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Corona-Krise: Mehrheit hält Impfpflicht für Pflegekräfte für zielführend

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL vor 6 Tagen Benjamin Moscovici

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat eine Corona-Impfpflicht für Pflegekräfte ins Spiel gebracht. Eine SPIEGEL-Umfrage zeigt: Die Mehrheit der Bevölkerung findet den Vorstoß gut.

© Petra Nowack / imago images/penofoto

Markus Söder ist in der Coronakrise schon durch zahlreiche Vorschläge aufgefallen. Mit einem seiner neuesten stößt er politisch auf breite Ablehnung: Der bayerische Ministerpräsident hatte angeregt, eine verpflichtende Impfung für Pflegekräfte prüfen zu lassen.

Söder begründete seinen Vorstoß damit, dass sich in Alten- und Pflegeheimen zu wenige Mitarbeiter impfen ließen, obwohl die Bewohner dort besonders durch das Coronavirus gefährdet seien. Allerdings gibt es keine belastbaren Zahlen zur Impfbereitschaft des Pflegepersonals. Und noch im November hatte Söder gesagt: »Es wird aber keine Impfpflicht geben.«

Die Koalitionsparteien CDU und SPD, aber auch die Oppositionsparteien lehnen eine Pflicht zur Impfung ohnehin ab. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn trat Söders Vorstoß entgegen. »Es wird in dieser Pandemie keine Impfpflicht geben«, sagt der CDU-Politiker dem Deutschlandfunk.

Allerdings kann Söder in der aktuellen Debatte laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Civey im Auftrag des SPIEGEL auf breite Unterstützung der Bevölkerung setzen.

In der Erhebung antworteten rund 58 Prozent der Befragten mit »Ja, auf jeden Fall« oder mit »eher ja« auf die Frage, ob sie eine Corona-Impfpflicht für Pflegekräfte für zielführend halten, um die Risikogruppen besser zu schützen. Knapp 35 Prozent der mehr als 5000 Befragten antworten mit »eher nein« oder »Nein, auf keinen Fall«.

Besonders gut kommt der Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten bei den eigenen Wählern an. Unter Unionsanhängern befürworten drei Viertel die Idee einer Impfpflicht für medizinisches Personal.

Auch unter älteren Menschen ist die Zustimmung überdurchschnittlich hoch. Während in der Gruppe der 30- bis 39-Jährigen nur rund 46 Prozent dafür sind, wünschen sich in der Gruppe der über 65-Jährigen rund 73 Prozent, dass medizinisches Personal sich impfen lassen muss.

Eine allgemeine Impfpflicht lehnt die Mehrheit der Deutschen hingegen ab, wie eine andere Umfrage zeigt. Auch hier hat Söder die Stimmung in der Bevölkerung offenbar richtig eingeschätzt. Für die Allgemeinheit hatte Söder nämlich keine Impfpflicht gefordert, sondern sich eines Kunstgriffs bedient: Die Corona-Impfung sei eine »Bürgerpflicht«, sagte der CSU-Politiker.

Im Auftrag des SPIEGEL fragte Civey daher: »Inwieweit stimmen Sie folgender Aussage zu: ›Sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, ist eine Bürgerpflicht‹«? Hier stimmten 62 Prozent der Befragten zu, rund 30 Prozent widersprachen. Auch in dieser Frage ist die Zustimmung bei den über 65-Jährigen mit 76 Prozent deutlich höher als in jeder anderen Altersgruppe.

Schaut man auf die Zustimmungswerte je nach Wahlabsicht, zeigt sich: Söder hat die Mehrheit bei Anhängerinnen und Anhängern der Union klar hinter sich. Deutlichen Widerspruch gab es dagegen bei Unterstützern der AfD, der FDP und der Linken.

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