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Coronavirus: WHO erkennt Aerosol-Übertragung an

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 10.07.2020 Katherine Rydlink

Nachdem rund 240 Wissenschaftler einen offenen Brief an die WHO verfasst hatten, lenkt die Organisation ein: Sie bestätigt, dass das Coronavirus auch über die Luft übertragen werden kann.

© Monkey Business 2/ imago images/Shotshop

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Leitlinie überarbeitet und die mögliche Übertragung von Sars-CoV-2 durch Aerosole anerkannt. Die Änderung erfolge aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, heißt es in der Mitteilung vom Donnerstag.

Anfang der Woche hatten 239 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen offenen Brief an die WHO geschrieben. Darin hatten sie die Organisation dazu aufgefordert anzuerkennen, dass sich das Coronavirus auch über die Luft verbreiten kann. Wissenschaftliche Studien hätten inzwischen belegt, dass Viruspartikel beim Sprechen oder Atmen ausgestoßen und von anderen wieder eingeatmet werden können. Das Risiko der Übertragung durch Aerosole müsse ausreichend anerkannt werden, hieß es in dem Brief. Und es müssten entsprechende Vorsichtsmaßnahme gegen eine solche Übertragung veranlasst werden.

Die WHO hatte zuvor in ihrer Leitlinie zur Übertragung des Virus lediglich die Tröpfcheninfektion anerkannt, also die Verbreitung über größere Tröpfchen, die beim Niesen oder Husten entstehen. Aerosole sind sehr viel kleinere Partikel, die beim Sprechen, Atmen oder Singen ausgestoßen werden, sie sind so leicht, dass sie für einige Zeit in der Luft schweben können.

Bisher hatte die WHO die Verbreitung über Aerosole lediglich im medizinischen Bereich für möglich erklärt. Nun hat sie offenbar auf die Forderungen der Wissenschaftler reagiert - allerdings sehr zurückhaltend: Die Studienlage dazu sei noch nicht ausreichend und beruhe zu Teilen auf Preprints, die noch wissenschaftlich überprüft werden müssten, heißt es in der Leitlinie. Es gebe jedoch nach der Untersuchung von Ausbrüchen, etwa in Restaurants, Chören oder Fitnessstudios, die Vermutung, dass das Virus durchaus auch über die Luft übertragbar sein könnte.

"Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Virus in bestimmten Situationen, etwa beim Aufenthalt in geschlossenen, überfüllten und schlecht belüfteten Räumen für eine längere Zeit, übertragen werden kann", heißt es von der WHO. Es könne aber ebenso sein, dass in den untersuchten Szenarien die Übertragung stattgefunden habe, weil die Handhygiene missachtet oder keine Masken getragen wurden.

Auch asymptomatische Übertragung möglich

In ihrer überarbeiteten Version aktualisierte die WHO auch die Passage zur asymptomatischen Übertragung von Sars-CoV-2. Die Organisation hatte das Übertragungsrisiko durch Patienten ohne Symptome zunächst als "sehr selten" bezeichnet - obwohl zahlreiche Studien nahegelegt haben, dass die Pandemie entscheidend auch durch asymptomatische Verbreitung mitgetragen wird.

Nun schreibt die Organisation, dass der Hauptübertragungsweg weiterhin die Tröpfcheninfektion sei, aber auch ein Risiko von symptomlosen Infizierten ausgehe, die das Virus ebenso weitergeben könnten. Es bliebe jedoch unklar, in welchem Umfang die asymptomatische Verbreitung eine Rolle spiele.

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