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Corona-Krise: Donald Trump patzt, aber Joe Biden auch

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL vor 3 Tagen Roland Nelles

Der US-Präsident will sich in der Viruskrise als entschlossener Krisenmanager präsentieren. Sein Rivale Joe Biden muss schwer kämpfen, um gehört zu werden - gelegentlich geht das schief.

© MANDEL NGAN/ AFP

Es sollte ein großer Auftritt für Joe Biden werden. Er saß in seinem Privathaus vor einer Kamera und wurde für ein Interview zur Coronakrise live in den Sender CNN geschaltet.

Dann hustete Biden in die Hand. Einmal, zweimal.

Nanu, ob er denn nicht wisse, dass man in diesen Zeiten in den Ellenbogen husten müsse, ermahnt der Moderator den früheren Vize-Präsidenten. "Doch natürlich, klar", erwiderte Biden entschuldigend. "Aber ich bin zum Glück allein zu Hause."

Der kurze Clip des Biden-Auftritts ist seither in den sozialen Medien ein Hit, vor allem US-Präsident Donald Trump und seine Getreuen nutzen die seltsame Szene, um sich über den Rivalen lustig zu machen. Das sei also der beste Mann der Demokraten, witzelte Trump und schickte das Huste-Video via Twitter an seine 75 Millionen Follower.

Man kann nicht behaupten, dass es für Biden gerade wirklich rund läuft. Eben noch war der wahrscheinliche Kandidat der Demokraten für die Präsidentschaftswahl 2020 nach einer Serie von Siegen bei den Vorwahlen obenauf. Nun wird er in der Coronakrise zur Randfigur mit mäßiger Strahlkraft.

Von den Pleiten und Pannen, die US-Präsident Donald Trump bei seinem Krisenmanagement produziert, kann Biden bislang kaum profitieren. Immerhin hat Trump im Gegensatz zu ihm eine große Bühne. Der Präsident ist als "Commander-in-Chief" der Mann, auf den sich nun alle Blicke richten. Er spricht zur Nation. Er ist aktiv, handelt, während Biden mehr oder weniger zum Zuschauen verdonnert ist.

Selbst Gouverneure bekommen mehr Aufmerksamkeit

In jeder Krise schlägt die Stunde der Exekutive, wie es im Polit-Sprech heißt. Und der Kandidat hat kein offizielles Amt, keine Funktion. Selbst demokratische Gouverneure wie Andrew Cuomo in New York oder Phil Murphy in New Jersey finden momentan mehr Beachtung in den großen US-Medien als Biden. Während halb Amerika daheim in Quasi-Quarantäne vor dem Fernseher sitzt und viel Zeit hat, das Geschehen zu verfolgen, dominieren andere die Hauptnachrichtensendungen. Biden muss hart kämpfen, um sich Gehör zu verschaffen. "Wo ist Joe Biden?", fragt Donald Trumps Sohn, Donald Junior, und streut damit zusätzlich Salz in die Wunde.

Biden hat wegen der Viruskrise alle Wahlkampfveranstaltung abgesagt, auch die Vorwahlen der Demokraten pausieren derzeit. Der Kandidat sitzt die meiste Zeit in seinem Haus im Bundesstaat Delaware. Besuch empfängt er dort laut Medienberichten wegen der Coronakrise kaum noch, selbst seine Personenschützer vom Secret Service tragen offenbar Schutzanzüge. Das fortgeschrittene Alter des Kandidaten bereitet Anlass zur Sorge: Auch wenn Biden selbst angibt, kerngesund zu sein, könnte eine Ansteckung für den 77-Jährigen eine Gefahr darstellen.

US-Präsident Trump nutzt derweil jeden seiner Auftritte zur Werbung in eigener Sache. Die Pressekonferenzen im Weißen Haus ersetzen jetzt Trumps große Wahlkampf-Kundgebungen, jeden Abend ist der Staatschef via TV viele Minuten lang in den Haushalten der Bürger zu Gast. Bei seinem Haussender Fox News beantwortet er in einer Town-Hall-Sendung geduldig Bürgerfragen: "Wir machen einen hervorragenden Job bei der Bewältigung der Krise", tönt Trump. "Noch nie hat jemand mehr geleistet." Oder: "Alles wird gut. Wir werden die Schlacht gegen den unsichtbaren Feind gewinnen. Es geht voran."

Knappes Rennen in den Umfragen

Insgesamt liegt Biden in den Umfragen weiterhin knapp vor Trump. Er ist der Hoffnungsträger all jener Amerikaner, die darauf setzen, Trump bei der Wahl endlich loszuwerden. Doch mehrere Erhebungen zeigen zugleich, dass eine Mehrheit der Amerikaner mit Trumps Krisenmanagement derzeit zufrieden zu sein scheint.

Das kann sich bei rapide steigenden Todeszahlen oder bei einer schweren Wirtschaftskrise schnell ändern. Aber: Sollte das Land die Krise bis zur Wahl im November halbwegs glimpflich überstanden haben, könnte Trump sich als Virus-Bezwinger feiern und damit bei Wechselwählern punkten.

Biden und seine Berater haben die Gefahr erkannt. Sie versuchen, den Kandidaten mit einer Serie von Interviews mehr Präsenz zu verschaffen. Da schimpft Biden dann über Trumps Krisenmanagement und verspricht, in seiner Präsidentschaft werde alles besser werden.

"Trump sagt, er sei ein Kriegspräsident, warum handelt er dann nicht endlich wie einer", sagt Biden. Trump reagiere auf die Krise einfach nicht schnell und entschieden genug. "Ich verstehe den Mann nicht. Es ist, als schaue man einem Jo-Jo zu."

Biden sucht seine Vize-Kandidatin

Zugleich bereitet sich Biden in seinem Haus in Delaware darauf vor, seine Wahlkampagne neu zu starten, sobald die Krise vorüber ist. Dass ihn sein parteiinterner Rivale Bernie Sanders, der weiterhin nicht aufgegeben will, bei den ausstehenden Vorwahlen noch einholen wird, gilt als unwahrscheinlich. Gleichwohl muss sich Biden bei den letzten Abstimmungen - so sie denn stattfinden können - noch offiziell die Mehrheit für die Nominierung der Partei sichern.

Ganz wichtig dabei: Die Suche nach einer geeigneten Kandidatin für das Vize-Präsidentenamt. Gelingt ihm hier eine gute Wahl, könnte er seine eigene Partei einen und seinen Vorsprung zu Trump in den Umfragen rasch wieder ausbauen.

Biden hat bereits angekündigt, dass er mit Sicherheit eine Frau für die Position auswählen werde. Nun kursieren eine Reihe von Namen: Darunter Amy Klobuchar, Kamala Harris oder Elizabeth Warren, die allesamt aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur ausgeschieden sind. Im Gespräch sind aber auch eher unbekannte Namen: Zum Beispiel die Gouverneurin von New Mexiko, Michelle Lujan Grisham oder die Senatorin Catherine Cortez Masto. 

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