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Wie notwendig ist eigentlich ein Architekt?

Homify-Logo Homify 18.09.2020 Sabine Neumann

Viele Bauherren fragen sich, ob es sich wirklich lohnt, für den Bau ihres Einfamilienhauses einen Architekten zu engagieren. Ist das tatsächlich nötig oder einfach nur viel zu teuer? Wir haben zu diesem Thema ein interessantes Gespräch mit einem unserer Architekturexperten, Christian Farcher von Archipur Architekten, geführt. Er erklärt in folgendem Interview, wie notwendig ein Architekt wirklich ist, was er leistet, wo die Vorteile liegen und wie es auch mit kleinem Budget möglich ist, von der Zusammenarbeit mit einem Architekten zu profitieren.

1. Was kann alles bei der Planung und Ausführung von Einfamilienhäusern schief gehen, wenn man keinen Architekten beauftragt?

1. Was kann alles bei der Planung und Ausführung von Einfamilienhäusern schief gehen, wenn man keinen Architekten beauftragt? © homify / archipur Architekten aus Wien 1. Was kann alles bei der Planung und Ausführung von Einfamilienhäusern schief gehen, wenn man keinen Architekten beauftragt?

Das Haus kann zum Beispiel ungünstig auf dem Grundstück platziert werden, sodass das Sonnenlicht nicht optimal genutzt werden kann, oder die Privatheit zu den Nachbarn ungünstig ist. Einige Male schon haben mir stolze Junghausbesitzer Ihr Eigenheim präsentiert – ich lobte höflich und dachte mir, wenn ich in ein dunkles Eck schaute: „Oje, da hat der Planer verabsäumt, Tageslicht einzuplanen.“ Da muss man dann auch am helllichten Tag das Licht einschalten. Oder ein langer, finsterer Gang mit vielen Türen links und rechts. Da denke ich: „Verschenkter Raum“. Mit guter Planung und Ideen können Gänge eingespart oder zu freundlichen „Mehrwerträumen“ werden. Raumeffizienz stellt eine hohe Kosteneinsparung dar.

2. Wie wichtig ist heutzutage Ökologie und Nachhaltigkeit beim Bau eines Hauses?

2. Wie wichtig ist heutzutage Ökologie und Nachhaltigkeit beim Bau eines Hauses? © homify / archipur Architekten aus Wien 2. Wie wichtig ist heutzutage Ökologie und Nachhaltigkeit beim Bau eines Hauses?

Sehr wichtig! Private und öffentliche Bauherren haben da zumeist schon ein hohes Bewusstsein. In europäischer Denkweise wird ein Haus meist für mehrere Generationen gebaut – darum ist auch die Bereitschaft für die Verwendung von hochwertigen, nachhaltigen Materialen und Techniken groß. Viele kommerzielle Unternehmen schmücken sich mit den Attributen ökologisch und nachhaltig, sind aber in der Umsetzung wenig konsequent. Um merkbare Effekte zur Eindämmung der Klimakrise zu erzielen sind alle angehalten, ihren Beitrag zu leisten. Aber: Jeder Einzelne zählt und sollte das ihm Mögliche auch machen.

3. Worauf muss man achten, wenn man einen Architekten beauftragen möchte?

3. Worauf muss man achten, wenn man einen Architekten beauftragen möchte? © homify / archipur Architekten aus Wien 3. Worauf muss man achten, wenn man einen Architekten beauftragen möchte?

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Man sollte erst einmal Erkundigungen bezüglich Referenzen einholen. Diese sind meist auf den Websites ersichtlich. Wenn diese gefallen, sollte man prüfen, ob der Architekt zu einem passt, der Bauherr sich bei ihm gut aufgehoben fühlt. Ich biete dazu ein unverbindliches und kostenloses Erstgespräch am besten am Bauplatz an. Ein Gebäude zu planen und zu bauen ist ein intensiver Prozess - bei dem man viel Zeit miteinander verbringt. Eine gute Vertrauensbasis sollte gegeben sein.

4. Ist es günstiger einen Architekten zu beauftragen oder alles selbst zu organisieren?

4. Ist es günstiger einen Architekten zu beauftragen oder alles selbst zu organisieren? © homify / archipur Architekten aus Wien 4. Ist es günstiger einen Architekten zu beauftragen oder alles selbst zu organisieren?

Wenn man alles selbst organisieren will, sollte man zumindest Baumeister sein. Manche Bauherren verfallen dem Irrglauben, dass sie die Planung und den Bauablauf selbst managen können, weil eh alles gegoogelt werden kann. Das ist ein Trugschluss: Erst wenn man viel entworfen und öfter Baustellen geleitet hat, ist die Erfahrung verinnerlicht und man kann mit entsprechendem Überblick agieren. Bauen ist eine komplexe Schnittmaterie, in der ein hohes Ausmaß von Wissen/Können in den Bereichen von Baumaterialien, Statik, Bauphysik, wirtschaftlichem Denken, Kommunikations- und Koordinationstalent und nicht zuletzt Lichtführung und Ästhetik erbracht werden müssen. Bezüglich der Kosten des Architekten: Bei der Firmenausschreibung achten wir auf das beste Preis-Leistungsverhältnis und können dadurch eine hohe Ersparnis erzielen – oft höher als unser gesamtes Honorar. Bei Preisverhandlungen mit ausführenden Firmen und bei Rechnungsprüfungen im Zuge des Baufortschritts wird meist viel Sparpotential gehoben. Umgekehrt habe ich noch von jedem Bauherrn dazugelernt, da bei jedem die eigenen Vorstellungen in das Projekt einfließen. Der aktive Bauherr hinterfragt den Planungs- und Bauprozess und macht eigene Vorschläge. Er bekommt schlussendlich genau das Haus, das er sich wünscht und zutraut und das seinem Budget entspricht.

5. Lohnt es sich auch mit einem kleinen Budget, einen Architekten zu engagieren?

5. Lohnt es sich auch mit einem kleinen Budget, einen Architekten zu engagieren? © homify / archipur Architekten aus Wien 5. Lohnt es sich auch mit einem kleinen Budget, einen Architekten zu engagieren?

Ja. Ein guter Architekt kann auch mit kleinem Budget vieles ermöglichen, durch besondere Raumeffizienz, Verhandlungsgeschick und Wertsteigerung, die spätestens beim Wiederverkauf deutlich wird.

6. Welche Trends zeichnen sich derzeit beim Bau von Einfamilienhäusern ab?

6. Welche Trends zeichnen sich derzeit beim Bau von Einfamilienhäusern ab? © homify / archipur Architekten aus Wien 6. Welche Trends zeichnen sich derzeit beim Bau von Einfamilienhäusern ab?

Ich bemerke, dass die Verwendung von ökologischen Materialien und Techniken stark im Trend liegt. Das letzte von mir geplante Einfamilienhaus, das mit Styropor gedämmt wurde, liegt schon lange zurück. Holzbau und 50er-Tonziegel werden vermehrt verwendet, Gründach und Wärmepumpen sind beinahe schon Standard. Ich hatte kürzlich das Glück, für besonders ökologisch denkende Bauherren planen zu dürfen. Uns wurde soeben ein Haus genehmigt, das wir mit „Earthbags“ bauen. Dabei wird die Lehmerde vom Aushub mit Gesteinsmaterial des Aushubs vermengt, dieses Gemisch wird in Jutesäcke gepackt -und zwischen Holzstehern übereinandergestapelt. Diese Bauweise ist in unserer Region eine Novität und ich glaube, dass diese Bauweise viele Nachahmer finden wird. Innen wird Lehmputz aufgebracht – das Dach wird ein Gründach auf Massivholzelementen. Zum Thema Haustechnik: Die Niederschlagswässer werden in einer Zisterne gesammelt und gefiltert als Brauchwasser dem Haushalt zurückgeführt. Das Grauwasser des Hauses wird in der Pflanzenkläranlage im Wintergarten gefiltert, dient den Pflanzen des Wintergartens als Wässerung. Weiters wird das gefilterte Wasser in den Toilettenbereich geleitet, zur Spülung der Toilette. Die Fäkalien werden einem Seperator-WC Kompostierungssystem zugeführt, welches an den Schmutzwasserkanal angeschlossen ist. Die Wärmeerzeugung erfolgt durch Passivenergienutzung des südlich gelegenen Wintergartens und eine kleine Photovoltaikanlage. Eine kontrollierte Lüftung hilft, eine stabile Temperatur zu halten. Besser geht es nicht. Die Errichtungskosten sind höchst wirtschaftlich, die Materialien und die Haustechnik sind zu fast 100 % ökologisch und nachhaltig, die graue Energiebilanz geht gegen null.

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