleiben aber: der längere Bremsweg und die mäßige Reichweite.

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